Die Werk­be­stel­le­rin hat­te mit zwei Unter­neh­men einen Werk­ver­trag abge­schlos­sen. In die­sem Werk­ver­trag wur­den die bei­den Unter­neh­men als “ARGE Y. GmbH / X. AG” bezeich­net. Bevor die Schluss­zah­lung gelei­stet wur­de, ent­stan­den zwi­schen den bei­den Unter­neh­men Strei­tig­kei­ten betref­fend die Auf­tei­lung der Zah­lun­gen. Aus die­sem Grund liess sich die Werk­be­stel­le­rin ermäch­ti­gen, den offe­nen Betrag gericht­lich bei der Gerichts­kas­se zu hin­ter­le­gen.

Der Ein­zel­rich­ter des Bezirks­ge­richts Malo­ja bat spä­ter um Mit­tei­lung, wohin die hin­ter­leg­te Werk­lohn­sum­me wei­ter­zu­lei­ten sei. Im Säum­nis­fall wür­de sie der Werk­be­stel­le­rin erstat­tet. Die X. AG bean­trag­te, ihr sei rund 37% des hin­ter­leg­ten Betrags aus­zu­zah­len; even­tua­li­ter sei der Y. GmbH Frist zur Ein­lei­tung einer Kla­ge gegen sie anzu­set­zen, mit der Andro­hung, dass ihr bei nicht recht­zei­ti­ger Kla­ge­an­he­bung eben­falls rund 37% des hin­ter­leg­ten Betrags aus­be­zahlt wür­de; sub­e­ven­tua­li­ter sei der hin­ter­leg­te Betrag samt auf­ge­lau­fe­ner Zin­sen “zuhan­den der ein­fa­chen Gesell­schaft der bei­den Gesuchs­geg­ne­rin­nen auf das Kli­en­ten­gel­der-Abwick­lungs­kon­to des Unter­zeich­ne­ten zu über­wei­sen”. Der Ein­zel­rich­ter wies die Anträ­ge der X. AG ab. Zur Begrün­dung führ­te er unter ande­rem aus, die ZPO sehe nicht vor, dass bei einem Prä­ten­den­ten­streit der einen Gläu­bi­ge­rin Frist zur Kla­ge­an­he­bung gegen die ande­re ange­setzt wer­den kön­ne.

Das Bun­des­ge­richt schütz­te die Beur­tei­lung. Es wies dar­auf hin, dass nach dem Pro­zess­recht ein­zel­ner Kan­to­ne der Hin­ter­le­gungs­rich­ter im Fal­le von Art. 168 Abs. 1 OR die Mög­lich­keit hat­te, einem der bei­den Anspre­cher Frist zur Kla­ge gegen den andern anzu­set­zen unter der Andro­hung, dass der hin­ter­leg­te Betrag bei Nicht­ein­hal­tung der Frist dem andern her­aus­ge­ge­ben wür­de. Unter der Schwei­ze­ri­schen ZPO, die sich dar­auf beschrän­ke, die Hin­ter­le­gung eines strei­ti­gen Betra­ges nach Art. 168 Abs. 1 OR dem sum­ma­ri­schen Ver­fah­ren zuzu­wei­sen (Art. 250 lit. a Ziff. 6 ZPO), bestehe für eine der­ar­ti­ge Anord­nung jeden­falls kei­ne Grund­la­ge mehr (E. 2.1).

Unbe­hel­flich war sodann der Ein­wand der X. AG, der Hin­ter­le­gungs­rich­ter habe dafür zu sor­gen, dass die Hin­ter­le­gung so bald wie mög­lich been­det wer­den kön­ne. Das Gesetz ent­hal­te, so das Bun­des­ge­richt, kei­ne dahin­ge­hen­de Pflicht und in die­sem Punkt bestehe kein Raum für rich­ter­li­che Lücken­fül­lung (E. 2.2).

Martin Rauber

Posted by Martin Rauber

RA Dr. Martin Rauber, LL.M, arbeitet als Rechtsanwalt bei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG. Zuvor wirkte er als juristischer Sekretär am Bezirksgericht Horgen, wo er heute als nebenamtlicher Ersatzrichter im Einsatz steht. Er studierte an der Universität Freiburg i.Ue., der Université Libre de Bruxelles sowie an der University of Edinburgh (LL.M. Commercial Law).