Im vor­lie­gen­den, zur amt­li­chen Publi­ka­ti­on vor­ge­se­he­nen Urteil hat­te das Bun­des­ge­richt zu ent­schei­den, ob ein Arrest rechts­miss­bräuch­lich war und ob das Betrei­bungs­amt des­we­gen den Voll­zug hät­te ver­wei­gern müs­sen. Dem Ent­scheid lag fol­gen­der Sach­ver­halt zugrun­de:

Das Beru­fungs­ge­richt des Kan­tons Waadt hat­te den Kan­ton Waadt dazu ver­ur­teilt, eine Ent­schä­di­gung an A. wegen unge­recht­fer­tig­ter Haft aus­zu­zah­len. Der Betrag wur­de in der Fol­ge an den Ver­tei­di­ger von A. über­wie­sen. Wegen ver­schie­de­ner unbe­gli­che­ner For­de­run­gen wur­de der aus­be­zahl­te Betrag aller­dings sogleich wie­der vom Betrei­bungs­amt ver­ar­re­stiert. Die Par­tei­en gelang­ten in die­ser Sache bereits ein erstes Mal ans Bun­des­ge­richt (Ver­fah­ren 5A_389/2014), wel­ches den vor­in­stanz­li­chen Ent­scheid auf­hob und an die Vor­in­stanz zur Neu­be­ur­tei­lung zurück­wies. Auch im neu­en Ent­scheid wur­de der Arrest aller­dings geschützt. A. wand­te sich in der Fol­ge erneut ans Bun­des­ge­richt.

Das Bun­des­ge­richt führ­te zunächst aus, dass eine Arrest­le­gung kei­ne Voll­streckungs­hand­lung ist, son­dern nur eine vor­sorg­li­che Mass­nah­me, wel­che den Schuld­ner dar­an hin­dern soll, über sein Ver­mö­gen zu ver­fü­gen und es einer künf­ti­gen Voll­streckung sei­nes Gläu­bi­gers zu ent­zie­hen. Die Arrest­le­gung beruht auf dem von der zustän­di­gen Behör­de nach Art. 272 und 274 SchKG erlas­se­nen Arrest­be­fehl. Des­sen Grund­la­gen sind vom beauf­trag­ten Betrei­bungs­amt nicht nach­zu­prü­fen. Denn über die mit dem Arrest­grund zusam­men­hän­gen­den Fra­gen hat aus­schliess­lich zunächst die Arrest­be­hör­de und sodann der Rich­ter im Arrest­auf­he­bungs­pro­zess zu befin­den. Die Prü­fung des Rechts­miss­brauchs bleibt jedoch vor­be­hal­ten. Wur­de der Arrest unter Umstän­den ange­ord­net, die erken­nen las­sen, dass der Gläu­bi­ger gegen den Grund­satz von Treu und Glau­ben ver­stösst, so muss das Betrei­bungs­amt den Voll­zug des Arrests zurück­wei­sen (E. 3.1).

Das Bun­des­ge­richt erin­ner­te wei­ter dar­an, dass eine Genug­tu­ungs­for­de­rung des nicht ver­ur­teil­ten Beschul­dig­ten nicht mit der For­de­rung des Staa­tes aus Ver­fah­rens­ko­sten ver­rech­net wer­den kann. Obwohl die Arrest­le­gung kei­ne Voll­streckungs­hand­lung ist, hat sie wirt­schaft­lich gese­hen die glei­chen Fol­gen wie eine Ver­rech­nung (E. 3.3).

Das Bun­des­ge­richt stell­te abschlie­ssend fest, dass der Kan­ton Waadt, nach­dem er die Arrest­le­gung ange­ord­net hat, die Genug­tu­ungs­for­de­rung auf das Kon­to des Ver­tei­di­gers über­wie­sen hat, nur damit er die Ver­rech­nung umge­hen kann. Da ein sol­ches Ver­hal­ten den Grund­satz von Treu und Glau­ben ver­letzt, hät­te sich das Betrei­bungs­amt der Arrest­le­gung wider­set­zen müs­sen. Die Beschwer­de wur­de gut­ge­hei­ssen und der Arrest auf­ge­ho­ben.

Lukas Wiget

Posted by Lukas Wiget

RA Dr. Lukas Wiget, LL.M, ist als Rechtsanwalt bei Blum&Grob Rechtsanwälte AG tätig. Nach dem Studium an der Universität Zürich arbeitete er zunächst als wissenschaftlicher Assistent, später am Bezirksgericht Horgen und in einer grösseren Zürcher Wirtschaftskanzlei. Das LL.M.-Studium absolvierte er in Sydney an der University of New South Wales.