Das BGer hat­te im vor­lie­gen­den design­recht­li­chen Urteil die Ähn­lich­keit des Gesamt­ein­drucks eines Designs und einer Uhr zu beur­tei­len. Das klä­ge­ri­sche Design steht der Uhren­mar­ke Frédé­ric Jou­ve­not zu und wur­de für die Linie “Surya” ver­wen­det:


Die erste der ange­grif­fe­nen Uhren stammt von der Mar­ke Chri­sto­phe Cla­ret:


Auf Abmah­nung von Frédé­ric Jou­ve­not hin hin­ter­leg­te Chri­sto­phe Cla­ret ihrer­seits zwei Designs für Zif­fer­blatt und Uhren­ge­häu­se. Im Jahr 2016 lan­cier­te Chri­sto­phe Cla­ret sodann ein zwei­tes Uhren­mo­dell:


Vor BGer war strit­tig, ob die bei­den Uhren das Design von Frédé­ric Jou­ve­net ver­let­zen. Das BGer fasst dabei die Grund­sät­ze zur Beur­tei­li­ung von Design­ver­let­zun­gen wie folgt zusam­men:

1. Bestim­mung der jeweils prä­gen­den Ele­men­te für bei­de Gestal­tun­gen, d.h. des ein­ge­tra­ge­nen Designs mit der Gestal­tung des mög­li­cher­wei­se ver­let­zen­den Pro­dukts:

  • Design­recht­lich unbe­acht­lich sind Ele­men­te wie die Ver­mark­tung oder die Beprei­sung der Pro­duk­te.
  • Der Gesamt­ein­druck ist auf Grund­la­ge der prä­gen­den Ele­men­te fest­zu­stel­len, unter Aus­schluss von Details.
  • Zu den prä­gen­den Ele­men­ten gehö­ren typi­scher­wei­se die Pro­por­tio­nen, die Anord­nung der das Design aus­ma­chen­den Ele­men­te und bis zu einem gewis­sen Grad auch die Ori­gi­na­li­tät der gra­phi­schen Sym­bo­le. Sie las­sen sich indes nur mit Bezug auf das kon­kre­te Design bestim­men.
  • Die prä­gen­den Ele­men­te müs­sen zur Eigen­art und zur Neu­heit des Designs bei­tra­gen.
  • Tech­nisch not­wen­di­ge Ele­men­te tra­gen nicht zum Gesamt­ein­druck bei.
  • Ent­schei­dend ist der Ein­druck im kurz­fri­sti­gen Erin­ne­rungs­ver­mö­gen der Kauf­in­ter­es­sen­ten, der die bei­den Gestal­tun­gen in einer rela­tiv kur­zen Abfol­ge sieht, ohne sie jedoch direkt gegen­über­zu­stel­len.

2. Ver­gleich des Designs mit der frag­li­chen Gestal­tung:

  • Eine Gestal­tung ver­letzt das Design, wenn es den glei­chen oder einen ähn­li­chen Gesam­stein­druck bewirkt. Dafür ist nicht unbe­dingt not­wen­dig, dass sämt­li­che der wesent­li­chen Gestal­tungs­ele­men­te über­nom­men wer­den.
  • Bei glei­chen bzw. ähn­li­chen Gesamt­ein­drücken spie­len Abwei­chun­gen auch in zahl­rei­chen Details kei­ne Rol­le. Details sind jedoch dort rele­vant, wo der Gestal­tungs­spiel­raum beschränkt ist wie bspw. im Bereich der Bijou­te­rie, denn hier ach­ten die Abneh­mer des Pro­dukts stär­ker auf Details, die daher den Ein­druck prä­gen kön­nen.
  • Farb­un­ter­schie­de spie­len kei­ne Rol­le, wenn das Design schwarz-weiss hin­ter­legt ist.
  • Am Pro­dukt ange­brach­te Mar­ken ändern den Gesamt­ein­druck im Grund­satz nicht.
  • Beim Ver­gleich sind kei­ne Fach­gut­ach­ten ein­zu­ho­len. Von den Par­tei­en bei­ge­brach­te Gut­ach­ten sind rei­ne Par­tei­be­haup­tun­gen.

Im vor­lie­gen­den Fall sieht das BGer kei­ne aus­rei­chen­de Ähn­lich­keit zwi­schen dem ein­ge­tra­ge­nen Design und den Gestal­tun­gen der frag­li­chen Uhren.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.