Im zur amt­li­chen Publi­ka­ti­on vor­ge­se­he­nen Urteil vom 1. Sep­tem­ber 2017 äusser­te sich das BGer zur Teil­re­vi­si­on des kan­to­na­len Wahl- und Abstim­mungs­ge­set­zes des Kan­tons Schwyz (WAG; SRSZ 120.100). Gemäss dem teil­re­vi­dier­ten § 53 WAG sol­len Ein­spra­chen bei Kan­tons- und Regie­rungs­rats­wah­len — je nach Kon­stel­la­ti­on — end­gül­tig vom Regie­rungs- bzw. Kan­tons­rat behan­delt wer­den. Vor­be­hal­ten bleibt die Beschwer­de an das BGer. Der teil­re­vi­dier­te § 53a WAG sieht vor, dass Ein­spra­chen bei Stän­de­rats­wah­len end­gül­tig vom Regie­rungs­rat beur­teilt wer­den sol­len. Vor­be­hal­ten bleibt wie­der­um die Beschwer­de an das BGer. Die Beschwer­de­füh­rer rügen vor BGer, dass die revi­dier­ten Geset­zes­be­stim­mun­gen gegen die in Art. 29a BV und Art. 88 BGG (Bun­des­ge­richts­ge­setz; SR 173.110) nor­mier­te Rechts­weg­ga­ran­tie ver­sto­ssen. Das BGer weist die Beschwer­de ab.

Zunächst hält das BGer fest, dass der Kan­ton Schwyz kein kan­to­na­les Rechts­mit­tel vor­se­hen müs­se, solan­ge der Regie­rungs­rat oder der Kan­tons­rat einen eige­nen Ent­scheid in Kennt­nis der Ein­wän­de der Ein­spre­cher in Wie­der­erwä­gung zie­he. Der­ar­ti­ge Wie­der­erwä­gungs­ent­schei­de sei­en Akte i.S.v. Art. 88 Abs. 2 BGG, wel­che von der kan­to­na­len Rechts­mit­tel­pflicht aus­ge­nom­men sei­en.

Anders prä­sen­tie­re sich die Lage — so das BGer -, wenn der Regie­rungs- bzw. der Kan­tons­rat einen Rechts­mit­tel­ent­scheid fäl­len wür­de. In der­ar­ti­gen Kon­stel­la­tio­nen dür­fe eine Beschwer­de an das kan­to­na­le Ver­wal­tungs­ge­richt mit Blick auf Art. 29a BV i.V.m. Art. 88 BGG nicht aus­ge­schlos­sen wer­den. Die streit­ge­gen­ständ­li­chen Bestim­mun­gen lie­ssen sich indes­sen geset­zes- und ver­fas­sungs­kon­form aus­le­gen:

Kommt man zum Schluss, gegen Akte von kom­mu­na­len oder unter­ge­ord­ne­ten kan­to­na­len Behör­den sei die Ein­spra­che nach § 53 bzw. 53a WAG nicht mög­lich, stün­de gegen sie direkt die Beschwer­de ans Ver­wal­tungs­ge­richt offen […]. Gelangt man hin­ge­gen zum Schluss, gegen sol­che Akte sei zunächst Ein­spra­che nach § 53 bzw. 53a WAG zu erhe­ben, lie­sse sich das kan­to­na­le Recht eben­falls bun­des­rechts­kon­form aus­le­gen, auch wenn die ent­spre­chen­den Ein­spra­che­ent­schei­de als end­gül­tig bezeich­net wer­den und die Beschwer­de ans Ver­wal­tungs­ge­richt gegen Ein­spra­che­ent­schei­de des Regie­rungs­rats sowie des Kan­tons­rats betref­fend Unre­gel­mä­ssig­kei­ten oder das Ergeb­nis von Kan­tons- und Regie­rungs­rats­wah­len bzw. Stän­de­rats­wah­len im Grund­satz aus­ge­schlos­sen ist […]. Dies­falls käme näm­lich § 53 Abs. 3 VRP (Ver­wal­tungs­rechts­pfle­ge­ge­setz; SRSZ 234.110) zum Tra­gen, wonach der Aus­schluss der Beschwer­de ans Ver­wal­tungs­ge­richt nicht gilt, soweit über­ge­ord­ne­tes Recht eine gericht­li­che Beur­tei­lung durch eine kan­to­na­le Gerichts­in­stanz zwin­gend ver­langt […]. (E. 3.4.1.)

Der für die Stimm­bür­ger des Kan­tons Schwyz je nach Kon­stel­la­ti­on schwer zu erken­nen­de Instan­zen­zug ist aus Sicht des BGer mit Blick auf das Lega­li­täts­prin­zip (Art. 5 Abs. 1 BV) und die Rechts­weg­ga­ran­tie (Art. 29a BV) nicht unpro­ble­ma­tisch. Trotz­dem wer­den die teil­re­vi­dier­ten Geset­zes­be­stim­mun­gen im Ver­fah­ren der abstrak­ten Nor­men­kon­trol­le nicht auf­ge­ho­ben, da sie der Aus­le­gung zugäng­lich sei­en.

Fabian Klaber

Posted by Fabian Klaber

Dr. Fabian Klaber, LL.M, hat an der Universität Basel und an der Columbia Law School (LL.M.) studiert, war danach als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Basel tätig und absolvierte Praktika bei Froriep und beim Bezirksgericht Horgen. Er arbeitet im Advokaturbureau Kleb | Harburger.