Im vor­lie­gen­den Urteil vom 8. Novem­ber 2017 befass­te sich das Bun­des­ge­richt mit der Anwend­bar­keit des Ver­bots der refor­ma­tio in pei­us im Revi­si­ons­ver­fah­ren.

Dem Urteil lag fol­gen­der Sach­ver­halt zu Grun­de: Der Cour de Justi­ce des Kan­tons Genf ver­ur­teil­te X. im Zusam­men­hang mit zwei Raub­über­fäl­len wegen qua­li­fi­zier­ten Rau­bes gemäss Art. 140 Abs. 3 StGB (Raub­über­fall auf C.) und Art. 140 Abs. 4 StGB (Raub­über­fall auf A.) zu einer Frei­heits­stra­fe von 13 Jah­ren. X. ver­lang­te die Revi­si­on die­ses Urteils, nach­dem er vom Gericht infor­miert wur­de, dass einer der urtei­len­den Rich­ter auf­grund Über­schrei­tens der zuläs­si­gen Alters­gren­ze im Rich­ter­gre­mi­um kei­nen Ein­sitz hät­te neh­men dür­fen. In der Fol­ge ver­ur­teil­te der Cour de Justi­ce X. in einem neu­en Ent­scheid wegen qua­li­fi­zier­ten Rau­bes gemäss Art. 140 Abs. 2 StGB (Raub­über­fall auf C.) sowie wegen ver­such­ten Mor­des gemäss Art. 112 i.V.m. Art. 22 StGB und qua­li­fi­zier­ten Rau­bes gemäss Art. 140 Abs. 3 StGB (Raub­über­fall auf A.) zu einer Frei­heits­stra­fe von 12 Jah­ren.

Gegen die­ses Urteil erhob X. Beschwer­de an das Bun­des­ge­richt wegen Ver­let­zung des Ver­bots der refor­ma­tio in pei­us (Ver­schlech­te­rungs­ver­bot) gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO.

Strit­tig war zunächst die Fra­ge, ob die Bestim­mun­gen der Revi­si­on gemäss Art. 410 ff. StPO auf das zwei­te Ver­fah­ren vor der Vor­in­stanz über­haupt anwend­bar waren. Das Bun­des­ge­richt bejah­te dies mit der Begrün­dung, dass es sich bei dem Ver­fah­ren um einen ana­lo­gen Anwen­dungs­fall von Art. 60 Abs. 3 StPO hand­le.

Des Wei­te­ren erwog das Bun­des­ge­richt, dass das Ver­bot der refor­ma­tio in pei­us auch im Revi­si­ons­ver­fah­ren gemäss Art. 410 ff. StPO gel­te und bestä­tig­te somit sei­ne noch vor Inkraft­tre­ten der eid­ge­nös­si­schen StPO erlas­se­ne Recht­spre­chung (BGE 114 IV 138).

Schliess­lich erin­ner­te das Bun­des­ge­richt dar­an (unter ande­rem mit Ver­weis auf BGE 139 IV 282), dass nicht nur eine Ver­schär­fung der Sank­ti­on, son­dern auch eine här­te­re recht­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on der Tat das Ver­schlech­te­rungs­ver­bot gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO ver­let­ze. Mass­geb­lich für die Fra­ge, ob eine unzu­läs­si­ge refor­ma­tio in pei­us vor­liegt, sei das Dis­po­si­tiv. Die­ses dür­fe nicht einen schär­fe­ren Schuld­spruch ent­hal­ten und auch nicht zu einer här­te­ren Stra­fe füh­ren.

Im vor­lie­gen­den Fall erach­te­te das Bun­des­ge­richt eine Ver­let­zung des Ver­bots der refor­ma­tio in pei­us als gege­ben. Die Vor­in­stanz habe in ihrem neu­en Ent­scheid die gegen A. ver­üb­te Tat här­ter qua­li­fi­ziert, indem sie X. wegen ver­such­ten Mor­des gemäss Art. 112 i.V.m. Art. 22 StGB sowie qua­li­fi­zier­ten Rau­bes gemäss Art. 140 Abs. 3 StGB statt ledig­lich wegen qua­li­fi­zier­ten Rau­bes gemäss Art. 140 Abs. 4 StGB ver­ur­teilt hat­te.

In der Fol­ge hob das Bun­des­ge­richt den Ent­scheid auf und wies ihn zur Neu­be­ur­tei­lung an die Vor­in­stanz zurück.

Sophie Staehlin

Posted by Sophie Staehlin