Sie­ben natür­li­che und juri­sti­sche Per­so­nen schlos­sen sich zu einer ein­fa­chen Gesell­schaft zusam­men, um ein Grund­stück zu erwer­ben und dar­auf ein Haus mit 19 Woh­nungs­ein­hei­ten für den Wei­ter­ver­kauf zu errich­ten. Aus dem Kreis der ursprüng­li­chen Gesell­schaf­ter schlos­sen sich 5 Gesell­schaf­ter zu einer wei­te­ren ein­fa­chen Gesell­schaft zusam­men, um 7 Woh­nun­gen mit Ein­zel­ga­ra­gen zu hal­ten.

Jah­re spä­ter stell­te ein Teil der ein­fa­chen Gesell­schaf­ter ein Schlich­tungs­ge­such gegen X. und mach­te Ansprü­che gestützt auf Art. 41 OR gel­tend. X. erwi­der­te dar­auf, B. (Gesell­schaf­ter Nr. 3) habe sei­ne Rech­te an zwei umstrit­te­nen Woh­nun­gen an G. ver­äu­ssert, der aber sel­ber nicht als Klä­ger auf­ge­tre­ten sei. Das Ver­fah­ren wur­de dar­auf­hin auf die Fra­ge der not­wen­di­gen Streit­ge­nos­sen­schaft bzw. Aktiv­le­gi­ti­ma­ti­on beschränkt

Das Tri­bu­nal de pre­miè­re instan­ce de Genè­ve wies die Kla­ge ab. Die Cham­bre civi­le de la Cour de justi­ce en Genè­ve und das Bun­des­ge­richt bestä­tig­ten den Ent­scheid (Urteil 4A_357/2016 vom 8. Novem­ber 2016).

Das Bun­des­ge­richt hat­te die Fra­ge zu klä­ren, ob B. anstel­le von G. für die not­wen­di­ge Streit­ge­nos­sen­schaft auf­tre­ten konn­te (E. 3). Es hielt im Wesent­li­chen fest, dass das Schlich­tungs­ge­such von sämt­li­chen ein­fa­chen Gesell­schaf­tern gestellt wer­den muss, wenn die ein­fa­che Gesell­schaft Ansprü­che ein­kla­gen will. Die Anga­be ledig­lich der ein­fa­chen Gesell­schaft im Schlich­tungs­ge­such genügt nicht (E. 3.1.3).

Wei­ter unter­such­te das Bun­des­ge­richt, ob eine unge­naue Par­tei­be­zeich­nung oder ein Par­tei­wech­sel vor­lag, der nur nach den Vor­aus­set­zun­gen von Art. 83 ZPO zuläs­sig ist (E. 3.2).  

Da B. im vor­lie­gen­den Fall sei­ne Rech­te an zwei Woh­nun­gen an G. ver­äu­ssert hat­te, war G. rund 20 Mona­te vor dem Schlich­tungs­ge­such als Gesell­schaf­ter in die ein­fa­che Gesell­schaft ein­ge­tre­ten. All­fäl­li­ge Ansprü­che gegen X. stan­den des­halb G. und den übri­gen Gesell­schaf­tern gemein­sam zu, nicht mehr aber B. Der Umstand, dass G. nicht im Rubrum auf­ge­führt wor­den war, betraf die Aktiv­le­gi­ti­ma­ti­on und damit eine Fra­ge des mate­ri­el­len Rechts.

Für das Bun­des­ge­richt lag des­halb nicht bloss eine unge­naue Par­tei­be­zeich­nung vor, die der Rich­ter von Amtes wegen hät­te berich­ti­gen kön­nen. Und da der Streit­ge­gen­stand nicht ver­äu­ssert wor­den war, hing die Zuläs­sig­keit des Par­tei­wech­sels gemäss Art. 83 Abs. 4 ZPO von der Zustim­mung der Gegen­par­tei ab.

Ohne Zustim­mungs­er­klä­rung der Gegen­par­tei muss­te die Kla­ge wegen feh­len­der Aktiv­le­gi­ti­ma­ti­on abge­wie­sen wer­den (zum Gan­zen E. 4).

Roland Bachmann

Posted by Roland Bachmann

Roland Bachmann ist Partner bei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG. Sein Schwerpunkt als Wirtschaftsanwalt ist die Prozessführung. Vor seiner Tätigkeit in der Advokatur arbeitete Roland Bachmann als juristischer Sekretär des Obergerichts Zürich und des Bezirksgerichts Zürich. Er studierte an den Universitäten von Zürich, Tours (Frankreich) und Ann Arbor in Michigan (USA).