B. (Klä­ger) mach­te beim Bezirks­ge­richt Wil­li­sau eine Kla­ge gegen die A. Ver­si­che­rung AG anhän­gig. Er for­der­te CHF 30’000 für Direkt­scha­den aus Erwerb, Haus­halt, Kosten und Genug­tu­ung unter Nach­kla­ge­vor­be­halt. Mit der Kla­ge­ant­wort erhob die A. Ver­si­che­rung AG Wider­kla­ge und bean­trag­te, es sei gericht­lich fest­zu­stel­len, dass sie nichts schul­de.

Das Bezirks­ge­richt trat auf die Wider­kla­ge nicht ein. Das Kan­tons­ge­richt Luzern bezif­fer­te die Wider­kla­ge mit min­de­stens CHF 763’897 und trat auf die Wider­kla­ge eben­falls nicht ein. Das Bun­des­ge­richt hiess die dage­gen erho­be­ne Beschwer­de nach öffent­li­cher Bera­tung gut, hob den vor­in­stanz­li­chen Ent­scheid auf und wies die Sache zur wei­te­ren Behand­lung zurück an das Kan­tons­ge­richt Luzern (Urteil 4A_576/2016 vom 13. Juni 2017).

Das Bun­des­ge­richt hat­te die Fra­ge zu beant­wor­ten, in wel­cher Ver­fah­rens­art eine Wider­kla­ge zu behan­deln ist, wenn die Haupt­kla­ge im ver­ein­fach­ten Ver­fah­ren erho­ben wird und der Streit­wert der Wider­kla­ge die Streit­wert­gren­ze von CHF 30’000 über­steigt.

Das Bun­des­ge­richt gelang­te zur Auf­fas­sung, eine nega­ti­ve Fest­stel­lungs­kla­ge, die als Reak­ti­on auf eine ech­te Teil­kla­ge erho­ben wer­de, kön­ne auch im ver­ein­fach­ten Ver­fah­ren erho­ben wer­den. Art. 224 Abs. 1 ZPO müs­se in die­ser Hin­sicht ein­schrän­kend ver­stan­den wer­den und bei­de Kla­gen sei­en in sol­chen Fäl­len zusam­men im ordent­li­chen Ver­fah­ren zu beur­tei­len (E. 4.4).

Gemäss Bun­des­ge­richt ist der ein­hel­li­gen Leh­re grund­sätz­lich zuzu­stim­men, wonach Art. 224 Abs. 1 ZPO grund­sätz­lich aus­schliesst, im ver­ein­fach­ten Ver­fah­ren mit­tels Wider­kla­ge Ansprü­che gel­tend zu machen, die auf­grund ihres Streit­werts im ordent­li­chen Ver­fah­ren zu beur­tei­len sind (E. 3). Eine nega­ti­ve Fest­stel­lungs­kla­ge, die als Reak­ti­on auf eine ech­te Teil­kla­ge erho­ben wer­de, sei indes­sen kei­ne gewöhn­li­che Wider­kla­ge, mit der die beklag­te Par­tei einen von der Haupt­kla­ge nicht erfass­ten, unab­hän­gi­gen Anspruch gel­tend mache (E. 4.3.3).

Das Bun­des­ge­richt bejaht in kon­stan­ter Pra­xis das recht­li­che Inter­es­se der mit einer Teil­kla­ge kon­fron­tier­ten beklag­ten Par­tei, durch Wider­kla­ge den Nicht­be­stand des behaup­te­ten Anspruchs oder des Schuld­ver­hält­nis­ses fest­stel­len zu las­sen (E. 4.3.1). Mit einer nega­ti­ven Fest­stel­lungs­wi­der­kla­ge wer­de ledig­lich die Fest­stel­lung der Nicht­exi­stenz des von der kla­gen­den Par­tei ange­mel­de­ten Gesamt­an­spru­ches ange­strebt (E. 4.3.2). Dass die Mög­lich­keit einer nega­ti­ven Fest­stel­lungs­wi­der­kla­ge durch Art. 224 Abs. 1 ZPO aus­ge­schlos­sen wer­den soll­te, sei den Geset­zes­ma­te­ria­li­en nicht zu ent­neh­men (E. 4.3.1).

 

 

 

 

Roland Bachmann

Posted by Roland Bachmann

Roland Bachmann ist Partner bei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG. Sein Schwerpunkt als Wirtschaftsanwalt ist die Prozessführung. Vor seiner Tätigkeit in der Advokatur arbeitete Roland Bachmann als juristischer Sekretär des Obergerichts Zürich und des Bezirksgerichts Zürich. Er studierte an den Universitäten von Zürich, Tours (Frankreich) und Ann Arbor in Michigan (USA).