Im vor­lie­gen­den, zur amt­li­chen Publi­ka­ti­on vor­ge­se­he­nen Urteil hat­te das Bun­des­ge­richt zu ent­schei­den, wel­che Aus­wir­kun­gen man­gel­haf­te Anga­ben im Arrest­be­fehl auf den Voll­zug des Arrests haben. Dem Urteil lag fol­gen­der Sach­ver­halt zugrun­de:

Das kan­to­na­le Steu­er­amt hat­te das Betrei­bungs­amt beauf­tragt, basie­rend auf einer Sicher­stel­lungs­ver­fü­gung (die nach Art. 170 DBG als Arrest­be­fehl gilt) sowie einer Auf­li­stung der zu ver­ar­re­stie­ren­den Gegen­stän­de, den Arrest zu voll­zie­hen. Das Betrei­bungs­amt voll­zog den Arrest. Spä­ter ver­lang­te das Steu­er­amt erneut den Voll­zug des Arrests basie­rend auf der ursprüng­li­chen Sicher­stel­lungs­ver­fü­gung, wobei dem Betrei­bungs­amt eine prä­zi­sier­te Auf­li­stung der zu ver­ar­re­stie­ren­den Gegen­stän­de zuge­stellt wur­de. Das Betrei­bungs­amt voll­zog den Arrest erneut. Der Schuld­ner rüg­te eine Ver­let­zung von Art. 274 f. SchKG in Bezug auf den erneu­ten Voll­zug des Arrests.

Die Vor­in­stanz war der Ansicht, dass das Betrei­bungs­amt berech­tigt gewe­sen sei, eine Prä­zi­sie­rung der zu ver­ar­re­stie­ren­den Gegen­stän­de zu berück­sich­ti­gen. Schliess­lich sei der erste Arrest­be­fehl ange­foch­ten wor­den und es sei daher zwei­fel­haft gewe­sen, ob die­ser gül­tig war. Der Schuld­ner war hin­ge­gen der Ansicht, dass der Arrest exakt so voll­zo­gen wer­den müs­se, wie dies im Arrest­be­fehl vor­ge­se­hen ist, ohne im Nach­hin­ein wei­te­re Prä­zi­sie­run­gen ent­ge­gen­neh­men zu dür­fen (E. 3).

Das Bun­des­ge­richt hielt zunächst fest, dass der Arrest basie­rend auf einer Sicher­stel­lungs­ver­fü­gung eines Steu­er­am­tes ver­langt wer­den kön­ne, die Sicher­stel­lungs­ver­fü­gung hier­für aber den Anfor­de­run­gen von Art. 274 Abs. 2 SchKG genü­gen müs­se. Zustän­dig für den Arrest­be­fehl sei dies­falls die Steu­er­be­hör­de und nicht das Gericht.

Wei­ter erwog das Bun­des­ge­richt, dass das Betrei­bungs­amt die for­mel­le Kor­rekt­heit des Arrest­be­fehls zu prü­fen habe. Dazu gehö­re auch die Prü­fung, ob die zu ver­ar­re­stie­ren­den Gegen­stän­de aus­rei­chend prä­zi­se defi­niert sind. Es oblie­ge dem Steu­er­amt, wel­ches gleich­zei­tig Arrest­gläu­bi­ge­rin und Arrest­be­hör­de sei, die Gegen­stän­de, die es zu ver­ar­re­stie­ren beab­sich­tigt, mit hin­rei­chen­der Prä­zi­si­on zu defi­nie­ren. Das Betrei­bungs­amt selbst dür­fe dies­be­züg­lich nicht kor­ri­gie­rend ein­grei­fen (E. 4.1.2.).

Im vor­lie­gen­den Fall habe das Steu­er­amt das Betrei­bungs­amt mit dem Arrest­voll­zug beauf­tragt basie­rend auf einer Sicher­stel­lungs­ver­fü­gung, wel­che die Anfor­de­run­gen an einen Arrest­be­fehl nicht erfüllt habe. Das Betrei­bungs­amt hät­te das Gesuch um erneu­ten Arrest­voll­zug ableh­nen müs­sen, wor­auf das Steu­er­amt eine neue Sicher­stel­lungs­ver­fü­gung hät­te erlas­sen und die Ver­ar­re­stie­rung der­sel­ben Gegen­stän­de hät­te anord­nen kön­nen. Dem Betrei­bungs­amt ledig­lich prä­zi­sier­te Anga­ben hin­sicht­lich der zu ver­ar­re­stie­ren­den Gegen­stän­de nach­zu­rei­chen, erach­te­te das Bun­des­ge­richt als unzu­läs­sig (E. 4.1.3. und E. 4.2). Die Beschwer­de wur­de daher gut­ge­hei­ssen.

Lukas Wiget

Posted by Lukas Wiget

RA Dr. Lukas Wiget, LL.M, ist als Rechtsanwalt bei Blum&Grob Rechtsanwälte AG tätig. Nach dem Studium an der Universität Zürich arbeitete er zunächst als wissenschaftlicher Assistent, später am Bezirksgericht Horgen und in einer grösseren Zürcher Wirtschaftskanzlei. Das LL.M.-Studium absolvierte er in Sydney an der University of New South Wales.