Im zur amt­li­chen Publi­ka­ti­on vor­ge­se­he­nen Urteil vom 18. Janu­ar 2017 hat­te sich das BGer mit der Recht­mä­ssig­keit des revi­dier­ten Geset­zes über die Luzer­ner Poli­zei (PolG/LU; SRL Nr. 350) zu befas­sen. Die Beschwer­de­füh­rer (Demo­kra­ti­sche Juri­stin­nen und Juri­sten Luzern, Jung­so­zia­li­stIn­nen des Kan­tons Luzern, Sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Par­tei des Kan­tons Luzern, Grü­ne Par­tei des Kan­tons Luzern, Luzer­ner Gewerk­schafts­bund, Jun­ge Grü­ne Kan­ton Luzern und drei Pri­vat­per­so­nen) stö­ren sich u.a. an § 32b Abs. 4 PolG/LU, wel­cher den Kosten­er­satz bei Ver­an­stal­tun­gen mit Gewalt­aus­übung regelt. Die Bestim­mung lau­tet fol­gen­der­ma­ssen:

Der Anteil, der von den an der Gewalt­aus­übung betei­lig­ten Per­so­nen zu tra­gen ist, wird zu glei­chen Tei­len auf die ein­zel­nen Per­so­nen auf­ge­teilt. Einer ein­zel­nen Per­son kön­nen höch­stens 30 000 Fran­ken in Rech­nung gestellt wer­den.

Die Beschwer­de­füh­rer machen gel­tend, dass § 32b Abs. 4 PolG/LU die Mei­nungs­frei­heit (Art. 16 BV) und das gebüh­ren­recht­li­che Äqui­va­lenz­prin­zip (Art. 5 und 9 BV) ver­let­ze, da mit einer Pau­scha­li­sie­rung (“zu glei­chen Tei­len”) den sub­jek­ti­ven und objek­ti­ven Antei­len an der Ver­ur­sa­chung zu Unrecht kei­ne Rech­nung getra­gen wer­de. Das BGer stützt die Ansicht der Beschwer­de­füh­rer und hält Fol­gen­des fest:

Bei der Bemes­sung der Kosten­tra­gungs­pflicht der Stö­rer muss der Haf­tungs­an­teil der ein­zel­nen Stö­rer gestützt auf das Äqui­va­lenz­prin­zip nach sach­ge­rech­ten Kri­te­ri­en fest­ge­legt wer­den. Im Gegen­satz zur poli­zei­tak­tisch ex ante vor­zu­neh­men­den Stö­rer­qua­li­fi­ka­ti­on hat die Kosten­über­wäl­zung auf­grund einer objek­ti­ven Betrach­tung ex post zu erfol­gen. Die Behör­den haben die Kosten nach Mass­ga­be des kon­kre­ten Tat­bei­trags und damit ent­spre­chend dem Grad der Ver­ant­wor­tung für die Stö­rungs­si­tua­ti­on zu ver­le­gen. Jeder Stö­rer darf zur Kosten­tra­gung sei­nes Stö­rungs­an­teils — und aus­schliess­lich für die­sen Anteil — her­an­ge­zo­gen wer­den […]. (E. 12.3.)

§ 32b Abs. 4 PolG/LU ver­un­mög­li­che, so das BGer, eine Unter­schei­dung zwi­schen Ran­da­lie­rern und pas­si­ven Kund­ge­bungs­teil­neh­mern, die sich trotz poli­zei­li­cher Auf­for­de­rung nicht ent­fer­nen. Dies füh­re dazu, dass einem pas­si­ven Kund­ge­bungs­teil­neh­mer grund­sätz­lich ein Ver­wal­tungs­auf­wand bis zu einer Höhe von CHF 30’000.– indi­vi­du­ell zuge­rech­net wer­den kön­ne. Eine der­ar­ti­ge Bestim­mung ver­sto­sse gegen das gebüh­ren­recht­li­che Äqui­va­lenz­prin­zip, wel­ches das Ver­hält­nis­mä­ssig­keits­prin­zip und das Will­kür­ver­bot für den Bereich der Kau­sal­ab­ga­ben kon­kre­ti­sie­re.

Das BGer hebt § 32b Abs. 4 PolG/LU auf, weist die Beschwer­de in Bezug auf die revi­dier­ten §§ 32, 32a und 32b Abs. 1 – 3 PolG/LU indes­sen ab.

Fabian Klaber

Posted by Fabian Klaber

Dr. Fabian Klaber, LL.M, hat an der Universität Basel und an der Columbia Law School (LL.M.) studiert, war danach als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Basel tätig und absolvierte Praktika bei Froriep und beim Bezirksgericht Horgen. Er arbeitet im Advokaturbureau Kleb | Harburger.