Das Eid­ge­nös­si­sche Finanz­de­par­te­ment (EFD) hat am 21. Sep­tem­ber 2017 die Total­re­vi­si­on der Quel­len­steu­er­ver­ord­nung (SR 641.118.1) in die Ver­nehm­las­sung geschickt. Der Ver­ord­nungs­ent­wurf kon­kre­ti­siert das vom Par­la­ment am 16. Dezem­ber 2016 ver­ab­schie­de­te Bun­des­ge­setz über die Revi­si­on der Quel­len­be­steue­rung des Erwerbs­ein­kom­mens.

Haupt­an­lie­gen der Geset­zes- und Ver­ord­nungs­re­vi­si­on ist es, gewis­se steu­er­li­che Ungleich­be­hand­lun­gen zwi­schen quel­len­be­steu­er­ten und ordent­lich besteu­er­ten Per­so­nen abzu­bau­en. Aus­lö­ser die­ser Anpas­sun­gen war die vom Bun­des­ge­richt mit Ent­scheid vom 26. Janu­ar 2010 (BGE 136 II 241) initi­ier­te Pra­xis betref­fend qua­si-ansäs­si­ge Grenz­gän­ger. Kern­stück der Neu­re­ge­lun­gen ist die Aus­wei­tung der nach­träg­li­chen ordent­li­chen Ver­an­la­gung (NOV), unter Bei­be­hal­tung der vor­gän­gi­gen Erhe­bung der Quel­len­steu­er.

Die wich­tig­sten Neue­run­gen sind die Fol­gen­den:

  • Neu soll die NOV unab­hän­gig von der Höhe der steu­er­ba­ren Erwerbs­ein­künf­te sämt­li­chen in der Schweiz ansäs­si­gen Quel­len­steu­er­pflich­ti­gen auf Antrag hin offen ste­hen (Art. 89a DBG; 33b StHG; nicht nur jenen, wel­che bereits der obli­ga­to­ri­schen NOV unter­stan­den, weil sie ein Brut­to­ein­kom­men von 120‘000 p.a. erziel­ten);
  • Wer sich als ansäs­si­ge Per­son für die frei­wil­li­ge NOV ent­schei­det, bleibt auch in den Fol­ge­jah­ren die­sem Regime unter­stellt (Art. 89a Abs. 5 DBG; 33b Abs. 5 StHG);
  • Neu dür­fen nicht-ansäs­si­ge Per­so­nen, wel­che die Vor­aus­set­zun­gen der Qua­si-Ansäs­sig­keit erfül­len, die NOV eben­falls bean­tra­gen; Als qua­si-ansäs­sig gilt, wer — ohne in der Schweiz steu­er­lich ansäs­sig zu sein — in der Schweiz min­de­stens 90 % sei­nes welt­wei­ten Erwerbs­ein­kom­mens ver­dient (Art. 14 VO);
  • Für Quel­len­steu­er­pflich­ti­ge mit Ein­künf­ten aus unselb­stän­di­ger Erwerbs­tä­tig­keit unter CHF 120‘000 soll neu die NOV auch von Amtes wegen durch­ge­führt wer­den kön­nen, wenn die­se Per­so­nen neben den quel­len­steu­er­be­la­ste­ten Ein­künf­ten auch wei­te­re ein­kom­men­steu­er­pflich­ti­ge Ein­künf­te auf­wei­sen (z.B. Ein­künf­te aus unech­tem selb­stän­di­gem Erwerb) und wenn deren Nicht­be­rück­sich­ti­gung zu einem sto­ssen­den Ergeb­nis füh­ren wür­de. Damit wird die soge­nannt ergän­zen­de ordent­li­che Ver­an­la­gung nach gel­ten­dem Recht durch das Ver­fah­ren der NOV ersetzt (Art. 15 VO).

Für alle übri­gen Nicht-Ansäs­si­gen ist die Quel­len­steu­er defi­ni­tiv. Sie tritt an die Stel­le der im ordent­li­chen Ver­fah­ren zu ver­an­la­gen­den Ein­kom­mens­steu­ern.

Damit haben nach der neu­en Ord­nung sämt­li­che in der Schweiz steu­er­lich ansäs­si­gen Quel­len­steu­er­pflich­ti­gen, sowie sämt­li­che Qua­si-Ansäs­si­gen die­sel­ben mate­ri­ell-recht­li­chen Abzugs­mög­lich­kei­ten wie die ordent­lich Besteu­er­ten. Nicht ange­passt wur­den die Vor­aus­set­zun­gen der Quel­len­steu­er­pflicht (Kreis der quel­len­steu­er­pflich­ti­gen Per­so­nen). Eben­so unver­än­dert ist die obli­ga­to­ri­sche NOV für ansäs­si­ge Aus­län­der ohne Nie­der­las­sungs­be­wil­li­gung mit Ein­künf­ten aus unselb­stän­di­ger Erwerbs­tä­tig­keit über CHF 120‘000.

Die Geset­zes­re­vi­si­on bewirkt zudem eine Rei­he von for­mel­len Anpas­sun­gen in wei­te­ren Ver­ord­nun­gen. Die revi­dier­ten Geset­zes- und Ver­ord­nungs­be­stim­mun­gen sol­len am 1. Janu­ar 2020 in Kraft tre­ten.

 

Philipp Kruse

Posted by Philipp Kruse

RA Philipp Kruse führt seit 2012 eine eigene Praxis für Steuerrecht in Zürich (Kruse | Tax & Law). Er studierte an den Universitäten Bern, Heidelberg und Exeter/UK und hat seit 1998 in drei Zürcher Wirtschaftskanzleien praktiziert. Er war von 2003 bis 2007 im Kantonalen Steueramt Zürich tätig und hat sich seither auf den Bereich 'Steuer- und Abgaberecht' spezialisiert.