Im vor­lie­gen­den Ent­scheid hat­te sich das Bun­des­ge­richt mit der pau­lia­ni­schen Anfecht­bar­keit von Prä­mi­en für Kre­dit­ver­si­che­run­gen zu befas­sen, wenn die den Ver­si­che­rungs­ver­trä­gen zugrun­de lie­gen­den Kauf­ver­trä­ge nich­tig sind. Dem Urteil lag fol­gen­der Sach­ver­halt zugrun­de:

Über die E. AG (Gemein­schuld­ne­rin) war der Kon­kurs eröff­net wor­den. Im Jahr vor der Kon­kurs­er­öff­nung hat­te die Gemein­schuld­ne­rin mit der D. SA (Ver­si­che­rung; Anfech­tungs­be­klag­te und Beschwer­de­geg­ne­rin) 13 Ver­si­che­rungs­ver­trä­ge für Kre­dit­ver­si­che­rung abge­schlos­sen, mit wel­chen die Ver­si­che­rung gegen Bezah­lung der Prä­mi­en Ver­si­che­rungs­schutz für Aus­fäl­le von For­de­run­gen gegen­über 13 Kun­den der Gemein­schuld­ne­rin aus Her­stel­lung und Lie­fe­rung von Metall­pres­sen gewähr­te.

Drei Abtre­tungs­gläu­bi­ge­rin­nen (Anfech­tungs­klä­ge­rin­nen und Beschwer­de­füh­re­rin­nen) erho­ben spä­ter Kla­ge beim Bezirks­ge­richt Luzern und bean­trag­ten, die Ver­si­che­rung sei zur (Rück-)Zahlung der bezahl­ten Ver­si­che­rungs­prä­mi­en zu ver­pflich­ten, denn die bei Ver­si­che­rungs­ab­schluss von der Gemein­schuld­ne­rin vor­ge­leg­ten 13 Kauf­ver­trä­ge über Metall­pres­sen sei­en fin­giert gewe­sen. Den von der Ver­si­che­rung erwirk­ten Ver­si­che­rungs­schutz habe die Gemein­schuld­ne­rin dazu benutzt, um den Ban­ken soli­de Geschäfts­ver­hält­nis­se vor­zu­täu­schen. Zwar kön­ne der Ver­si­che­rung kei­ne Mit­wir­kung vor­ge­wor­fen wer­den, doch sei­en die Kre­dit­ver­si­che­rungs­ver­trä­ge nich­tig und die ohne Rechts­grund erbrach­ten Prä­mi­en­zah­lun­gen daher als unent­gelt­li­che Ver­fü­gun­gen nach Art. 286 SchKG anfecht­bar.

Bezirks­ge­richt und Kan­tons­ge­richt wie­sen die Kla­ge ab. Hier­ge­gen erho­ben die Beschwer­de­füh­re­rin­nen Beschwer­de in Zivil­sa­chen.

Das Bun­des­ge­richt stell­te zunächst Über­le­gun­gen mate­ri­ell­recht­li­cher Natur an (E. 3.3.). Die Vor­in­stan­zen hat­ten erwo­gen, dass die 13 Kre­dit­ver­si­che­rungs­ver­trä­ge wegen anfäng­li­cher objek­ti­ver Unmög­lich­keit nich­tig i.S.v. Art. 20 OR sei­en. Als fak­ti­sche Ver­trags­ver­hält­nis­se sei­en die Ver­si­che­rungs­ver­trä­ge aber erst nach­träg­lich mit Wir­kung ex nunc dahin­ge­fal­len. Die Beschwer­de­füh­re­rin­nen argu­men­tier­ten dage­gen, dass die Nich­tig­keit ex tunc auf den Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses wir­ke. – Das Bun­des­ge­richt hielt dazu fest, dass die Ver­si­che­rungs­ver­trä­ge selbst bei Nich­tig­keit ex tunc nicht unent­gelt­li­che Geschäf­te sei­en. In mate­ri­ell­recht­li­cher Hin­sicht kön­ne eine rechts­grund­lo­se Lei­stung nicht einer unent­gelt­li­chen Lei­stung gleich­ge­stellt wer­den. Eine nicht unent­gelt­li­che, aber rechts­grund­lo­se Lei­stung kön­ne nach Berei­che­rungs­recht (Art. 62 ff. OR) zurück­ge­for­dert wer­den. Nach der Recht­spre­chung kön­ne als Gegen­lei­stung zur Ver­si­che­rungs­prä­mie die Gewäh­rung einer bestimm­ten Sicher­heit als Dau­er­lei­stung erblickt wer­den. Wei­ter kön­ne nach der Lite­ra­tur ein an sich nich­ti­ger Ver­si­che­rungs­ver­trag, auf des­sen Bestand – wie hier – Drit­te ver­traut hät­ten, als fak­ti­sches Ver­trags­ver­hält­nis Bestand haben. Wei­ter ging das Bun­des­ge­richt dar­auf jedoch nicht ein (E. 3.3.3.), da die pau­lia­ni­sche Anfech­tung ein Insti­tut des Zwangs­voll­streckungs­rechts sei (E. 3.3.4.). Der Anfech­tungs­pro­zess beschrän­ke sich dar­auf, eine „vor­ge­fun­de­ne zivil­recht­li­che Gestal­tung auf ihre voll­streckungs­recht­li­che Zuläs­sig­keit zu über­prü­fen“; ent­schei­dend sei bloss, ob die Vor­aus­set­zun­gen von Art. 286 SchKG erfüllt sind (E. 3.3.4.).

