Der Bun­des­rat hat am 22.11.2017 den Ent­wurf der Teil­re­vi­si­on des URG und die Bot­schaft ver­ab­schie­det:

Mit der Revi­si­on soll das URG ans “Inter­net-Zeit­al­ter” ange­passt wer­den. BR Som­ma­ru­ga begrün­det den Ent­wurf an der Medi­en­kon­fe­renz vom glei­chen Datum wie folgt:

 

Der Ent­wurf basiert u.a. auf dem Ergeb­nis der wie­der­ein­ge­setz­ten Arbeits­grup­pe (“AGUR12 II”) nach Durch­füh­rung der Ver­nehm­las­sung vom 2. März 2017, und den Ergeb­nis­sen der Ver­nehm­las­sung.

Die Bot­schaft fasst den Inhalt der Vor­la­ge wie folgt zusam­men:

Im Zen­trum steht eine wirk­sa­me, die Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten nicht kri­mi­na­li­sie­ren­de Bekämp­fung der Inter­net­pi­ra­te­rie. […] Die Pira­te­rie soll dort bekämpft wer­den, wo dies am effi­zi­en­te­sten erfol­gen kann, näm­lich bei den Hosting-Pro­vi­dern. […] Schwei­zer Hosting-Pro­vi­der sol­len kei­ne Pira­te­rie­platt­for­men beher­ber­gen und bei Urhe­ber­rechts­ver­let­zun­gen über ihre Ser­ver die betrof­fe­nen Inhal­te rasch ent­fer­nen. Im Vor­der­grund steht dabei wei­ter­hin die Selbst­re­gu­lie­rung der Bran­che. Bei Pira­te­rie­platt­for­men genügt die Selbst­re­gu­lie­rung jedoch nicht. Ein­mal ent­fern­te urhe­ber­rechts­ver­let­zen­de Inhal­te wer­den dort oft umge­hend wie­der zugäng­lich gemacht. Hosting-Pro­vi­der, deren Dien­ste Urhe­ber­rechts­ver­let­zun­gen begün­sti­gen, wer­den des­halb neu ver­pflich­tet, dafür zu sor­gen, dass ein­mal ent­fern­te Inhal­te auch ent­fernt blei­ben («Stay­down»). Ein erneu­ter Hin­weis durch die Rechts­in­ha­be­rin­nen und Rechts­in­ha­ber ist in sol­chen Fäl­len nicht not­wen­dig. Damit wird der für die Rechts­in­ha­be­rin­nen und Rechts­in­ha­ber fru­strie­ren­de Kreis­lauf aus Abmah­nen, Ent­fer­nen und wie­der Zugäng­lich­ma­chen durch­bro­chen.

Als wei­te­re Mass­nah­me zur Pira­te­rie­be­kämp­fung soll im Gesetz aus­drück­lich fest­ge­hal­ten wer­den, dass eine Daten­be­ar­bei­tung zur straf­recht­li­chen Ver­fol­gung von Urhe­ber­rechts­ver­let­zun­gen zuläs­sig ist. Hin­ge­gen wird davon abge­se­hen, Blocking-Mass­nah­men durch Access-Pro­vi­der (sog. Netz­sper­ren) sowie den Ver­sand auf­klä­ren­der Hin­wei­se bei schwer­wie­gen­den Urhe­ber­rechts­ver­let­zun­gen über Peer-to-Peer-Netz­wer­ke vor­zu­schla­gen.

Wei­ter ent­hält die Vor­la­ge Mass­nah­men zur Anpas­sung des Schwei­zer Urhe­ber­rechts an die neu­esten tech­no­lo­gi­schen und recht­li­chen Ent­wick­lun­gen: Zugun­sten der Nut­ze­rin­nen und Nut­zer sowie der Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten ent­hält sie das Ver­zeich­nis­pri­vi­leg, die ver­gü­tungs­freie Wis­sen­schafts­schran­ke und eine Rege­lung für die Nut­zung von ver­wai­sten Wer­ken. Zugun­sten der Kul­tur­schaf­fen­den umfasst die Vor­la­ge die Ver­län­ge­rung der Schutz­frist für ver­wand­te Schutz­rech­te, den Schutz von Foto­gra­fi­en ohne indi­vi­du­el­len Cha­rak­ter sowie die Video-on-Demand-Ver­gü­tung für Urhe­be­rin­nen und Urhe­ber und Inter­pre­tin­nen und Inter­pre­ten. Die­se Mass­nah­men kor­ri­gie­ren das von den Kul­tur­schaf­fen­den als «Value­gap» bezeich­ne­te Miss­ver­hält­nis zwi­schen der zuneh­men­den Online-Nut­zung ihrer Wer­ke und den Ver­gü­tun­gen, die sie hier­für erhal­ten. Schliess­lich sieht die Vor­la­ge die Ein­füh­rung von erwei­ter­ten Kol­lek­tiv­li­zen­zen, Ver­bes­se­run­gen im Tarif­ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren sowie die elek­tro­ni­sche Nut­zer­mel­dung an die Ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten vor.

[…]

Schliess­lich wird die Rati­fi­ka­ti­on von zwei inter­na­tio­na­len Abkom­men vor­ge­schla­gen,
die im Rah­men der Welt­or­ga­ni­sa­ti­on für gei­sti­ges Eigen­tum abge­schlos­sen
wur­den. Die bei­den Abkom­men garan­tie­ren im inter­na­tio­na­len Ver­hält­nis einen
Stan­dard, der in der Schweiz bereits gesetz­lich ver­an­kert ist. Bei­de Abkom­men
wur­den von zahl­rei­chen Staa­ten und auch von der EU unter­zeich­net. Ihre Umset­zung
erfor­dert ein­zig eine Anpas­sung der bestehen­den Schran­ken­be­stim­mung zugun­sten
von Men­schen mit Behin­de­run­gen.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.