Der Bun­des­rat hat kürz­lich die Ver­ord­nung zum Auto­ma­ti­schen Infor­ma­ti­ons­aus­tausch in Steu­er­sa­chen (AIAV) ver­ab­schie­det, wel­che auf den 1. Janu­ar 2017 in Kraft tre­ten wird. Die­se dient der Umset­zung des Auto­ma­ti­schen Infor­ma­ti­ons­aus­tau­sches (AIA) ab eben­die­sem Datum, in Ver­bin­dung mit den unten auf­ge­li­ste­ten übri­gen Rechts­grund­la­gen. Damit sind die Rechts­grund­la­gen für die Umset­zung des AIA ab 1. Janu­ar 2017 kom­plett.

Die Ver­ord­nung ent­hält die Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen des Bun­des­ra­tes zum Bun­des­ge­setz über den inter­na­tio­na­len auto­ma­ti­schen Infor­ma­ti­ons­aus­tausch in Steu­er­sa­chen (AIAG). [Sie] benennt ins­be­son­de­re wei­te­re nicht mel­den­de Finanz­in­sti­tu­te sowie aus­ge­nom­me­ne Kon­ten [betr. Anwäl­te und Nota­re sie­he: Art. 8 AIAV] und regelt Ein­zel­hei­ten in Bezug auf die Mel­de- und Sorg­falts­pflich­ten der mel­den­den schwei­ze­ri­schen Finanz­in­sti­tu­te. […] Die Ver­ord­nung ent­hält zudem Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen zu den Auf­ga­ben der Eid­ge­nös­si­schen Steu­er­ver­wal­tung (ESTV), zum Infor­ma­ti­ons­sy­stem sowie in ihrem Anhang die anwend­ba­ren Alter­na­tiv­be­stim­mun­gen des OECD-Kom­men­tars zum gemein­sa­men Mel­de- und Sorg­falts­stan­dard für Infor­ma­tio­nen über Finanz­kon­ten.” (Medi­en­mit­tei­lung BR)

AIA-Part­ner­län­der der ersten Serie (ab 1.1.2017)
Bekannt­lich wird die Schweiz den AIA mit fol­gen­den Part­ner­staa­ten und -Hoheits­ge­bie­ten ab 1. Janu­ar 2017 umset­zen: 28 EU-Staa­ten (inkl. UK) und wei­te­re 9 Län­der und Hoheits­ge­bie­te: Austra­li­en; Guern­sey; Island; Isle of Man; Japan; Jer­sey; Kana­da; Nor­we­gen; Süd­ko­rea. Die­se Liste ist abschlie­ssend. Das Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren für den AIA mit die­sen Staa­ten ist abge­schlos­sen. Die AIA-Län­der der zwei­ten Serie wer­den (soweit bekannt) im nach­fol­gen­den Bei­trag sepa­rat auf­ge­li­stet.

Kern­ge­halt der Mel­dun­gen
Sofern die von einem Finanz­in­sti­tut erfass­te Wohn­adres­se ihres Kun­den in einem
AIA-Part­ner­staat liegt, hat sie fol­gen­de
Infor­ma­tio­nen betref­fend die bei ihr depo­nier­ten Ver­mö­gens­wer­te zu mel­den (nicht abschlie­ssend): Einer­seits Kon­to­stand, Depot­wert, Bar­wert resp. Rück­kaufs­wert von Lebens­ver­si­che­run­gen. Dies jeweils erst­mals per 31.12.2017 für die Län­der der ersten Serie (oder frü­he­rem Sal­die­rungs­da­tum). Ande­rer­seits die aus die­sen Ver­mö­gens­wer­ten zwi­schen 1. Janu­ar 2017 bis 31.12.2017 stam­men­den Erträ­ge wie Zins­er­trä­ge, Divi­den­den und son­sti­ge Erträ­ge. Eben­so sind die Brut­to­ver­äu­sse­rungs­er­lö­se aus die­sen Wer­ten sowie Aus­zah­lun­gen von Lebens­ver­si­che­run­gen zu mel­den (s. Art. 22 ff. AIAV und Abschnitt 2, Ziff. 2, MCAA). Des wei­te­ren sind jeweils Namen, Adres­se, Kon­to­num­mer (Poli­ce-Nr.), Geburts­da­tum und Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer des Kon­to­in­ha­bers zu mel­den (s. Abschnitt 2, Ziff. 2, MCAA).

Mel­de­fri­sten
Schwei­ze­ri­sche Finanz­in­sti­tu­te haben ihre Daten­pa­ke­te in den ersten 6 Mona­ten des Jah­res 2018 (Art.15 Abs.1 AIAG) an die Eid­ge­nös­si­sche Steu­er­ver­wal­tung (EStV) zu über­mit­teln, wel­che die Daten ihrer­seits bis 30. Sep­tem­ber 2018 (Art.15 Abs.2 AIAG i.V.m. Abschn. III, Ziff. 3 MCAA) an die Part­ner­staa­ten wei­ter­zu­lei­ten hat. Umge­kehrt darf auch die EStV die aus­län­di­schen Daten­pa­ke­te innert die­ser Frist erwar­ten.

Kei­ne auto­ma­ti­sche Wei­ter­lei­tung in die Kan­to­ne
Nach Ein­gang der Steu­er­in­for­ma­tio­nen aus den Län­dern der ersten Serie bei der EStV kön­nen die kan­to­na­len Steu­er­ver­wal­tun­gen die gewünsch­ten Infor­ma­tio­nen bei der EStV abru­fen. Eine auto­ma­ti­sche Wei­ter­lei­tung der aus­län­di­schen Kon­to­da­ten von der EStV an die kan­to­na­len Steu­er­ver­wal­tun­gen ist gesetz­lich nicht vor­ge­se­hen (Art 32 AIAV).

Quel­len:

Recht­li­che Grund­la­gen für den AIA in Steu­er­sa­chen:

Philipp Kruse

Posted by Philipp Kruse

RA Philipp Kruse führt seit 2012 eine eigene Praxis für Steuerrecht in Zürich (Kruse | Tax & Law). Er studierte an den Universitäten Bern, Heidelberg und Exeter/UK und hat seit 1998 in drei Zürcher Wirtschaftskanzleien praktiziert. Er war von 2003 bis 2007 im Kantonalen Steueramt Zürich tätig und hat sich seither auf den Bereich 'Steuer- und Abgaberecht' spezialisiert.