Die A. AG wur­de von der B. AG in Liqui­da­ti­on wegen einer behaup­te­ten Revi­si­ons­haf­tung gemäss Art. 755 Abs. 1 OR ein­ge­klagt. Die A. AG erhob im Pro­zess Streit­ver­kün­dungs­kla­ge gegen die C. AG, wel­che vor der A. AG Revi­so­rin der in Kon­kurs gefal­le­nen B. AG in Liqui­da­ti­on war (Urteil 4_271/2016,4A_291/2016 vom 16. Janu­ar 2017).

Das Han­dels­ge­richt Zürich wies die Haupt­kla­ge man­gels genü­gen­der Sub­stan­ti­ie­rung des gel­tend gemach­ten Fort­füh­rungs­scha­dens ab. Das Bun­des­ge­richt bestä­tig­te im Ergeb­nis die­sen Ent­scheid (E. 4.2 und 4.4).

Erwä­gung 3.1 ent­hält eine kon­zi­se Zusam­men­fas­sung der bun­des­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung zum Fort­füh­rungs­scha­den.

Die beklag­te A. AG rüg­te vor Bun­des­ge­richt, das Han­dels­ge­richt habe ihr zu Unrecht die Kosten für die Streit­ver­kün­dungs­kla­ge auf­er­legt (E. 5). Die Rüge drang nicht durch. Mit einer ande­ren Begrün­dung als das Han­dels­ge­richt bestä­tig­te das Bun­des­ge­richt im Ergeb­nis auch den ange­foch­te­nen Kosten­ent­scheid (E. 5.3 i.f.).

Das Bun­des­ge­richt erwog ins­be­son­de­re, die Streit­ver­kün­dungs­kla­ge sei eine unbe­ding­te und selb­stän­di­ge Kla­ge. Durch die Streit­ver­kün­dungs­kla­ge erwei­te­re sich der Pro­zess zu einem Gesamt- bzw. Mehr­par­tei­en­ver­fah­ren, in dem sowohl über die Lei­stungs­pflicht des Beklag­ten (Haupt­pro­zess) als auch über den Anspruch der unter­lie­gen­den Par­tei gegen­über einem Drit­ten (Streit­ver­kün­dungs­pro­zess) befun­den wer­de. Zu beur­tei­len sei­en zwei selb­stän­di­ge Kla­gen mit je eige­nen Pro­zess­rechts­ver­hält­nis­sen. Die Streit­ver­kün­dungs­kla­ge sei dabei nicht bedingt, son­dern nur der mit ihr gel­tend gemach­te Anspruch (zum Gan­zen E. 5.2).

Wer­de die Haupt­kla­ge abge­wie­sen, ent­fal­le die Bedin­gung für den mit der Streit­ver­kün­dungs­kla­ge gel­tend gemach­ten Regress­an­spruch. Dadurch erwei­se sich die Streit­ver­kün­dungs­kla­ge als unbe­grün­det und müs­se abge­wie­sen wer­den. Sie wer­de nicht etwa, wie das Han­dels­ge­richt annahm, gegen­stands­los. Die Kosten sei­en folg­lich nach dem Unter­lie­ger­prin­zip zu ver­tei­len und für eine ermes­sens­wei­se Ver­tei­lung der Pro­zess­ko­sten blei­be kein Raum (zum Gan­zen E. 5.3).

Damit waren die Kosten der A. AG als Streit­ver­kün­dungs­klä­ge­rin auf­zu­er­le­gen. Das Kosten­ri­si­ko einer Streit­ver­kün­dungs­kla­ge las­se sich gemäss Bun­des­ge­richt durch eine ein­fa­che Streit­ver­kün­dung ver­mei­den (zum Gan­zen E. 5.3).

Roland Bachmann

Posted by Roland Bachmann

Roland Bachmann ist Partner bei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG. Sein Schwerpunkt als Wirtschaftsanwalt ist die Prozessführung. Vor seiner Tätigkeit in der Advokatur arbeitete Roland Bachmann als juristischer Sekretär des Obergerichts Zürich und des Bezirksgerichts Zürich. Er studierte an den Universitäten von Zürich, Tours (Frankreich) und Ann Arbor in Michigan (USA).