Im Zuge des OECD BEPS-Pro­jek­tes hat die Schweiz am 7. Juni 2017 in Paris das Mul­ti­la­te­ra­le Über­ein­kom­men zur Umset­zung steu­er­ab­kom­mens­be­zo­ge­ner Mass­nah­men zur Ver­hin­de­rung der Gewinn­ver­kür­zung und Gewinn­ver­la­ge­rung (BEPS-Über­ein­kom­men) unter­zeich­net. Die­ses Abkom­men ist Teil eines glo­ba­len Plans zur Umset­zung der OECD-Vor­ga­ben gemäss BEPS-Pro­jekt vom Okto­ber 2015. Letz­te­res defi­niert, wel­che For­men von Gewinn­ver­kür­zung und Gewinn­ver­la­ge­rung (Base Ero­si­on and Pro­fit Shif­ting, BEPS) die OECD-Mit­glied­staa­ten zu bekämp­fen haben und mit wel­chen Mit­teln (BEPS Actions 1 – 15) .

Mit dem vor­lie­gen­den Über­ein­kom­men ver­pflich­tet sich die Schweiz nun, ihre Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men (DBA) in Bezug auf bestimm­te BEPS-Actions ein­heit­lich und effi­zi­ent anzu­pas­sen. Das Über­ein­kom­men war von über 100 Staa­ten und Ter­ri­to­ri­en – dar­un­ter die Schweiz — erar­bei­tet und am 24. Novem­ber 2016 for­mell ver­ab­schie­det wor­den.

Kon­kret bringt das Über­ein­kom­men eine beschleu­nig­te Anpas­sung der schwei­ze­ri­schen DBA mit bis dato 14 Län­dern (Argen­ti­ni­en, Chi­le, Indi­en, Island, Ita­li­en, Liech­ten­stein, Litau­en, Luxem­burg, Öster­reich, Polen, Por­tu­gal, Süd­afri­ka, Tsche­chi­en und der Tür­kei). Die­se Staa­ten sind bereit, sich mit der Schweiz zu eini­gen, wie die Bestim­mun­gen im jewei­li­gen DBA im Sin­ne des BEPS-Über­ein­kom­mens anzu­pas­sen sind. Die Schweiz hat sich das Recht vor­be­hal­ten, im Ver­hält­nis zu die­sen Staa­ten gewis­se Vor­be­hal­te anzu­brin­gen (s.u. sep. Liste).

Wenn ins­künf­tig Eini­gun­gen über die tech­ni­sche Umset­zung des BEPS-Über­ein­kom­mens mit wei­te­ren Staa­ten erzielt wer­den, kön­nen die ent­spre­chen­den DBA spä­ter eben­falls durch das BEPS-Über­ein­kom­men geän­dert wer­den. Alter­na­tiv steht hier­für auch der Weg einer indi­vi­du­ell-bila­te­ra­len DBA-Anpas­sung zur Ver­fü­gung.

Inhalt­lich geht es vor­lie­gend dar­um, mit­tels BEPS-Über­ein­kom­men vor allem jene BEPS-Min­dest­stan­dards umzu­set­zen, wel­che im Bereich der DBA rele­vant sind. So soll bei­spiels­wei­se:

  • die DBA-Prä­am­bel bezüg­lich deren Zweck ergänzt wer­den;
  • in die DBA eine ein­heit­li­che Miss­brauchs­klau­sel auf­ge­nom­men und
  • die Bestim­mun­gen zur Streit­bei­le­gung im Rah­men von Ver­stän­di­gungs­ver­ein­ba­run­gen ange­passt wer­den.
  • Die Schweiz spricht sich zudem dafür aus, die im BEPS-Über­ein­kom­men vor­ge­se­he­ne Schieds­klau­sel zu über­neh­men.

Der Bun­des­rat wird das BEPS-Über­ein­kom­men gegen Ende 2017 in die Ver­nehm­las­sung geben.

Übri­ge BEPS-Ent­wick­lun­gen in der Schweiz:

Philipp Kruse

Posted by Philipp Kruse

RA Philipp Kruse führt seit 2012 eine eigene Praxis für Steuerrecht in Zürich (Kruse | Tax & Law). Er studierte an den Universitäten Bern, Heidelberg und Exeter/UK und hat seit 1998 in drei Zürcher Wirtschaftskanzleien praktiziert. Er war von 2003 bis 2007 im Kantonalen Steueramt Zürich tätig und hat sich seither auf den Bereich 'Steuer- und Abgaberecht' spezialisiert.