Die X. SA (Beschwer­de­füh­re­rin) lei­te­te vor dem Tri­bu­nal civil de l’arrondissement de la Sari­ne im Kan­ton Frei­burg eine akti­en­recht­li­che Ver­ant­wort­lich­keits­kla­ge gegen die A. AG und drei wei­te­re Per­so­nen ein. Die Gerichts­prä­si­den­tin ver­füg­te einen Kosten­vor­schuss im Betrag von CHF 475’000. Die X. SA wehr­te sich gegen die Höhe des Kosten­vor­schus­ses und ver­lang­te, es sei­en nicht mehr als CHF 95’000 als Vor­schuss zu erhe­ben.

Der Cour de modé­ra­ti­on du Tri­bu­nal can­to­nal du can­ton de Fri­bourg wies die Beschwer­de der X. SA ab. Das Bun­des­ge­richt trat auf die Beschwer­de der X. SA nicht ein (Urteil 4A_14/2016 vom 15. Novem­ber 2016).

Das Bun­des­ge­richt prüf­te in die­sem Leit­ent­scheid aus­führ­lich, ob die Vor­aus­set­zun­gen von Art. 93 BGG zur Anfech­tung eines Zwi­schen­ent­schei­des gege­ben waren (E. 2.1). Zu prü­fen war ins­be­son­de­re, ob ein nicht wie­der gut­zu­ma­chen­der Nach­teil droh­te, falls das Bun­des­ge­richt nicht auf die Beschwer­de ein­tre­ten wür­de (E. 2.2). Das Bun­des­ge­richt ver­nein­te die­se Fra­ge und trat auf die Beschwer­de nicht ein (E. 3.1 i.f.).

Im Wesent­li­chen hielt das Bun­des­ge­richt fest, es müs­se ein recht­li­cher Nach­teil dro­hen, damit die Vor­aus­set­zun­gen gemäss Art. 93 BGG erfüllt sind (dro­hen­der Rechts­ver­lust). Der Ein­tritt bloss wirt­schaft­li­cher Nach­tei­le oder ande­rer tat­säch­li­cher Nach­tei­le genügt nicht. Das Bun­des­ge­richt befasst sich aus pro­zess­öko­no­mi­schen Grün­den ledig­lich ein ein­zi­ges Mal mit einer Streit­sa­che, wenn ein nicht wie­der gut­zu­ma­chen­der Rechts­nach­teil droht (zum Gan­zen E. 2.2).

Bezüg­lich Kosten­vor­schuss­ver­fü­gun­gen dro­he nur dann ein nicht wie­der gut­zu­ma­chen­der Rechts­nach­teil, wenn der Beschwer­de­füh­rer nicht über die finan­zi­el­len Mit­tel ver­fügt, um den ver­lang­ten Vor­schuss zu bezah­len, und gleich­zei­tig die Vor­aus­set­zun­gen für die unent­gelt­li­che Rechts­pfle­ge nicht erfüllt sind (E. 2.3.4).

Die X. SA hät­te des­halb in der Beschwer­de dar­le­gen müs­sen, dass sie nicht über die erfor­der­li­chen Mit­tel ver­fügt, um einen Vor­schuss in der Höhe von CHF 475’000 bzw. mehr als CHF 95’000 zu lei­sten (E. 2.3.2). Da die­ser Nach­weis nicht erbracht wor­den war, trat das Bun­des­ge­richt auf die Beschwer­de nicht ein (E. 3.1).

Roland Bachmann

Posted by Roland Bachmann

Roland Bachmann ist Partner bei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG. Sein Schwerpunkt als Wirtschaftsanwalt ist die Prozessführung. Vor seiner Tätigkeit in der Advokatur arbeitete Roland Bachmann als juristischer Sekretär des Obergerichts Zürich und des Bezirksgerichts Zürich. Er studierte an den Universitäten von Zürich, Tours (Frankreich) und Ann Arbor in Michigan (USA).