Hin­ter­grund die­ses Urteils war ein Geschäfts­lo­kal, wel­ches an eine Gesell­schaft und deren Ver­wal­tungs­rat ver­mie­tet wor­den war. Nach­dem die Ver­mie­ter ver­geb­lich die Zah­lung auf­ge­lau­fe­ner Miet­zins­rück­stän­de ver­langt hat­ten, kün­dig­ten sie den Mie­tern das Lokal und ver­lang­ten nach Ablauf der Kün­di­gungs­frist gericht­lich deren Aus­wei­sung. Die Mie­ter bean­trag­ten vor Gericht gestützt auf Art. 293c Abs. 1 und Art. 297 Abs. 5 SchKG die Sistie­rung des Ver­fah­rens, da der Gesell­schaft die pro­vi­so­ri­sche Nach­lass­stun­dung bewil­ligt wor­den war. Bei­de kan­to­na­len Instan­zen lehn­ten den Antrag der Mie­ter ab und ver­pflich­te­ten die­se, das Geschäfts­lo­kal zu räu­men.

Das Bun­des­ge­richt schütz­te die kan­to­na­len Urtei­le. Es wies dar­auf hin, dass die Wir­kun­gen der (pro­vi­so­ri­schen) Nach­lass­stun­dung nur For­de­run­gen auf Geld­zah­lung oder auf Sicher­heits­lei­stung (Art. 38 Abs. 1 SchKG; Art. 335 Abs. 1 und 2 ZPO) betref­fen wür­den. Wäh­rend die For­de­run­gen auf Zah­lung der aus­ste­hen­den Miet­zin­se Nach­lass­for­de­run­gen i.S.v. Art. 297 Abs. 5 SchKG dar­stel­len wür­den, tref­fe dies auf den Anspruch der Ver­mie­ter auf Rück­ga­be der Miet­sa­che nicht zu. Dar­über hin­aus sei die­ser Anspruch unteil­bar, wes­halb auch kein Teil­ver­zicht im Nach­lass­ver­trag gemäss Art. 314 Abs. 1 SchKG mög­lich sei (E. 6).

Auch das Argu­ment der Mie­ter, wonach die Räu­mung des Geschäfts­lo­kals die Geneh­mi­gung eines Nach­lass­ver­trags sowie die Sanie­rung der Gesell­schaft ver­un­mög­li­chen wür­de, fand vor Bun­des­ge­richt kein Gehör. Es gebe kei­ne recht­li­che Bestim­mung, gestützt auf wel­che ein Schuld­ner, dem die pro­vi­so­ri­sche Nach­lass­stun­dung geneh­migt wur­de, von einem Drit­ten den Abschluss oder die Bei­be­hal­tung eines Dau­er­schuld­ver­hält­nis­ses (z.B. eines Miet­ver­trags) bzw. gene­rell eine für die Wei­ter­füh­rung der Gesell­schaft not­wen­di­ge Lei­stung ver­lan­gen kön­ne (E. 7).

Martin Rauber

Posted by Martin Rauber

RA Dr. Martin Rauber, LL.M, arbeitet als Rechtsanwalt bei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG. Zuvor wirkte er als juristischer Sekretär am Bezirksgericht Horgen, wo er heute als nebenamtlicher Ersatzrichter im Einsatz steht. Er studierte an der Universität Freiburg i.Ue., der Université Libre de Bruxelles sowie an der University of Edinburgh (LL.M. Commercial Law).