Gegen­stand die­ses Urteils war ein offe­nes Ver­ga­be­ver­fah­ren, in wel­chem die Lei­stun­gen für die Samm­lung und den Trans­port von Sied­lungs­ab­fall ver­ge­ben wur­den. Als Eig­nungs­kri­te­ri­um wur­de ins­be­son­de­re der Nach­weis der Zulas­sungs­be­wil­li­gung (Trans­port­li­zenz) gemäss Art. 3 STUG ver­langt. Die A. AG und die C. AG reich­ten am 18. Sep­tem­ber 2015 frist­ge­recht je ein Ange­bot ein. Am 23. Sep­tem­ber 2015 wur­de die A. AG auf­ge­for­dert, feh­len­de Unter­la­gen zu den ver­wen­de­ten Fahr­zeu­gen nach­zu­rei­chen. Die C. AG wur­de auf­ge­for­dert, eine Kopie der feh­len­den Zulas­sungs­be­wil­li­gung (Trans­port­li­zenz) nach­zu­lie­fern. Wäh­rend die A. AG die feh­len­den Unter­la­gen ein­reich­te, teil­te die C. AG der Ver­ga­be­stel­le ledig­lich mit, dass der Schwei­ze­ri­sche Nutz­fahr­zeug­ver­band die Anmel­dun­gen für die Vor­be­rei­tungs­kur­se und den Prü­fungs­ter­min zur Erlan­gung der Zulas­sungs­be­wil­li­gung am 31. August 2015 bestä­tigt habe. Mit Ver­fü­gung vom 27. Okto­ber 2015 erteil­te die Ver­ga­be­stel­le dar­auf­hin der C. AG den Zuschlag.

Die Vor­in­stanz wies mit Urteil vom 2. Mai 2016 die von der A. AG erho­be­ne Beschwer­de ab. Sie begrün­de­te dies damit, dass die im Zeit­punkt der Offert­ein­rei­chung bzw. Zuschlags­er­tei­lung feh­len­de, als Eig­nungs­kri­te­ri­um gefor­der­te Zuschlags­be­wil­li­gung (Trans­port­li­zenz) einen gering­fü­gi­gen Man­gel dar­stel­le. Die C. AG ver­fü­ge über eine lang­jäh­ri­ge Erfah­rung und habe die Auf­trä­ge der Ver­ga­be­be­hör­de jah­re­lang tadel­los erfüllt. Da die Trans­port­li­zenz im Zeit­punkt der Offert­ein­ga­be bean­tragt gewe­sen sei, habe die Ver­ga­be­be­hör­de in guten Treu­en davon aus­ge­hen dür­fen, dass die Trans­port­li­zenz im Dezem­ber 2015 und damit vor Ver­trags­be­ginn vor­lie­gen wer­de. Dar­über hin­aus wäre eine direk­te Zuschlags­er­tei­lung an die A. AG nicht mög­lich gewe­sen, weil die­se eben­falls unvoll­stän­di­ge Offert­un­ter­la­gen ein­ge­reicht habe. Bei Gut­hei­ssung der Beschwer­de wür­de sich des­halb ein Abbruch des Ver­fah­rens und eine Rück­wei­sung an die Ver­ga­be­be­hör­de auf­drän­gen. Ein neu­es Ver­ga­be­ver­fah­ren stel­le jedoch einen pro­zes­sua­len Leer­lauf dar, da die C. AG mitt­ler­wei­le im Besitz der Trans­port­li­zenz sei.

Das Bun­des­ge­richt erach­te­te die­se Beur­tei­lung als will­kür­lich. Es wies dar­auf hin, dass eine feh­len­de Trans­port­li­zenz kei­ne blo­sse Baga­tel­le sei, da die­se Lizenz eine not­wen­di­ge Vor­aus­set­zung sei, um ein Stra­ssen­trans­port­un­ter­neh­men betrei­ben zu kön­nen. Dass die C. AG die Trans­port­li­zenz vor der Offert­ein­ga­be bean­tragt und bereits jah­re­lang zur vol­len Zufrie­den­heit Güter­trans­por­te durch­ge­führt habe, sei nicht zugun­sten der C. AG zu wer­ten, da sie offen­sicht­lich wäh­rend lan­ger Zeit recht­lich zwin­gen­de Vor­ga­ben schlicht igno­riert habe. Ent­schei­dend sei, dass die C. AG im Zeit­punkt der Offert­ein­rei­chung eine zen­tra­le tech­ni­sche Eig­nung nicht besass, um den Auf­trag recht­lich ein­wand­frei erfül­len zu kön­nen (E. 2.3.2.).

Dem­ge­gen­über könn­ten die unvoll­stän­di­gen Offert­un­ter­la­gen der A. AG, bei wel­chen eini­ge Spe­zi­fi­ka­tio­nen betref­fend die ver­wen­de­ten Fahr­zeu­ge nach­ge­reicht wer­den muss­ten, nicht als schwe­rer Man­gel gel­ten. Ent­ge­gen der Ansicht des Ver­wal­tungs­ge­richt wäre des­halb eine direk­te Zuschlags­er­tei­lung an die A. AG mög­lich gewe­sen (E. 2.3.3.).

Dar­über hin­aus füh­re das Bestehen der Trans­port­li­zenz im Zeit­punkt des vor­in­stanz­li­chen Urteils nicht dazu, dass das Ver­wal­tungs­ge­richt die­ses Eig­nungs­kri­te­ri­um als erfüllt betrach­ten durf­te. Das Bun­des­ge­richt wies dar­auf hin, dass nach­träg­li­che Ände­run­gen der Ange­bo­te prin­zi­pi­ell nicht statt­haft sei­en (E. 2.5.1.):

Bei der Fra­ge, ob ein bestimm­ter Anbie­ter geeig­net ist, dür­fen (für die­sen posi­ti­ve) Tat­sa­chen, die sich nach Ablauf des Ein­ga­be­ter­mins für die Ange­bo­te ereig­net haben, grund­sätz­lich nicht berück­sich­tigt wer­den, denn die­se hät­te eine Dis­kri­mi­nie­rung der Mit­an­bie­ter zur Fol­ge

Martin Rauber

Posted by Martin Rauber

RA Dr. Martin Rauber, LL.M, arbeitet als Rechtsanwalt bei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG. Zuvor wirkte er als juristischer Sekretär am Bezirksgericht Horgen, wo er heute als nebenamtlicher Ersatzrichter im Einsatz steht. Er studierte an der Universität Freiburg i.Ue., der Université Libre de Bruxelles sowie an der University of Edinburgh (LL.M. Commercial Law).