Im zur amt­li­chen Publi­ka­ti­on vor­ge­se­he­nen Urteil vom 11. Juli 2017 befass­te sich das BGer mit einer vom Gesund­heits­de­par­te­ment des Kan­tons Waadt ver­füg­ten Sank­ti­on, wel­che sich gegen einen im Kan­ton prak­ti­zie­ren­den Psych­ia­ter rich­te­te. Der Psych­ia­ter erhielt einen Ver­weis und wur­de zur Bezah­lung einer Bus­se von CHF 10’000.00 ver­pflich­tet, weil er nach Abschluss der The­ra­pie eine sexu­el­le Bezie­hung mit einer Pati­en­tin ein­ging. Zudem ver­füg­te das Gesund­heits­de­par­te­ment, dass die Sank­ti­on im kan­to­na­len Amts­blatt publi­ziert wer­den müs­se. Nach­dem der Psych­ia­ter mit einer Beschwer­de beim kan­to­na­len Ver­wal­tungs­ge­richt schei­ter­te, gelang­te er ans BGer, wel­ches sei­ne Beschwer­de gut­heisst.

Das BGer hält zunächst fest, dass das Medi­zi­nal­be­ru­fe­ge­setz des Bun­des (MedBG; SR 811.11) im Gegen­satz zum Gesetz über die öffent­li­che Gesund­heit des Kan­tons Waadt (loi vau­doi­se sur la san­té publi­que, LSP; RS/VD 800.01) kei­ne Bestim­mung ent­hal­te, wel­che eine Kom­bi­na­ti­on des Ver­wei­ses mit der Bus­se vor­se­he. Die von Art. 191 Abs. 2 LSP vor­ge­se­he­ne freie Kumu­la­ti­on von Sank­tio­nen ver­sto­sse des­halb gegen das Prin­zip des Vor­rangs des Bun­des­rechts (Art. 49 Abs. 1 BV). Indes­sen habe der Beschwer­de­füh­rer den Ver­weis und die Bus­se nicht bean­stan­det, wes­halb die Sank­ti­on nicht auf­zu­he­ben sei.

Anders ver­hal­te es sich mit der Publi­ka­ti­on der Sank­ti­on im kan­to­na­len Amts­blatt. Das Medi­zi­nal­be­ru­fe­ge­setz sehe ein Regi­ster der uni­ver­si­tä­ren Medi­zi­nal­be­ru­fe vor, wel­ches u.a. auch die gegen einen Arzt aus­ge­spro­che­nen Dis­zi­pli­nar­mass­nah­men ent­hal­te (Art. 52 Abs. 1 MedBG). Die Infor­ma­tio­nen über die dis­zi­pli­nier­te Per­son sei­en indes­sen nicht frei zugäng­lich, son­dern stän­den nur den für die Ertei­lung der Berufs­aus­übungs­be­wil­li­gung zustän­di­gen Behör­den zur Ver­fü­gung. Die Publi­ka­ti­on der Sank­ti­on im kan­to­na­len Amts­blatt ver­sto­sse des­halb gegen Bun­des­recht.

Das BGer ent­schei­det refor­ma­to­risch und unter­sagt dem Gesund­heits­de­par­te­ment des Kan­tons Waadt die Publi­ka­ti­on der Sank­ti­on im kan­to­na­len Amts­blatt.

Fabian Klaber

Posted by Fabian Klaber

Dr. Fabian Klaber, LL.M, hat an der Universität Basel und an der Columbia Law School (LL.M.) studiert, war danach als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Basel tätig und absolvierte Praktika bei Froriep und beim Bezirksgericht Horgen. Er arbeitet im Advokaturbureau Kleb | Harburger.