Im Urteil vom 1. Febru­ar 2017 muss­te das BGer die Recht­mä­ssig­keit eines Lauf­kraft­werks mit einer instal­lier­ten Lei­stung von 1.7 MW beur­tei­len. Das von der KW Breit­horn Faf­ler­alp AG in Auf­trag gege­be­ne Kraft­werk soll auf dem Gemein­de­ge­biet von Blat­ten im Lötschen­tal rea­li­siert wer­den und zieht Inve­sti­ti­ons­ko­sten von CHF 7’000’000.– nach sich. Den Ent­scheid des Staats­rats des Kan­tons Wal­lis (Geneh­mi­gung der Was­ser­rechts­kon­zes­si­on unter ver­schie­de­nen Auf­la­gen und Bedin­gun­gen) zogen der WWF Schweiz, der WWF Ober­wal­lis, die Pro Natu­ra Schweiz, die Pro Natu­ra Ober­wal­lis und die Stif­tung Land­schafts­schutz Schweiz bis vor BGer, wel­ches die Beschwer­de abweist.

Die Beschwer­de­füh­rer brin­gen im Wesent­li­chen vor, dass das Lauf­kraft­werk zu einem schwe­ren Ein­griff in das im Bun­des­in­ven­tar der Land­schaf­ten und Natur­denk­mä­ler von natio­na­ler Bedeu­tung (BLN) auf­ge­führ­te Objekt Nr. 1706 “Ber­ner Hoch­al­pen und Aletsch-Bietsch­horn-Gebiet (süd­li­cher Teil)” füh­re.

Das BGer reka­pi­tu­liert sei­ne Recht­spre­chung zu Art. 6 NHG (Bun­des­ge­setz über den Natur- und Hei­mat­schutz; SR 451) und hält fest, dass ein schwe­rer Ein­griff in ein Schutz­ob­jekt (umfang­rei­che und irrever­si­ble Beein­träch­ti­gung) nur tole­riert wer­den kön­ne, wenn das Ein­griffs­in­ter­es­se auf ein gleich- oder höher­wer­ti­ges Inter­es­se von eben­falls natio­na­ler Bedeu­tung zurück­ge­he. Bei einem bloss leich­ten Ein­griff sei eben­falls eine Inter­es­sen­ab­wä­gung vor­zu­neh­men, wobei die Bewil­li­gung des Ein­griffs nicht von des­sen natio­na­ler Bedeu­tung abhän­ge.

Bereits die Vor­in­stanz kam zum Schluss, dass das Lauf­kraft­werk ledig­lich zu einem leich­ten Ein­griff in das Schutz­ob­jekt füh­re. Die­se Auf­fas­sung wird vom BGer geschützt. Zula­sten des Bau­pro­jekts sei zu berück­sich­ti­gen, dass das Kraft­werk zu einem gerin­gen Bei­trag an die hei­mi­sche Ener­gie­pro­duk­ti­on füh­re und mit ungün­sti­gen sai­so­na­len Pro­duk­ti­ons­schwan­kun­gen zu rech­nen sei. Zudem wür­den die Rest­was­ser­strecke und das Land­schafts­bild beein­träch­tigt. Indes­sen die­ne das Klein­was­ser­kraft­werk trotz sei­ner beschei­de­nen Grö­sse der Errei­chung des gesetz­ge­be­ri­schen Ziels, die Erzeu­gung von Elek­tri­zi­tät aus erneu­er­ba­ren Ener­gi­en zu för­dern. Es kom­me hin­zu, dass die Gemein­de Blat­ten auf­grund von Lawi­nen und Hoch­was­sern schon mehr­mals von der Aussen­welt abge­schnit­ten und von län­ge­ren Strom­un­ter­brü­chen betrof­fen gewe­sen sei. Die Inter­es­sen­ab­wä­gung der Vor­in­stanz zugun­sten des Kraft­werk­baus sei des­halb nicht zu bean­stan­den.

Fabian Klaber

Posted by Fabian Klaber

Dr. Fabian Klaber, LL.M, hat an der Universität Basel und an der Columbia Law School (LL.M.) studiert, war danach als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Basel tätig und absolvierte Praktika bei Froriep und beim Bezirksgericht Horgen. Er arbeitet im Advokaturbureau Kleb | Harburger.