Im zur amt­li­chen Publi­ka­ti­on vor­ge­se­he­nen Urteil vom 4. Novem­ber 2016 nahm das BGer Stel­lung zur Zuläs­sig­keit des Kaufs von Immo­bi­li­en durch eine mit einem Bri­ten ver­hei­ra­te­ten Schwei­ze­rin. Die in Dubai wohn­haf­te Schwei­ze­rin inter­es­sier­te sich für zwei Objek­te in einer Gemein­de im Kan­ton Frei­burg mit einem Gesamt­preis von Fr. 1’660’000.–, wel­che sie als Allein­ei­gen­tü­me­rin erwer­ben woll­te. Die Finan­zie­rung soll­te sicher­ge­stellt wer­den durch Fr. 100’000.– aus dem Eigen­tum der Ehe­frau, Fr. 405’000.– aus dem Eigen­tum des Ehe­man­nes und Fr. 1’155’000.– aus dem Hypo­the­kar­kre­dit einer Bank. Nach­dem die kan­to­na­le Kom­mis­si­on für den Erwerb von Grund­stücken durch Per­so­nen im Aus­land zum Schluss kam, dass der gewünsch­te Kauf nicht vom Bun­des­ge­setz über den Erwerb von Grund­stücken durch Per­so­nen im Aus­land (BewG; SR 211.412.41) erfasst wer­de, gelang­te das Justiz- und Poli­zei­de­par­te­ment (EJPD) ans BGer, wel­ches die Beschwer­de gut­heisst.

Das BGer hält unter Ver­weis auf die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung fest, dass die aus­län­di­sche Finan­zie­rung eines Grund­stück­er­werbs grund­sätz­lich nicht in den Anwen­dungs­be­reich des BewG fal­le. Indes­sen dür­fe der grund­pfand­ge­si­cher­te aus­län­di­sche Kre­dit zwei Drit­tel des Ver­kaufs­werts des Grund­stücks nicht über­stei­gen. Über­stei­ge die Bela­stung das ver­kehrs­üb­li­che Mass, kön­ne dem Pfand­gläu­bi­ger eine eigen­tü­mer­ähn­li­che Stel­lung zukom­men, was die Anwend­bar­keit des BewG zur Fol­ge habe. Dies wer­de in der Regel bei einer aus­län­di­schen Finan­zie­rung von 80% oder mehr ange­nom­men.

Im vor­lie­gen­den Fall — so das BGer — betei­li­ge sich der Ehe­mann der poten­ti­el­len Käu­fe­rin mit einem Betrag von Fr. 405’000.–, was unge­fähr 24% des Kauf­prei­ses ent­spre­che. Dies genü­ge noch nicht für die Anwend­bar­keit des BewG und der damit ver­bun­de­nen Bewil­li­gungs­pflicht. Es müs­se aber berück­sich­tigt wer­den, dass die Ehe­frau den Hypo­the­kar­kre­dit von Fr. 1’155’000.– nur dank dem Ein­kom­men des Ehe­man­nes erhal­ten habe. Somit müs­se der Hypo­the­kar­kre­dit dem Ehe­mann “ange­rech­net” wer­den, was in einer Betei­li­gung von 94% resul­tie­re. Damit kom­me dem Ehe­mann eine ähn­li­che Stel­lung zu wie dem Eigen­tü­mer eines Grund­stücks und der Erwerb der bei­den Grund­stücke durch die Ehe­frau unter­lie­ge der Bewil­li­gungs­pflicht.

Fabian Klaber

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Dr. Fabian Klaber, LL.M, hat an der Universität Basel und an der Columbia Law School (LL.M.) studiert, war danach als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Basel tätig und absolvierte Praktika bei Froriep und beim Bezirksgericht Horgen. Er arbeitet im Advokaturbureau Kleb | Harburger.