Der Bun­des­rat hat heu­te beschlos­sen, die Rück­erstat­tung der Ver­rech­nungs­steu­er für natür­li­che Per­so­nen mit Wohn­sitz in der Schweiz in gewis­sen Fäl­len auch bei Nach­de­kla­ra­tio­nen sowie auch bei amt­li­chen Auf­rech­nun­gen zu ermög­li­chen. Damit soll die aktu­el­le schar­fe Pra­xis gemäss EStV Kreis­schrei­ben Nr. 40 zur Ver­wir­kung des Rück­erstat­tungs­an­spruchs neu im Sin­ne des bereits bis 2014 prak­ti­zier­ten gross­zü­gi­ge­ren Regimes kor­ri­giert wer­den. Die Ver­nehm­las­sung zur dies­be­züg­li­chen Geset­zes­än­de­rung wur­de heu­te eröff­net.

Gemäss Bun­des­rat soll das Bun­des­ge­setz über die Ver­rech­nungs­steu­er (VStG, SR 642.21) so geän­dert wer­den, dass eine bloss fahr­läs­sig unter­blie­be­ne Dekla­ra­ti­on in der Steu­er­erklä­rung noch bis zum Ablauf der Ein­spra­che­frist nach­ge­holt wer­den kann.

Damit soll der Rück­erstat­tungs­an­spruch nicht mehr ver­wirkt sein, wenn (alter­na­tiv):

  • die steu­er­pflich­ti­ge Per­son die steu­er­ba­ren Lei­stun­gen von sich aus nach­de­kla­riert;
  • die Steu­er­be­hör­de das Ver­säum­nis ent­deckt und die steu­er­pflich­ti­ge Per­son dar­auf auf­merk­sam gemacht hat;
  • die Steu­er­be­hör­de den nicht dekla­rier­ten Betrag von sich aus auf­rech­net.” (Medi­en­mit­tei­lung BR)

Die ent­spre­chen­de Geset­zes­än­de­rung soll mit­tels eines neu­en zwei­ten Absat­zes zu Art. 23 VStG (‘Ver­wir­kung’) umge­setzt wer­den. Die­ser soll ins­künf­tig bereits auf all jene steu­er­ba­re Lei­stun­gen anwend­bar sein, die ab Beginn des Kalen­der­jah­res vor Inkraft­tre­ten der vor­lie­gen­den Ände­rung fäl­lig wer­den (neu­er Art. 70d E-VStG).

Mit der vor­ge­schla­ge­nen Geset­zes­än­de­rung setzt der Bun­des­rat das Kern­an­lie­gen der Moti­on Schnee­ber­ger (16.3797) «Kei­ne Ver­wir­kung der Ver­rech­nungs­steu­er» in Wesent­li­chen um, wel­che die ver­schärf­te Pra­xis gemäss den zwei BGE 2C_95/2011 vom 11. Okto­ber 2011 und 2C_80/2012 vom 16. Janu­ar 2013 kor­ri­gie­ren woll­te.

Philipp Kruse

Posted by Philipp Kruse

RA Philipp Kruse führt seit 2012 eine eigene Praxis für Steuerrecht in Zürich (Kruse | Tax & Law). Er studierte an den Universitäten Bern, Heidelberg und Exeter/UK und hat seit 1998 in drei Zürcher Wirtschaftskanzleien praktiziert. Er war von 2003 bis 2007 im Kantonalen Steueramt Zürich tätig und hat sich seither auf den Bereich 'Steuer- und Abgaberecht' spezialisiert.