In der Fol­ge prüf­te das Bun­des­ge­richt, ob die Prä­mi­en­zah­lun­gen für die 13 Ver­si­che­rungs­ver­trä­ge unent­gelt­li­chen Ver­fü­gun­gen i.S.v. Art. 286 Abs. 1 SchKG gleich­kom­men. Das Bun­des­ge­richt erwog (E. 3.4.2.), dass die Zah­lun­gen der Gemein­schuld­ne­rin für die Ver­si­che­rungs­prä­mi­en nicht als unent­gelt­lich bezeich­net wer­den könn­ten. Ein Ver­si­che­rungs­ver­trag und die Ver­si­che­rungs­prä­mi­en sei­en für die Ver­si­che­rung kei­ne Frei­ge­big­keit (Libe­ra­li­tät), da der Ver­trag ent­gelt­lich sei, der Umfang der sich gegen­über­ste­hen­den Lei­stun­gen fest­ste­he und die Ver­si­che­rungs­prä­mi­en zur Erfül­lung der Ver­bind­lich­keit aus dem Ver­trag gelei­stet wür­den. „Der Umstand, dass die kre­dit­ver­si­cher­ten For­de­run­gen der [Gemein­schuld­ne­rin] gegen­über den Kun­den, wie sich spä­ter her­aus­ge­stellt hat, angeb­lich nicht bestan­den haben, ver­mag nichts dar­an zu ändern, dass die [Ver­si­che­rung] für die bezahl­ten Ver­si­che­rungs­prä­mi­en zugun­sten der [Gemein­schuld­ne­rin] objek­tiv eine Gegen­lei­stung — das Ver­spre­chen der Geld­lei­stung im Ver­si­che­rungs­fall bzw. die Risi­ko­über­nah­me für Kre­dit­aus­fall — vor­ge­se­hen hat. Die Prä­mi­en­zah­lung ist anfech­tungs- bzw. zwangs­voll­streckungs­recht­lich unbe­denk­lich.“ Eine Schen­kungs­an­fech­tung für Prä­mi­en­zah­lun­gen sei höch­stens denk­bar, wenn die “Ver­si­che­rungs­prä­mie” an eine Per­son bezahlt wor­den wäre, wel­che zur Haupt­lei­stung des Ver­si­che­rers objek­tiv gar nicht fähig wäre, so dass kei­ne rele­van­te Gegen­lei­stung gegen­über­ste­hen wür­de.

Das Bun­des­ge­richt erwog fer­ner, dass es für das Vor­han­den­sein einer rele­van­ten Gegen­lei­stung genü­ge, dass eine sol­che in ange­mes­se­nem Ver­hält­nis vor­ge­se­hen sei. Die Ent­gelt­lich­keit sei nicht davon abhän­gig, dass der Ver­trags­part­ner sei­ne Gegen­lei­stung effek­tiv erbrin­ge. Da die Ver­si­che­rung für die bezahl­ten Ver­si­che­rungs­prä­mi­en eine Gegen­lei­stung vor­ge­se­hen hat­te, bestehe kein Grund, die Unent­gelt­lich­keit und damit Anfecht­bar­keit der Prä­mi­en­zah­lun­gen gemäss Art. 286 Abs. 1 SchKG anzu­neh­men (E. 3.4.3.).

Die Beschwer­de wur­de daher abge­wie­sen.

Lukas Wiget

Posted by Lukas Wiget

RA Dr. Lukas Wiget, LL.M, ist als Rechtsanwalt bei Blum&Grob Rechtsanwälte AG tätig. Nach dem Studium an der Universität Zürich arbeitete er zunächst als wissenschaftlicher Assistent, später am Bezirksgericht Horgen und in einer grösseren Zürcher Wirtschaftskanzlei. Das LL.M.-Studium absolvierte er in Sydney an der University of New South Wales.