Das Bun­des­ge­richt erhielt Gele­gen­heit, sich zum Anwen­dungs­be­reich des all­ge­mein­ver­bind­lich erklär­ten Gesamt­ar­beits­ver­tra­ges für den fle­xi­blen Alters­rück­tritt im Bau­haupt­ge­wer­be (GAV FAR) zu äussern. Die A. AG war Mit­glied des ASTAG Schwei­ze­ri­schen Nutz­fahr­zeug­ver­ban­des, nicht aber des Schwei­ze­ri­schen Bau­mei­ster­ver­ban­des. Gemäss Han­dels­re­gi­ster bezweck­te die A. AG ins­be­son­de­re die Über­nah­me und Durch­füh­rung von Mate­ri­al­trans­por­ten, spe­zi­ell im Bau­ge­wer­be sowie Bau­schutt-Recy­cling.

Die Stif­tung für den fle­xi­blen Alters­rück­tritt im Bau­haupt­ge­wer­be (Stif­tung FAR), die mit dem Voll­zug des GAV FAR betraut ist, stell­te sich auf den Stand­punkt, die A. AG fal­le in den Gel­tungs­be­reich des GAV FAR und sei des­halb bei­trags­pflich­tig. Die A. AG argu­men­tier­te dage­gen, als rei­nes Trans­port­un­ter­neh­men unter­ste­he sie nicht dem GAV FAR. Die Stif­tung FAR klag­te gegen die A. AG auf Bezah­lung der Bei­trä­ge. Das Kan­tons­ge­richt Basel-Land­schaft wies die Kla­ge ab. Das Bun­des­ge­richt wies die dage­gen gerich­te­te Beschwer­de ab (Urteil 9C_453/2016 vom 21. Novem­ber 2016).

Das Bun­des­ge­richt erwog im Wesent­li­chen, mass­geb­li­ches Kri­te­ri­um für den betrieb­li­chen Gel­tungs­be­reich sei die Bran­che, der ein Betrieb zuzu­ord­nen sei. Aus­schlag­ge­bend sei­en dabei die Tätig­kei­ten, die dem Betrieb das Geprä­ge geben, nicht hin­ge­gen der Han­dels­re­gi­ster­ein­trag oder die Art und Wei­se, wie die Tätig­kei­ten aus­ge­führt bezie­hungs­wei­se wel­che Hilfs­mit­tel dabei ein­ge­setzt wer­den (E. 2.2).

Für das höch­ste Gericht stell­te sich die Fra­ge, ob ein rei­nes Trans­port­un­ter­neh­men, das Lei­stun­gen für das Bau­haupt­ge­wer­be erbringt, vom betrieb­li­chen Gel­tungs­be­reich des GAV FAR erfasst wird (E. 4.1). Das Bun­des­ge­richt gelang­te zum Schluss, dass rei­ne Trans­port­un­ter­neh­men nicht vom betrieb­li­chen Gel­tungs­be­reich des GAV FAR erfasst sind (E. 4.4.4).

Das Bun­des­ge­richt erwog ins­be­son­de­re, dass das Trans­port­ge­wer­be eine eigen­stän­di­ge Bran­che sei. Wenn rei­ne Trans­port­un­ter­neh­men ihre Lei­stun­gen auto­nom dem End­ab­neh­mer anbie­ten wür­den, sei­en sie in einem ande­ren Wirt­schafts­zweig tätig als der Anbie­ter der Grund­lei­stung (E. 4.3.2). Dies gel­te auch für rei­ne Trans­port­un­ter­neh­men, die ledig­lich als Sub­un­ter­neh­mer auf­tre­ten wür­den. Zwi­schen dem Anbie­ter der Grund­lei­stung und dem Sub­un­ter­neh­men bestehe kein unmit­tel­ba­res Kon­kur­renz­ver­hält­nis (E. 4.3.3).

Da die Trans­port­tä­tig­keit im GAV FAR beim betrieb­li­chen Gel­tungs­be­reich kei­ne Erwäh­nung fand, fiel die A. AG als rei­nes Trans­port­un­ter­neh­men nicht in den Anwen­dungs­be­reich des GAV FAR (E. 4.4.3.2 und 4.4.3.3).

Roland Bachmann

Posted by Roland Bachmann

Roland Bachmann ist Partner bei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG. Sein Schwerpunkt als Wirtschaftsanwalt ist die Prozessführung. Vor seiner Tätigkeit in der Advokatur arbeitete Roland Bachmann als juristischer Sekretär des Obergerichts Zürich und des Bezirksgerichts Zürich. Er studierte an den Universitäten von Zürich, Tours (Frankreich) und Ann Arbor in Michigan (USA).