Das ver­gan­ge­ne Jahr war laut “Tätig­keits­be­richt 2016” für den Direk­ti­ons­be­reich Inter­na­tio­na­le Rechts­hil­fe des Bun­des­amts für Justiz (BJ IRH) geprägt von kom­ple­xen Fäl­len im Bereich der Kor­rup­ti­on und der orga­ni­sier­ter Kri­mi­na­li­tät. Die Zusam­men­ar­beit mit dem Aus­land bewegt sich dabei ins­ge­samt wei­ter­hin auf hohem Niveau.

Die grenz­über­schrei­ten­de Straf­ver­fol­gung nimmt seit Jah­ren an Bedeu­tung zu, wie die anhal­tend hohen Fall­zah­len mit stei­gen­der Ten­denz in meh­re­ren Kate­go­ri­en der inter­na­tio­na­len Rechts­hil­fe zei­gen. So sind die Zahl von Beweis­rechts­hil­fe­er­su­chen an die Schweiz (2016: 2485; 2015: 2336) und die Zahl der Beweis­rechts­hil­fe­er­su­chen der Schweiz ans Aus­land (2016: 982; 2015: 900) gestie­gen. Zudem sind mehr Fahn­dungs­er­su­chen ein­ge­gan­gen (2016: 33.401; 2015: 29.664).

Im Fokus stan­den für den BJ IRH gro­sse Ver­fah­rens­kom­ple­xe wie der Kor­rup­ti­ons­skan­dal “Petro­bras” in Bra­si­li­en, die Unre­gel­mä­ssig­kei­ten beim malay­si­schen Staats­fonds “1MDB”, das bereits im Vor­jahr ange­lau­fe­ne Ver­fah­ren “FIFA” und die Ver­haf­tung von 13 Mit­glie­dern der mut­mass­li­chen Thur­gau­er “Ndrangheta”-Zelle. Im Bereich der akzes­so­ri­schen Rechts­hil­fe hat die Schweiz im Berichts­jahr einen Gross­teil der erho­be­nen Bank­un­ter­la­gen aus­ge­hän­digt.

Im Jahr 2016 hat das Eid­ge­nös­si­sche Justiz- und Poli­zei­de­par­te­ment (EJPD) die aktua­li­sier­te Stra­te­gie zum Staats­ver­trags­netz im Bereich der justi­zi­el­len Zusam­men­ar­beit in Straf­sa­chen geneh­migt. Dar­in wer­den die Kri­te­ri­en für die Auf­nah­me von Ver­hand­lun­gen mit poten­ti­el­len Ver­trags­part­nern fest­ge­legt. Mass­ge­bend sind vor allem die Inter­es­sen der Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den, aber auch migra­ti­ons-, aussen- oder wirt­schafts­po­li­ti­sche Anlie­gen der Schweiz. Es wer­den zusätz­li­che Rechts­hil­fein­stru­men­te mit wich­ti­gen Finanz- und Wirt­schafts­zen­tren ange­strebt.

Ist eine Rück­ga­be der ein­ge­zo­ge­nen Ver­mö­gens­wer­te nach Abschluss des Straf­ver­fah­rens an die Geschä­dig­ten nicht mög­lich, wer­den die Finanz­wer­te im inter­na­tio­na­len Sharing zwi­schen den mit­wir­ken­den Staa­ten auf­ge­teilt. Im Berichts­jahr hat die schwei­ze­ri­sche Staats­kas­se auf die­se Wei­se rund 37 Mio. CHF ein­ge­nom­men. Die höch­ste Sum­me wur­de zwi­schen der Schweiz und den USA geteilt (rund 55 Mio. CHF).

Juana Vasella

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RA Dr. Juana Vasella ist Habilitandin, Oberassistentin und Lehrbeauftragte an der Universität Luzern sowie Co-Direktorin der Kompetenzstelle für Logistik- und Transportrecht KOLT. Daneben ist sie als Konsulentin für MME Legal | Tax | Compliance tätig. Zuvor hat Juana Vasella an der TU Dresden, der Universität Zürich und der Bucerius Law School sowie bei CMS von Erlach Poncet AG gearbeitet.