Im zur amt­li­chen Publi­ka­ti­on vor­ge­se­he­nen Ent­scheid vom 3. Febru­ar 2017 nahm das BGer Stel­lung zur Fra­ge, ob die Pro­duk­te “Mar­ti­ni Ros­so aro­ma­tised wine based drink” und “Mar­ti­ni Bian­co aro­ma­tised wine based drink” dem Alko­hol­ge­setz (AlkG; SR 680) unter­ste­hen und damit bei einer Ein­fuhr zum regu­lä­ren Ansatz von CHF 29.– pro Liter rei­nen Alko­hols fis­ka­lisch zu bela­sten sind. Vor BGer bean­trag­te die Bacar­di-Mar­ti­ni (Schweiz) AG, dass die bei­den Geträn­ke von der Besteue­rung gemäss AlkG zu befrei­en sei­en. Das BGer weist die Beschwer­de ab.

Die Bacar­di-Mar­ti­ni (Schweiz) AG stellt sich im Wesent­li­chen auf den Stand­punkt, dass es sich bei den Pro­duk­ten “Mar­ti­ni Ros­so aro­ma­tised wine based drink” und “Mar­ti­ni Bian­co aro­ma­tised wine based drink” um aro­ma­ti­sier­te wein­hal­ti­ge Geträn­ke hand­le, wel­che kei­ne gebrann­ten Was­ser son­dern viel­mehr aus­schliess­lich durch Ver­gä­rung gewon­ne­ne alko­ho­li­sche Erzeug­nis­se sei­en. Als sol­che unter­stün­den sie nicht den Bestim­mun­gen des AlkG.

Das BGer teilt die Auf­fas­sung der Bacar­di-Mar­ti­ni (Schweiz) AG nicht. Mit Ver­weis auf die von der Beschwer­de­füh­re­rin ein­ge­reich­ten “Pro­duc­tion Pro­cess Notes” hält es viel­mehr fest, dass der vor­han­de­ne Alko­hol­ge­halt nicht aus­schliess­lich durch Ver­gä­rung ent­stan­den, son­dern zur Hälf­te mit­tels tech­ni­scher Mani­pu­la­ti­on ange­rei­chert wor­den sei und es sich des­halb um gebrann­te Was­ser hand­le.

In einem wei­te­ren Schritt prüft das BGer, ob es in Bezug auf die bei­den Geträn­ke beim Regel­steu­er­satz von CHF 29.– pro Liter rei­nen Alko­hols bleibt (Art. 29 Alko­hol­ver­ord­nung [AlkV; SR 680.11]), oder ob ein davon abwei­chen­der Satz Anwen­dung fin­det. Frag­lich ist ins­be­son­de­re, ob es sich bei den bei­den Geträn­ken um Wer­mut­wein oder ande­ren Wein aus fri­schen Wein­trau­ben im Sin­ne von Art. 23bis Abs. 2 lit. c AlkG han­delt, was eine Steu­er­erleich­te­rung von 50 % zur Fol­ge hät­te.

Unter Bezug­nah­me auf die Ver­ord­nung des EDI über alko­ho­li­sche Geträn­ke (SR 817.022.110) hält das BGer fest, dass die bei­den Geträn­ke “Mar­ti­ni Ros­so aro­ma­tised wine based drink” und “Mar­ti­ni Bian­co aro­ma­tised wine based drink” nicht unter Art. 23bis Abs. 2 lit. c AlkG sub­su­miert wer­den könn­ten, da den bei­den streit­be­trof­fe­nen Geträn­ken gebrann­te Was­ser bei­ge­ge­ben wor­den sei­en. Anwend­bar sei des­halb der Regel­steu­er­satz von CHF 29.– pro Liter rei­nen Alko­hols.

Schliess­lich macht das BGer dar­auf auf­merk­sam, dass es sich bei den bei­den Geträn­ke um “Alco­pops” han­deln könn­te, wel­che einer um 300 % erhöh­ten Steu­er unter­lie­gen. Indes­sen sieht das BGer von einer ver­tief­ten Prü­fung die­ser Fra­ge ab, da es nicht über die Begeh­ren der Par­tei­en hin­aus­ge­hen darf (Art. 107 Abs. 1 Bun­des­ge­richts­ge­setz [BGG; SR 173.110]).

Fabian Klaber

Posted by Fabian Klaber

Dr. Fabian Klaber, LL.M, hat an der Universität Basel und an der Columbia Law School (LL.M.) studiert, war danach als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Basel tätig und absolvierte Praktika bei Froriep und beim Bezirksgericht Horgen. Er arbeitet im Advokaturbureau Kleb | Harburger.