5A_844/2024: Behauptungs- und Beweislast im Zusammenhang mit dem ehelichen Lebensstandard (amtl. Publ.)

…Dies ist ins­beson­dere dann von Bedeu­tung, wenn ein Ehe­gat­te nach der Tren­nung eine neue Erwerb­stätigkeit aufn­immt oder aus­dehnt und dies zu ein­er erhe­blichen Steigerung des Über­schuss­es gegenüber dem Zusam­men­leben führt. Betr­e­f­fend den ehe­lichen Unter­halt ist rel­a­tivierend anzufü­gen, dass dort der eingeschränk­te Unter­suchungs­grund­satz gilt, wom­it dem Gericht die Möglichkeit offen­ste­ht, den ehe­lichen Über­schus­san­teil bei entsprechend vorhan­de­nen Unter­la­gen auch von sich aus ohne…

5A_668/2021: Überschussanteil des Kindes unverheirateter Eltern — revisited (amtl. Publ.)

…einzig zwis­chen dem unter­halt­spflichti­gen Eltern­teil und dem Kind stat­tfinde. Die finanziellen Ver­hält­nisse des betreuen­den Eltern­teils seien höch­stens indi­rekt rel­e­vant, um den für die Berech­nung des Betreu­ung­sun­ter­halts rel­e­van­ten Fehlbe­trag zum fam­i­lien­rechtlichen Exis­tenzmin­i­mum festzustellen. Im vor­liegen­den Fall gehe es um unver­heiratete Eltern und die Mut­ter erbringe ihren Kindesun­ter­halt bere­its voll­ständig durch die mit dem Gel­dun­ter­halt gle­ich­w­er­tige Betreu­ungsleis­tung. Bleibe es fol­glich bei einer…

5A_933/2022: Zweistufig-konkrete Unterhaltsberechnungsmethode bei aussergewöhnlich günstigen finanziellen Verhältnissen

Im Urteil 5A_933/2022 vom 25. Okto­ber 2023 hält das Bun­des­gericht fest, dass Gerichte auch bei aussergewöhn­lich gün­sti­gen finanziellen Ver­hält­nis­sen nicht verpflichtet sind, den Unter­halts­beitrag anhand der ein­stu­fig-konkreten Meth­ode zu ermit­teln. Zusam­men­fas­sung Die Parteien im vor­liegen­den Fall ver­fügten gemein­sam über ein monatlich­es Einkom­men von rund Fr. 50’000.–, mehrheitlich vom Ehe­mann stam­mend.  Im Rah­men von vor­sor­glichen Mass­nah­men während des Schei­dungsver­fahrens berech­neten die…

5A_396/2015: Keine Zuteilung der Lose durch den Richter (amtl. Publ.)

…Sohnes E. lebten A. (Beschw­erde­führer) und B. (Beschw­erdegeg­ner­in) und die Mut­ter C. bis zu einem Ver­trag betr­e­f­fend par­tielle Erbteilung in ein­er Erbenge­mein­schaft. Im Novem­ber 1999 leit­ete der Beschw­erde­führer ein Erbteilungsver­fahren ein. Mit Urteil vom 14. Dezem­ber 2010 legte das Bezirks­gericht Plessur die Erbberech­ti­gung der Parteien fest. Auf die Begehren um Ver­sil­berung bzw. real­er Teilung und Zuweisung von Gegen­stän­den trat das…

5A_267/2016: Verzicht auf einen Anspruch als Entäusserung von Vermögenswerten i.S.v. Art. 527 Ziff. 4 ZGB

…den die Erblasserin bis zum Zeit­punkt der Aus­liefer­ung der Erbschaft an den Beschw­erde­führer einge­heimst hat (E. 7.3). Gemäss Bun­des­gericht ist somit die Zuwen­dung der Erblasserin an den Beschw­erde­führer um die Gegen­leis­tun­gen zu kürzen und an der Wert­steigerung der Erbschaft bilden­den Grund­stücke nach der Quoten­meth­ode zu beteili­gen. Der so errech­nete Betrag ist zum Nach­lass der Erblasserin hinzuzurech­nen (E. 8). Die Beschwerde…

