4A_702/2012: Verjährung von Forderungen aus der privaten Erwerbsausfallversicherung (amtl. Publ.)

In der pri­vat­en Erwerb­saus­fal­lver­sicherung ist für den Beginn der Ver­jährung der Zeit­punkt mass­gebend, in dem der Erwerb­saus­fall objek­tiv ein­tritt. Nicht entschei­dend ist hinge­gen, wann der Erwerb­saus­fall konkret durch den Ver­sicherungsnehmer nachgewiesen wird (E. 1.3.4). Für jeden Rente­nanspruch läuft eine sep­a­rate Ver­jährungs­frist von zwei Jahren (E. 2.5).

Der Beschw­erde­führer (Jahrgang 1955) war seit 1983 selb­st­ständig erwerb­stätig. Im Jahr 1992 schloss er mit der Beschw­erdegeg­ner­in unter anderem eine Erwerb­saus­fal­lver­sicherung ab. Der Ver­sicherungsver­trag sah vor, dass nach ein­er Warte­frist von 24 Monat­en bis zum Erre­ichen des AHV-Alters (1. April 2021) eine jährliche Rente von max­i­mal CHF 36’000 aus­bezahlt wer­den würde.

Im August 1997 verun­fallte der Beschw­erde­führer im Strassen­verkehr und war deshalb nicht mehr zu 100 % beruf­stätig. Mit Entscheid vom 2. Juni 2005 ver­weigerte jedoch die kan­tonale IV-Stelle jegliche Rente mit der Begrün­dung, der Beschw­erde­führer habe trotz sein­er gesund­heitlichen Beein­träch­ti­gung keine Erwerb­sein­busse erlit­ten. Nach erfol­gter Ein­sprache bestätigte die IV-Stelle ihren Entscheid am 19. Feb­ru­ar 2007. Das Sozialver­sicherungs­gericht des Kan­tons Genf hob den Entscheid der IV-Stelle am 13. Mai 2008 teil­weise auf und sprach dem Beschw­erde­führer für den Zeitraum von März 2001 bis August 2002 eine halbe IV-Rente und ab Sep­tem­ber 2002 eine ganze Rente zu. Die gegen diesen Entscheid erhobene Beschw­erde ans Bun­des­gericht wurde abgewiesen (BGer. 9C_510/2008 vom 23. März 2009).

Mit Schreiben vom 18. Sep­tem­ber 2006 informierte die Beschw­erdegeg­ner­in den Beschw­erde­führer, dass sie ihre bish­er erfol­gten Zahlun­gen ab dem 1. Novem­ber 2006 ein­stellen und die zuviel geleis­teten Beträge zurück­fordern werde, sofern der gel­tend gemachte Erwerb­saus­fall bis dahin nicht durch Urkun­den aus­gewiesen werde oder kein neuer Entscheid der IV-Stelle vor­liege. Ausser­dem forderte die Beschw­erde­führerin den Beschw­erdegeg­n­er auf, dass er die ausste­hen­den Prämien zu begle­ichen habe. Die Beschw­erdegeg­ner­in stellte ihre Leis­tun­gen mit Wirkung ab 1. Okto­ber 2006 vol­lum­fänglich ein.

Am 4. Sep­tem­ber 2009 zeigte der Beschw­erde­führer der Beschw­erdegeg­ner­in an, dass er eine IV-Rente erhalte und forderte die Aus­rich­tung von Ver­sicherungsleis­tun­gen. Die Beschw­erdegeg­ner­in stellte sich demge­genüber auf den Stand­punkt, dass der Beschw­erdegeg­n­er seit dem 1. April 2007 nicht mehr ver­sichert sei. Am 6. August 2010 leit­ete der Beschw­erde­führer Klage gegen die Beschw­erdegeg­ner­in ein.

Das erstin­stan­zliche Gericht stellte mit Urteil vom 2. Feb­ru­ar 2012 fest, die gel­tend gemacht­en Ansprüche seien ver­jährt. Das erstin­stan­zliche Urteil wurde von der zweit­en kan­tonalen Instanz mit Urteil vom 19. Okto­ber 2012 bestätigt. Die zweite Instanz erwog, dass die Ver­jährung in dem Moment zu laufen begonnen habe, als die Inva­lid­ität fest­gestellt wor­den sei und stellte in diesem Zusam­men­hang auf einen medi­zinis­chen Experten­bericht vom 4. Sep­tem­ber 2003 ab (E. 1.3.2).

Vor Bun­des­gericht rügte der Beschw­erde­führer eine Ver­let­zung von Art. 46 VVG. Er machte gel­tend, es sei auf den Zeit­punkt abzustellen, in dem im konkreten Fall die Leis­tungspflicht der Ver­sicherungs­ge­sellschaft begrün­det wurde. Mass­gebend sei deshalb, ob der Beschw­erde­führer wegen eines Unfalls oder ein­er Krankheit erwerb­sun­fähig wurde und einen Erwerb­saus­fall erlitt sowie ob die zwei­jährige Warte­frist abge­laufen sei. Die Ver­jährung habe somit erst am 23. März 2009 zu laufen begonnen.

