Im vor­lie­gen­den, auf fran­zö­sisch redi­gier­ten Urteil vom 1. Sep­tem­ber 2017 befass­te sich das BGer mit dem inter­kom­mu­na­len Regle­ment über den Taxi­ser­vice (Règle­ment inter­com­mu­nal sur le ser­vice des taxis [im Fol­gen­den: IRT]). Das IRT wur­de vom inter­kom­mu­na­len Taxi­ser­vice des Bezirks Lau­sanne (Ser­vice inter­com­mu­nal de taxis de l’arrondissement de Lau­sanne) im Jahr 1964 ver­ab­schie­det und im Anschluss an ein Urteil des Kan­tons­ge­richts Waadt im Jahr 2015 revi­diert. Gegen das revi­dier­te IRT erho­ben A. und B. zunächst Beschwer­de beim Kan­tons­ge­richt Waadt und dann beim BGer, wel­ches die Beschwer­de teil­wei­se gut­heisst.

Die Beschwer­de­füh­rer machen gel­tend, dass das revi­dier­te IRT gegen Art. 2 Abs. 7 BGBM (Bun­des­ge­setz über den Bin­nen­markt; SR 943.02) ver­sto­sse. Die als ver­letzt gerüg­te Bestim­mung besagt, dass die Über­tra­gung der Nut­zung kan­to­na­ler und kom­mu­na­ler Mono­po­le auf Pri­va­te auf dem Weg der Aus­schrei­bung zu erfol­gen hat und Per­so­nen mit Nie­der­las­sung oder Sitz in der Schweiz nicht dis­kri­mi­nie­ren darf.

Das BGer stellt fest, dass die auf eine Anzahl von 230 bis 280 limi­tier­ten A-Bewil­li­gun­gen (Bewil­li­gung mit Park­be­rech­ti­gung auf öffent­li­chen Grund) nicht auf dem Weg der Aus­schrei­bung ver­ge­ben wür­den. Viel­mehr lie­ge die Zustän­dig­keit bei der Com­mis­si­on admi­ni­stra­ti­ve, einem aus drei Mit­glie­dern bestehen­den inter­kom­mu­na­len Organ. Erst nach der unun­ter­bro­che­nen Aus­übung der A-Bewil­li­gung über einen Zeit­raum von 24 Jah­ren wer­de die Bewil­li­gung nicht mehr erneu­ert und durch Aus­schrei­bung ver­ge­ben (Art. 21quin­quies Abs. 2 IRT). Die vom IRT vor­ge­se­he­ne Aus­schrei­bung sei die Aus­nah­me und nicht die Regel und des­halb nicht mit Art. 2 Abs. 7 BGBM zu ver­ein­ba­ren.

Die Beschwer­de­füh­rer brin­gen sodann vor, dass ein frei­be­ruf­li­cher Taxi­fah­rer nur dann eine A-Bewil­li­gung erhal­te, wenn er sei­nem Beruf min­de­stens 1’500 Stun­den pro Jahr nach­ge­he (Art. 22 IRT). Ein Taxi­un­ter­neh­men, wel­ches um eine A-Bewil­li­gung ersu­che, unter­lie­ge die­ser Bedin­gung nicht. Die Vor­schrift ver­sto­sse des­halb gegen die Wirt­schafts­frei­heit, ins­be­son­de­re gegen das Gebot der Gleich­be­hand­lung der Gewer­be­ge­nos­sen (Art. 27 i.V.m. Art. 94 BV).

Das BGer hält vor­ab fest, dass die Ver­wei­ge­rung einer A-Bewil­li­gung nicht mit einem Berufs­aus­übungs­ver­bot gleich­ge­setzt wer­den kön­ne. Viel­mehr habe der frei­be­ruf­li­che Taxi­fah­rer die Mög­lich­keit, sei­nem Beruf mit einer B-Bewil­li­gung (Bewil­li­gung ohne Park­be­rech­ti­gung auf öffent­li­chem Grund) nach­zu­ge­hen. Sodann führt dass BGer aus, dass ein Taxi­un­ter­neh­men den Kun­den jeder­zeit zur Ver­fü­gung ste­hen müs­se (Art. 21bis Abs. 2 IRT). Im Gegen­satz dazu wer­de der frei­be­ruf­li­che Taxi­fah­rer nur zur Berufs­aus­übung wäh­rend 1’500 Stun­den pro Jahr ver­pflich­tet, was einem Pen­sum von 80% ent­spre­che. Schliess­lich kön­ne das IRT nicht mit anders lau­ten­den Vor­schrif­ten ande­rer Bezir­ke oder Gemein­den ver­gli­chen wer­den, denn es sei dem Föde­ra­lis­mus inhä­rent, dass unter­schied­li­che Gemein­we­sen unter­schied­lich legi­fe­rier­ten. Eine Ver­let­zung der Wirt­schafts­frei­heit sei vor die­sem Hin­ter­grund nicht erkenn­bar.

Das BGer heisst die Beschwer­de teil­wei­se gut und hebt die­je­ni­gen Bestim­mun­gen des IRT auf, wel­che mit dem BGBM nicht ver­ein­bart wer­den kön­nen (Art. 21, 21quin­quies, 22bis und 22quin­quies).

Fabian Klaber

Posted by Fabian Klaber

Dr. Fabian Klaber, LL.M, hat an der Universität Basel und an der Columbia Law School (LL.M.) studiert, war danach als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Basel tätig und absolvierte Praktika bei Froriep und beim Bezirksgericht Horgen. Er arbeitet im Advokaturbureau Kleb | Harburger.