Team

EAH Jena sowie Oberas­sis­tentin und Lehrbeauf­tragte an der Uni­ver­sität Luzern. Jua­na Vasel­la betreut vor­wiegend das Medi­zin- u. Phar­marecht und ist mitver­ant­wortlich für das Ver­tragsrecht; zudem war sie bis 2021 für das Staats- u. Ver­wal­tungsrecht und andere Bere­iche zuständig (→ Beiträge).   RA Dr. iur. Fabi­an Klaber, LL.M. | Co-Her­aus­ge­ber und Redak­teur (seit 2014)  Fabi­an Klaber hat an der Uni­ver­sität Basel und…

BGE 149 III 345 (BGer 5A_961/2022 vom 11. Mai 2023): Kreis der Berechtigten am Liquidationsüberschuss einer Erbschaft

…habe. Da der Erblass­er den Nef­fen als Alleiner­ben einge­set­zt habe, unter Auss­chluss der nicht pflicht­teils­berechtigten geset­zlichen Erben, falle der gesamte Liq­ui­da­tion­süber­schuss dem Nef­fen zu. Vor­liegend wurde das Tes­ta­ment nicht ange­focht­en bzw. dessen Gültigkeit nicht in Frage gestellt, weshalb die geset­zlichen Erben gemäss BGer im Moment der Auss­chla­gung ohne­hin keine gesicherten erbrechtlichen Ansprüche gehabt hät­ten (E. 5.4). Faz­it Zusam­men­fassend ist im…

5A_473/2011: IPRG 88 I, 91 I, 95 I: auf Erbverträge bei Nachlasspaltung anwendbares Recht (amtl. Publ.)

…Verträge beste­hen. Bei Errich­tung des Erbver­trags hat­ten die Ehe­gat­ten Wohn­sitz in der Schweiz. Die Erblasserin starb dann mit let­ztem Wohn­sitz in Brasilien.  In Frage kamen das schweiz­erische und das brasil­ian­is­che Recht, wobei sich die Beschw­erde­führer darauf beriefen, dass nach brasil­ian­is­chem Recht ein absolutes Erbver­tragsver­bot beste­he. Nach IPRG 95 I ist auf den Erbver­trag zwar das Recht am Wohn­sitz des Erblassers…

4A_147/2021: Organisationsmangel in einer Aktiengesellschaft, die Teil des Nachlassvermögens ist; Gesuch des Willensvollstreckers und Nebenintervention eines Einzelerben (amtl. Publ.)

…das Bun­des­gericht, überzeuge im Fall eines Erben, der sich an einem Prozess beteilige, der auf die Behe­bung eines Man­gels in der Organ­i­sa­tion ein­er Aktienge­sellschaft abziele, deren Aktionär die Erben als die Mit­glieder der Erbenge­mein­schaft gemein­sam seien. Jed­er Erbe habe ein indi­vidu­elles rechtlich­es Inter­esse daran, dass der Rechtsstre­it zugun­sten ein­er der Parteien entsch­ieden werde. Die Tat­sache, dass die Erben Gesamteigen­tümer der…

BGE 149 III 145 (BGer 5A_425/2020 und 5A_435/2020 vom 15. Dezember 2022): Voraussetzungen eines sog. “erbrechtlichen Durchgriffs” bei der Durchsetzung von Ausgleichungsansprüchen

…von Art. 626 ZGB erfüllt sind). Ein Rechtsmiss­brauch ist nicht voraus­ge­set­zt (E. 4). Darüber hin­aus schützte das Bun­des­gericht die Erwä­gun­gen der Vorin­stanz, wonach Art. 608 Abs. 2 ZGB ana­log auf Erbverträge anwend­bar ist. Diese Geset­zes­norm sieht eine Aus­gle­ich­szahlung vor, wenn durch Berück­sich­ti­gung ein­er erblasserischen Teilungsregel eine von diesem nicht beab­sichtigte wert­mäs­sige Ungle­ich­heit der Erbteile entste­ht (E. 3.) Erbrechtlich­er Durch­griff im Hin­blick auf…