Das Bun­des­gericht fol­gte der Auf­fas­sung des Beschw­erde­führers nur zum Teil (BGer. 4A_702/2012 vom 18. März 2013). Es stellte zwar auf den Moment ab, in dem der Erwerb­saus­fall objek­tiv einge­treten war. Zu welchem Zeit­punkt der Erwerb­saus­fall konkret nachgewiesen werde, könne aber für den Beginn der Ver­jährung nicht mass­gebend sein, da der Nach­weis eines Erwerb­saus­falls vom Ver­hal­ten des Ver­sicherten abhänge (E. 1.3.4 und 1.4):

1.3.4 Le recourant a rai­son sur le pre­mier point: ce n’est pas l’in­va­lid­ité comme telle qui était assurée. D’après les con­di­tions con­tractuelles men­tion­nées dans l’ar­rêt attaqué, l’oblig­a­tion de vers­er la rente naît objec­tive­ment lorsque l’as­suré, par suite d’un acci­dent ou d’une mal­adie, se trou­ve hors d’é­tat d’ex­ercer sa pro­fes­sion ou une autre activ­ité ana­logue (art. 50 CGA) et qu’il subit de ce fait une perte de gain ou un autre préju­dice pécu­ni­aire équiv­a­lent (art. 55 CGA). Un délai d’at­tente de deux ans doit en out­re être respec­té. La perte de gain n’a toute­fois pas d’in­ci­dence sur l’é­ten­due de l’in­dem­nité, fixée for­faitaire­ment, et sus­cep­ti­ble de vari­er en pro­por­tion du degré d’in­ca­pac­ité.

Ceci dit, l’ex­i­gence d’une perte de gain effec­tive n’a pas pour effet de repouss­er le point de départ de la pre­scrip­tion au 23 mars 2009. L’oblig­a­tion d’in­dem­nis­er ne prend nais­sance, au sens de l’art. 46 LCA, que si l’as­suré subit objec­tive­ment une perte de gain; en revanche, le moment auquel cette perte est démon­trée et chiffrée est sans impor­tance. La preuve de la perte de gain dépend en par­ti­c­uli­er du com­porte­ment de l’as­suré; cet élé­ment ne saurait influer sur le départ de la pre­scrip­tion. Or, le recourant lui-même ne nie pas que la perte de gain exis­tait objec­tive­ment dès avant sa con­stata­tion dans la procé­dure AI; il fait observ­er, en se référant à l’ar­rêt du Tri­bunal can­ton­al des assur­ances sociales, qu’il a subi une perte de gain de 50 % dès mars 1998, puis de 80 % dès l’au­tomne 2002.

Il s’en­suit que la réal­i­sa­tion des élé­ments générant l’oblig­a­tion d’in­dem­nis­er se situe à une date encore antérieure à celle du 4 sep­tem­bre 2003, retenue par la Cour de jus­tice; les élé­ments con­sti­tu­tifs — y com­pris la perte de gain — étaient vraisem­blable­ment déjà réal­isés au mois de sep­tem­bre 2002, lorsque la com­pag­nie d’as­sur­ance a com­mencé à vers­er des indem­nités.

1.4 Quoi qu’il en soit, la cour can­tonale a con­sid­éré que l’é­coule­ment d’un délai de deux ans entre octo­bre 2006 et octo­bre 2008 éteignait tout droit à des presta­tions d’as­sur­ance. C’est en défini­tive ce raison­nement qui a con­duit à l’ad­mis­sion de l’ex­cep­tion de pre­scrip­tion; or, une telle analyse ne saurait être suiv­ie.

 Le Tri­bunal fédéral appli­quant le droit d’of­fice, il n’est pas lié par les motifs invo­qués par le recourant pour con­tester la pre­scrip­tion (art. 106 al. 1 LTF; ATF 133 III 545 con­sid. 2.2). La ques­tion qui va être dis­cutée ci-dessous (con­sid. 2) a fait l’ob­jet de pub­li­ca­tions récentes, que les par­ties, sin­gulière­ment l’in­timée en tant que pro­fes­sion­nelle de la branche, ne sauraient ignor­er; il n’y a donc pas lieu de leur don­ner une nou­velle pos­si­bil­ité de se déter­min­er. 

Im Fol­gen­den erwäh­nte das Bun­des­gericht die Kri­tik an sein­er früheren Recht­sprechung betr­e­f­fend die Ver­jährung von Taggel­dansprüchen (E. 2.1–2.3) und ver­wies auf die laufende Revi­sion des VVG (E. 2.4), hielt aber an seinen bish­eri­gen Auf­fas­sun­gen fest (E. 2.5–2.6).

Betr­e­f­fend den vor­liegen­den Fall erwog das Bun­des­gericht, dass für jeden Rente­nanspruch eine sep­a­rate Ver­jährungs­frist von zwei Jahren laufe. Die Beschw­erde­führerin hat­te ihre Leis­tun­gen ab 1. Okto­ber 2006 eingestellt und die Klage wurde am 6. August 2010 ein­geleit­et. Die Rente­nansprüche für die Zeit von zwei Jahren vor der Klageein­leitung waren damit noch nicht ver­jährt. Eben­so waren die Rente­nansprüche für die Zeit nach der Klageein­leitung noch nicht ver­jährt (E. 2.5).

Schliesslich befand das Gericht, dass die Einrede der Ver­jährung nicht rechtsmiss­bräuch­lich von der Beschw­erdegeg­ner­in erhoben wor­den war (E. 3). Das Bun­des­gericht hiess in der Folge die Beschw­erde teil­weise gut, hob den ange­focht­e­nen Entscheid auf und wies die Angele­gen­heit zur neuer­lichen Entschei­dung an die Vorin­stanz zurück.