Im vor­lie­gen­den Urteil bestä­tig­te das Bun­des­ge­richt sei­ne Recht­spre­chung, wonach Schul­den gemäss Art. 52 AHVG auf die Erben über­ge­hen. Zudem ist im Ver­fah­ren betref­fend defi­ni­ti­ve Rechts­öff­nung die Erben­stel­lung des Betrie­be­nen durch Urkun­den nach­zu­wei­sen. Dem Urteil lag fol­gen­der Sach­ver­halt zugrun­de:

Die SVA Zürich hat­te mit Ein­spra­che­ent­scheid vom 23. Janu­ar 2006 den B.A. (Ehe­mann der heu­ti­gen Betrei­bungs­schuld­ne­rin) zu Scha­den­er­satz gemäss Art. 52 AHVG ver­pflich­tet. Nach dem Tod von B.A. lei­te­te die SVA Betrei­bung gegen A.A. (Ehe­frau) ein, wel­che Rechts­vor­schlag erhob. Die SVA ver­lang­te dar­auf­hin gestützt auf den Ein­spra­che­ent­scheid die defi­ni­ti­ve Rechts­öff­nung. Die erste Instanz erteil­te defi­ni­ti­ve Rechts­öff­nung, wohin­ge­gen die zwei­te Instanz auf Beschwer­de hin das Rechts­öff­nungs­be­geh­ren abwies. Hier­ge­gen gelang­te die SVA mit Beschwer­de ans Bun­des­ge­richt.

Umstrit­ten war in erster Linie, ob die Pflicht zur Lei­stung von Scha­den­er­satz gemäss Art. 52 AHVG auf A.A. über­ge­gan­gen sei. Die erste Instanz hat­te hier­zu erwo­gen, dass es sich dabei um Pas­si­ven des Erb­las­sers hand­le, wel­che durch Uni­ver­sal­suk­zes­si­on gemäss Art. 560 ZGB auf die Betrie­be­ne über­ge­gan­gen sei­en. Die zwei­te Instanz war hin­ge­gen der Ansicht, dass Pas­si­ven des Erb­las­sers, wel­che auf öffent­lich-recht­li­chen Ver­pflich­tun­gen beru­hen, nur bei ent­spre­chen­der spe­zi­al­ge­setz­li­cher Grund­la­ge von der Uni­ver­sal­suk­zes­si­on erfasst wür­den, was bei der Scha­den­er­satz­for­de­rung gemäss Art. 52 AHVG nicht der Fall sei (E. 2).

Nach kur­zen all­ge­mei­nen Aus­füh­run­gen erwog das Bun­des­ge­richt zunächst (E. 3.2.4), dass die Vor­in­stan­zen zu Recht von Amtes wegen geprüft hat­ten, ob die in Betrei­bung gesetz­te „Schuld des Erb­las­sers zur per­sön­li­chen Schuld des Erben [wur­de] oder infol­ge ihrer Rechts­na­tur auf den Erben über­haupt nicht über­ge­gan­gen ist“.

Das Bun­des­ge­richt erin­ner­te aber in der Fol­ge (E. 3.3.2) an sei­ne Recht­spre­chung, wonach Ver­pflich­tung aus uner­laub­ten Hand­lun­gen des Erb­las­ser (Art. 41 ff. OR) und auch Scha­den­er­satz­pflich­ten nach Art. 52 AHVG auf die Erben, wel­che die Erb­schaft ange­nom­men haben, über­ge­hen (sie­he u.a. BGE 129 V 300, E. 3.1; Urteil des BGer 9C_679/2009 vom 3. Mai 2010, E. 3; BGE 140 V 464, E. 4.1). Anlass zu einer Pra­xis­än­de­rung bestehe nicht. Die Beschwer­de wur­de daher gut­ge­hei­ssen.

Das Bun­des­ge­richt wies die Sache aller­dings zu erneu­ter Ent­schei­dung an die Vor­in­stanz zurück, weil die Rechts­nach­fol­ge auch des Schuld­ners liqui­de (d.h. urkund­lich) nach­zu­wei­sen sei (E. 3.4.1), das ange­foch­te­ne Urteil jedoch kei­ne Fest­stel­lung über die Erfül­lung die­ser Vor­aus­set­zung ent­hal­te (E. 3.4).

Lukas Wiget

Posted by Lukas Wiget

RA Dr. Lukas Wiget, LL.M, ist als Rechtsanwalt bei Blum&Grob Rechtsanwälte AG tätig. Nach dem Studium an der Universität Zürich arbeitete er zunächst als wissenschaftlicher Assistent, später am Bezirksgericht Horgen und in einer grösseren Zürcher Wirtschaftskanzlei. Das LL.M.-Studium absolvierte er in Sydney an der University of New South Wales.