Im vor­lie­gen­den Urteil hat­te das Bun­des­ge­richt zu prü­fen, ob die Vor­in­stanz der Beschwer­de­geg­ne­rin zu Recht defi­ni­ti­ve Rechts­öff­nung erteilt hat­te gestützt auf eine in Deutsch­land von einer Nota­rin aus­ge­stell­te voll­streck­ba­re öffent­li­che Urkun­de („Zur Rege­lung der Tren­nungs- und Schei­dungs­fol­gen abge­schlos­se­ner Ehe­ver­trag“).
In die­sem Zusam­men­hang erwog das Bun­des­ge­richt u.a.:

  • Gemäss LugÜ kön­nen auch die im Aus­stel­lungs­staat voll­streck­ba­ren öffent­li­chen Urkun­den in einem ande­ren Ver­trags­staat voll­streck­bar und ein Titel für die defi­ni­ti­ve Rechts­öff­nung sein (Art. 57 rev­LugÜ und Art. 50 LugÜ/1988; E. 3.1).
  • Nach deut­schem Recht kön­nen Ehe­gat­ten durch Ehe­ver­trag grund­sätz­lich Ver­ein­ba­run­gen (auch) über son­sti­ge Schei­dungs­fol­gen wie den nach­ehe­li­chen Kin­des­un­ter­halt tref­fen und dies­be­züg­lich in nota­ri­el­ler Urkun­de einen voll­streck­ba­ren Titel gemäss deut­scher ZPO schaf­fen (E. 3.2).
  • Der Ein­wand des Beschwer­de­füh­rers (Vater), der Beschwer­de­geg­ne­rin (Toch­ter) feh­le die Aktiv­le­gi­ti­ma­ti­on, wur­de ver­wor­fen, weil der Beschwer­de­geg­ne­rin, nach­dem sie voll­jäh­rig gewor­den war, gestützt auf deut­sches Recht kor­rekt eine voll­streck­ba­re Aus­fer­ti­gung erteilt wor­den war (E. 3.4).
  • Die vor­ge­leg­te voll­streck­ba­re öffent­li­che Urkun­de ver­stiess auch nicht gegen den Ord­re public (E. 3.5). Das Bun­des­ge­richt ver­warf ins­be­son­de­re das Argu­ment, dass eine ver­trag­li­che Ver­pflich­tung über Kin­des­un­ter­halt, wel­che nicht vom deut­schen Schei­dungs­ge­richt geneh­migt wer­de, gegen den schwei­ze­ri­schen Ord­re public ver­sto­sse. Das Bun­des­ge­richt hielt dazu fest, dass nicht alle Staa­ten von einem „Kon­zept der Ein­heit des Schei­dungs­ur­teils“ wie in der Schweiz aus­ge­hen wür­den; es war nicht dar­ge­tan, dass das Ergeb­nis aus der voll­streck­ba­ren öffent­li­chen Urkun­de den Wert­vor­stel­lun­gen der schwei­ze­ri­schen Rechts­ord­nung krass wider­spre­chen wür­de (E. 3.5.3).
  • Bezüg­lich der angeb­lich ein­ge­tre­te­nen Ver­jäh­rung (Art. 81 Abs. 1 SchKG) erwog das Bun­des­ge­richt, dass der Schuld­ner bei Mass­geb­lich­keit aus­län­di­schen Rechts die ent­spre­chen­den Rechts­quel­len dar­tun müs­se, und dass ein blo­sser Hin­weis auf die (angeb­lich) “zutref­fen­de” Anwen­dung des deut­schen BGB durch die Erst­in­stanz den Begrün­dungs­an­for­de­run­gen nicht genü­ge (E. 3.6.1).
  • Schliess­lich (E. 3.6.4) liess das Bun­des­ge­richt man­gels ent­spre­chen­der Dar­le­gun­gen des Beschwer­de­füh­rers offen, ob bei voll­streck­ba­ren öffent­li­chen Urkun­den gemäss „altem“ LugÜ die Ein­wen­dun­gen nach Art. 81 Abs. 2 SchKG mög­lich sind, und nahm auch nicht Stel­lung zur „Luzer­ner Pra­xis“, das Ver­fah­ren aus­zu­set­zen und dem Schuld­ner auf Antrag hin Gele­gen­heit zur Kla­ge­an­he­bung innert bestimm­ter Frist zu geben (LGVE 2005 I Nr. 44). 

Die Beschwer­de wur­de abge­wie­sen, soweit dar­auf ein­zu­tre­ten war.

Lukas Wiget

Posted by Lukas Wiget

RA Dr. Lukas Wiget, LL.M, ist als Rechtsanwalt bei Blum&Grob Rechtsanwälte AG tätig. Nach dem Studium an der Universität Zürich arbeitete er zunächst als wissenschaftlicher Assistent, später am Bezirksgericht Horgen und in einer grösseren Zürcher Wirtschaftskanzlei. Das LL.M.-Studium absolvierte er in Sydney an der University of New South Wales.