Die Wett­be­werbs­kom­mis­si­on (WEKO) hat in den Unter­su­chun­gen der Zins­de­ri­vat-Kar­tel­le erste Bus­sen im Umfang von ins­ge­samt CHF 99.1 Mio gegen ver­schie­de­ne Gross­ban­ken ver­hängt. Mit ver­schie­de­nen Ban­ken wur­den im Zuge des­sen ein­ver­nehm­li­che Rege­lun­gen abge­schlos­sen, wobei die Ver­fah­ren gegen­über den­je­ni­gen Ban­ken und Bro­kern wei­ter­lau­fen, die kei­ne ein­ver­nehm­li­che Rege­lung abschlie­ssen woll­ten.

Gegen­stand der fünf Unter­su­chun­gen waren bzw. sind unter­schied­li­che Ver­hal­tens­wei­sen von ins­ge­samt 21 Par­tei­en (16 Ban­ken und 5 Bro­ker) im Zusam­men­hang mit ver­schie­de­nen Refe­renz­zins­sät­zen und Finanz­pro­duk­ten. Die Par­tei­en hat­ten sich nach den Fest­stel­lun­gen der WEKO in unter­schied­li­cher Zusam­men­set­zung über die Beein­flus­sung der Preis­ge­stal­tung von Zins­de­ri­va­ten abge­spro­chen und markt­sen­si­ble Infor­ma­tio­nen aus­ge­tauscht.

Mit den Ver­fü­gun­gen vom 5. und 14. Dezem­ber 2016 wur­den nun drei der ins­ge­samt fünf Unter­su­chun­gen abge­schlos­sen. In zwei Unter­su­chun­gen lau­fen die Ver­fah­ren gegen die­je­ni­gen Par­tei­en wei­ter, die kei­ne ein­ver­nehm­li­che Rege­lung abschlie­ssen woll­ten:

1. CHF-LIBOR: Selbst­an­zei­ge von Roy­al Bank of Scot­land (Sank­ti­ons­er­lass); Bonus­re­ge­lung für JPMor­gan (Sank­ti­ons­re­duk­ti­on); Ver­fah­ren mit ein­ver­nehm­li­chen Rege­lun­gen abge­schlos­sen und Ein­stel­lung des Ver­fah­rens gegen­über zwei Bro­kern.

2. CHF-LIBOR-Spreads: Selbst­an­zei­ge der UBS (Sank­ti­ons­er­lass); Bonus­re­ge­lung für Roy­al Bank of Scot­land und JPMor­gan (Sank­ti­ons­re­duk­ti­on); Sank­ti­on gegen Credit Suis­se; Ver­fah­ren mit ein­ver­nem­li­chen Rege­lun­gen abge­schlos­sen.

3. EURIBOR: Selbst­an­zei­ge von Deut­sche Bank (Sank­ti­ons­er­lass); Bonus­re­ge­lung für Bar­clays,  Roy­al Bank of Scot­land und Socié­té Géné­ra­le (Sank­ti­ons­re­duk­ti­on); Ver­fah­ren gegen­über die­sen vier Ban­ken mit ein­ver­nehm­li­chen Rege­lun­gen abge­schlos­sen. Wei­ter­füh­rung des Ver­fah­rens gegen fünf wei­te­re Ban­ken, kon­kret BNP Pari­bas, Cré­dit Agri­co­le, HSBC, JPMor­gan und Rab­obank.

4. Yen LIBOR/Euroyen TIBOR: Sank­tio­nen gegen Citigroup, Deut­sche Bank, JPMor­gan und Roy­al Bank of Scot­land; Ver­fah­ren gegen­über die­sen vier Ban­ken mit ein­ver­nehm­li­chen Rege­lun­gen abge­schlos­sen; Ein­stel­lung des Ver­fah­rens gegen­über den drei japa­ni­schen Ban­ken Mizu­ho, Sumito­mo Mit­sui sowie The Bank of Tokyo-Mitsu­bi­shi. Wei­ter­füh­rung des Ver­fah­rens gegen sie­ben wei­te­re Ban­ken und Bro­ker, kon­kret HSBC, Lloyds, Rab­obank, UBS, ICAP, RP Mar­tin, Tul­lett Pre­bon.

5. Yen-TIBOR: Ein­stel­lung des Ver­fah­rens gegen­über sämt­li­chen betrof­fe­nen Par­tei­en.

Die fünf Unter­su­chun­gen gehen nach Anga­ben der WEKO auf eine am 2. Febru­ar 2012 eröff­ne­te Unter­su­chung zurück. Nach­dem sich erge­ben hat­te, dass ver­schie­de­ne der unter­such­ten Ver­hal­tens­wei­sen nicht mit­ein­an­der zusam­men­hän­gen, wur­de die­se Unter­su­chung in fünf sepa­ra­te Unter­su­chun­gen auf­ge­teilt. Die unter­such­ten Ver­hal­tens­wei­sen wur­den im Übri­gen auch von ande­ren Behör­den, in der Schweiz ins­be­son­de­re von der FINMA, und in ande­ren Juris­dik­tio­nen unter­sucht. Die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on etwa hat in par­al­lel geführ­ten Ver­fah­ren bereits im Jahr 2013 erste Sank­tio­nen aus­ge­spro­chen.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen: Medi­en­mit­tei­lun­gen vom 21. Dezem­ber 2016 betref­fend CHF LIBOR (PDF), Yen LIBOR/Euroyen TIBOR (PDF), EURIBOR (PDF), Fran­ken-Spread (PDF); Pres­se­roh­stoff der WEKO (PDF).

Oliver Kaufmann

Posted by Oliver Kaufmann

RA Dr. Oliver Kaufmann hat an der Universität Zürich studiert und war danach als wissenschaftlicher Mitarbeiter auf dem Sekretariat der WEKO tätig. Er arbeitet als Rechtsanwalt und Partner bei Streichenberg in Zürich.