Im zur amt­li­chen Publi­ka­ti­on vor­ge­se­he­nen Urteil vom 3. April 2017 befass­te sich das BGer mit der Anfecht­bar­keit eines kom­mu­na­len Richt­plans. A. ist Eigen­tü­mer einer Par­zel­le in der Gemein­de Genè­ve-Plain­pa­lais. Im Jahr 2011 erliess das Gen­fer Kan­tons­par­la­ment das Loi rela­ti­ve à l’aménagement du quar­tier “Praille-Acaci­as-Ver­nets”, modi­fi­ant les limi­tes de zones sur le ter­ri­toire des Vil­les de Genè­ve, Carouge et Lan­cy (créa­ti­on d’une zone 2, de diver­ses zones de déve­lop­pe­ment 2, d’une zone de ver­du­re et d’une zone de déve­lop­pe­ment 2 prio­ri­taire­ment affec­tée à des activités mix­tes) (10788). Die Par­zel­le von A. wur­de der “zone de déve­lop­pe­ment 2” zuge­wie­sen. Nach dem Erlass des eben genann­ten Geset­zes erar­bei­te­ten die Ver­wal­tung und die Gemein­den Genè­ve, Carouge und Lan­cy ein soge­nann­tes “avant-pro­jet de plan direc­teur de quar­tier Praille-Acaci­as-Ver­nets” (PDQ PAV). Weil A. mit dem Inhalt des PDQ PAV nicht ein­ver­stan­den war, gelang­te er an das Gen­fer Kan­tons­ge­richt, wel­ches sei­ne Beschwer­de abwies, da der PDQ PAV kein zuläs­si­ges Anfech­tungs­ob­jekt dar­stel­le. Das BGer weist die Beschwer­de von A. eben­falls ab.

Das Gen­fer Kan­tons­ge­richt kam im Gegen­satz zum Beschwer­de­füh­rer zum Schluss, dass der PDQ PAV nicht unter den Begriff eines anfecht­ba­ren Nut­zungs­plans sub­su­miert wer­den kön­ne: Er unter­schei­de sich sowohl in ver­fah­rens­recht­li­cher als auch in mate­ri­ell-recht­li­cher Hin­sicht von einem Nut­zungs­plan im Sin­ne von Art. 14 ff. RPG (Raum­pla­nungs­ge­setz; SR 700).

Das BGer hält fest, dass der Gesetz­ge­ber im Kan­ton Genf den “plan direc­teur loca­li­sé” (PDL) ein­ge­führt habe. Der­ar­ti­ge Plä­ne hiel­ten die zukünf­ti­ge räum­li­che Ent­wick­lung eines Gebiets oder eines Teil­ge­biets einer oder meh­re­rer Gemein­den fest und stütz­ten sich auf Art. 10 LaLAT (Loi d’application de la loi fédé­ra­le sur l’aménagement du ter­ri­toire; RS/GE L 1 30). Beim PDQ PAV hand­le es sich um einen PDL. Der PDQ PAV wei­se damit Ähn­lich­kei­ten zum Richt­plan gemäss Bun­des­recht auf. Er sei behör­den­ver­bind­lich, zei­ti­ge aber kei­ne direk­ten Rechts­wir­kun­gen auf Pri­vat­per­so­nen. Zudem hal­te das Loi rela­ti­ve à l’aménagement du quar­tier “Praille-Acaci­as-Ver­nets” expli­zit fest, dass für jedes Bau­vor­ha­ben im vom Gesetz erfass­ten Gebiet ein Quar­tier­plan erlas­sen wer­den müs­se. Die­ser Quar­tier­plan kön­ne gericht­lich über­prüft wer­den. Damit wer­de der Rechts­schutz sicher­ge­stellt.

 

Fabian Klaber

Posted by Fabian Klaber

Dr. Fabian Klaber, LL.M, hat an der Universität Basel und an der Columbia Law School (LL.M.) studiert, war danach als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Basel tätig und absolvierte Praktika bei Froriep und beim Bezirksgericht Horgen. Er arbeitet im Advokaturbureau Kleb | Harburger.