Der Schwei­zer Pres­se­rat, die Beschwer­de­instanz für medi­en­ethi­sche Fra­gen, hat sei­ne Richt­li­ni­en zur «Erklä­rung der Pflich­ten und­Rech­te der Jour­na­li­stin­nen und Jour­na­li­sten» bei Ziff. 10.1 (Tren­nung zwi­schen redak­tio­nel­lem Teil und Wer­bung) und 10.2 (Spon­so­ring, Pres­se­rei­sen, Kop­pe­lung von redak­tio­nel­len Berich­ten und Wer­bung) prä­zi­siert. Die revi­dier­ten Richt­li­ni­en sind am 1. Juli 2017 in Kraft getre­ten.

Ziff. 10.1 und 10.2 lau­ten neu wie folgt (neu sind die mar­kier­ten Stel­len):

10.1 Die deut­li­che Tren­nung zwi­schen redak­tio­nel­lem Teil/Programm und Wer­bung bzw. bezahl­tem oder durch Drit­te zur Ver­fü­gung gestell­tem Inhalt ist für die Glaub­wür­dig­keit der Medi­en unab­ding­bar. Inse­ra­te, Wer­be­sen­dun­gen und bezahl­te oder durch Drit­te zur Ver­fü­gung gestell­te Inhal­te sind gestal­te­risch von redak­tio­nel­len Bei­trä­gen klar abzu­he­ben. Sofern sie nicht optisch/akustisch ein­deu­tig als sol­che erkenn­bar sind, müs­sen sie expli­zit als Wer­bung dekla­riert wer­den. Jour­na­li­stin­nen und Jour­na­li­sten dür­fen die­se Abgren­zung nicht durch Ein­fü­gen von Schleich­wer­bung in der redak­tio­nel­len Bericht­erstat­tung unter­lau­fen.

10.2 Bei gespon­ser­ten Medi­en­be­rich­ten sind der Name des Spon­sors trans­pa­rent zu machen und die freie The­men­aus­wahl und -bear­bei­tung durch die Redak­ti­on zu gewähr­lei­sten. Bei Pres­se­rei­sen muss erwähnt wer­den, wer die Kosten über­nom­men hat. Die redak­tio­nel­le Frei­heit muss eben­falls gewahrt wer­den. Redak­tio­nel­le Bei­trä­ge (z.B. «beglei­ten­de» redak­tio­nel­le Bericht­erstat­tun­gen), die als  «Gegen­lei­stung» zu Inse­ra­ten und Wer­be­sen­dun­gen ver­öf­fent­licht wer­den, sind unzu­läs­sig.

Die Ände­run­gen gehen auf eine Beschwer­de gegen “Nati­ve Adver­ti­sing” auf “wat​s​on​.ch” zurück; eine Wer­be­form, mit der Wat­s­on offen­bar 20–25% sei­nes Umsat­zes erzielt. Der Pres­se­rat hielt in sei­ner dar­auf ver­öf­fent­lich­ten Stel­lung­nah­me 15/2017 vom 23. Juni 2017 fest, dass bezahl­te oder durch Drit­te zur Ver­fü­gung gestell­te Inhal­te gestal­te­risch von redak­tio­nel­len Bei­trä­gen klar abzu­he­ben sind. Sofern sie nicht ein­deu­tig als Wer­bung erkenn­bar sind, ist zwin­gend zu dekla­rie­ren, dass es sich um bezahl­ten Inhalt han­delt. Eine Ver­let­zung der Richt­li­ni­en durch Wat­s­on wur­de damals nicht fest­ge­stellt; der Pres­se­rat hat­te aber fest­ge­hal­ten,

3. In der Fra­ge der inhalt­li­chen Ein­fluss­nah­me sei­tens des Auf­trag­ge­bers ist eine Ver­let­zung von Zif­fer 10 der «Erklä­rung» im vor­lie­gen­den Fall nicht erwie­sen. Dadurch, dass «wat­s­on» Auf­trag­ge­bern von Nati­ve Adver­ti­sing jedoch im Prin­zip die Mög­lich­keit ein­räumt, vor Frei­schal­tung eines ent­spre­chen­den Bei­trags nicht nur das geplan­te Inse­rat, son­dern auch den beglei­ten­den redak­tio­nel­len Text zu über­prü­fen und gege­be­nen­falls zu ändern, gehört ein poten­zi­el­ler Ver­stoss gegen Zif­fer 10 der «Erklä­rung» sozu­sa­gen zum Geschäfts­mo­dell. Der Pres­se­rat emp­fiehlt Anbie­tern von Nati­ve Adver­ti­sing daher, die inhalt­li­che Mit­spra­che aus­drück­lich auf Inse­ra­te zu beschrän­ken.

 

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.