Im zur amt­li­chen Publi­ka­ti­on vor­ge­se­he­nen Urteil vom 14. Dezem­ber 2016 befass­te sich das BGer mit einer Beschwer­de gegen die eid­ge­nös­si­sche Volks­ab­stim­mung über das Bun­des­ge­setz über den Nach­rich­ten­dienst (Nach­rich­ten­dienst­ge­setz, NDG). Die Vor­la­ge wur­de gemäss den vor­läu­fi­gen amt­li­chen End­ergeb­nis­sen mit 65.5 % Ja-Stim­men ange­nom­men. Im Vor­feld der Abstim­mung erhob Dani­el Sal­va­to­re Muster Beschwer­de an den Regie­rungs­rat des Kan­tons Zürich und bean­trag­te, dass die bevor­ste­hen­de Abstim­mung in sämt­li­chen Kan­to­nen aus­zu­set­zen bzw. für ungül­tig zu erklä­ren sei. Zur Begrün­dung mach­te er gel­tend, dass die Medi­en­mit­tei­lun­gen des Kan­tons Zürich und der Ost­schwei­zer Justiz- und Poli­zei­di­rek­to­ren­kon­fe­renz (OJPD) unzu­läs­si­ge Ein­mi­schun­gen in den Abstim­mungs­kampf auf Bun­des­ebe­ne dar­stell­ten. Sowohl der Regie­rungs­rat als auch das BGer wei­sen die Beschwer­de von Dani­el Muster ab.

Das BGer hält fest, dass sich die Zuläs­sig­keit der Inter­ven­ti­on eines Kan­tons im Rah­men von Abstim­mun­gen auf Bun­des­ebe­ne danach ent­schei­de, ob er am Aus­gang der Abstim­mung ein unmit­tel­ba­res und beson­de­res Inter­es­se habe, das jenes der übri­gen Kan­to­ne deut­lich über­steigt. Ein der­ar­ti­ges Inter­es­se sei vor­wie­gend in jenen Fäl­len denk­bar, wo es direkt oder indi­rekt um ein kon­kre­tes Pro­jekt gehe, nament­lich um Infra­struk­tur­pro­jek­te. Ein unmit­tel­ba­res und beson­de­res Inter­es­se sei aber auch bei gene­rell-abstrak­ten Vor­la­gen nicht von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen.

In Bezug auf die Medi­en­mit­tei­lung des Kan­tons Zürich sagt das BGer fol­gen­des:

[…] Gross­an­läs­se fin­den im Kan­ton Zürich beson­ders häu­fig statt und unstrit­tig ver­fügt die­ser über den gröss­ten Flug­ha­fen und den gröss­ten Bahn­hof in der Schweiz. Zwar fin­den sich etwa Fuss­ball­sta­di­en, Kon­zert- und Mes­se­hal­len auch anders­wo, doch weist der Kan­ton Zürich eine beson­ders hohe Kon­zen­tra­ti­on an der­ar­ti­gen Anla­gen auf. Inso­fern erweist er sich als gegen­über ter­ro­ri­sti­schen Anschlä­gen beson­ders ver­letz­lich, was der Regie­rungs­rat in sei­ner Medi­en­mit­tei­lung denn auch dar­ge­legt hat. Bei Kan­to­nen, die wie Zürich am Aus­gang der Abstim­mung ein der­ar­ti­ges unmit­tel­ba­res Inter­es­se besit­zen, ist die erfor­der­li­che beson­de­re Betrof­fen­heit zu beja­hen. (E. 5.2.)

Im Unter­schied zur Inter­ven­ti­on des Kan­tons Zürich sei die Medi­en­mit­tei­lung der OJPD — so das BGer — nicht auf­grund einer beson­de­ren Betrof­fen­heit erfolgt. Viel­mehr unter­stüt­ze sie die Vor­la­ge des Bun­des für ein Nach­rich­ten­dienst­ge­setz aus sicher­heits­po­li­ti­schen Erwä­gun­gen. Die Inter­ven­ti­on der OJPD sei des­halb unzu­läs­sig.

Da es aus­ge­schlos­sen wer­den kön­ne, dass der Inter­ven­ti­on der OJPD im Abstim­mungs­kampf eine aus­schlag­ge­ben­de Bedeu­tung zuge­kom­men sei (Ja-Stim­men­an­teil von fast zwei Drit­teln), kom­me eine Auf­he­bung der Abstim­mung aber nicht in Betracht.

Fabian Klaber

Posted by Fabian Klaber

Dr. Fabian Klaber, LL.M, hat an der Universität Basel und an der Columbia Law School (LL.M.) studiert, war danach als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Basel tätig und absolvierte Praktika bei Froriep und beim Bezirksgericht Horgen. Er arbeitet im Advokaturbureau Kleb | Harburger.