Der Juge de paix des Bezirkes Morges verneinte die Wirk­samkeit der Auss­chla­gungserk­lärung der Erbin A.X. und ver­sah seinen Entscheid mit ein­er unrichti­gen Rechtsmit­tel­belehrung (dreis­sig statt zehn Tage). Auf die vom Rechtsvertreter innert dreis­sig Tagen ein­gere­ichte Beschw­erde trat die Beru­fungsin­stanz auf­grund des Fristver­säum­niss­es nicht ein.

Vor dem Hin­ter­grund der unrichti­gen Rechtsmit­tel­belehrung berief sich A.X. vor Bun­des­gericht auf den Grund­satz von Treu und Glauben. Das Bun­des­gericht bestätigt seine bish­erige Recht­sprechung, wonach den Parteien keine Nachteile aus ein­er unrichti­gen Rechtsmit­tel­belehrung erwach­sen dür­fen. Gut­glaubenss­chutz geniesse allerd­ing nur, wer die unrichtige Rechtsmit­tel­belehrung bei Anwen­dung der von ihm zu erwartenden Sorgfalt nicht habe erken­nen kön­nen. Der mass­ge­bliche Sorgfalts­massstab bes­timme sich dabei nach den konkreten Umstän­den und den Rechtsken­nt­nis­sen der involvierten Parteien. Der Sorgfalts­massstab für Anwälte werde höher ange­set­zt, wobei das Bun­des­gericht eine “Grobkon­trolle” ver­langt (E. 3.3).

Das Bun­des­gericht führte aus:

3.3. […] Seule une nég­li­gence procé­du­rale grossière peut faire échec à la pro­tec­tion de la  bonne foi. Celle-ci cesse unique­ment si une par­tie ou son avo­cat aurait pu se ren­dre compte de l’inexactitude de l’indication des voies de droit en lisant sim­ple­ment la lég­is­la­tion applic­a­ble. En revanche, il n’est pas atten­du d’eux qu’outre les textes de loi, ils con­sul­tent encore la jurispru­dence ou la doc­trine y rel­a­tives. Déter­min­er si la nég­li­gence com­mise est grossière s’apprécie selon les cir­con­stances con­crètes et les con­nais­sances juridiques de la per­son­ne en cause. Les exi­gences envers les avo­cats sont naturelle­ment plus élevées: on attend dans tous les cas de ces derniers qu’ils procè­dent à un con­trôle som­maire (“Grobkon­trolle”) des indi­ca­tions sur la voie de droit […]. (E. 3.3, Her­vorhe­bun­gen hinzuge­fügt)

Im vor­liegen­den Fall hielt das Bun­des­gericht fest, dass nach ständi­ger Recht­sprechung die Auss­chla­gung eine Angele­gen­heit der frei­willi­gen Gerichts­barkeit sei. Gemäss Art. 248 lit. e ZPO komme auf die frei­willige Gerichts­barkeit das sum­marische Ver­fahren zur Anwen­dung und entsprechend gelte gestützt auf Art. 321 Abs. 2 ZPO die zehn­tätige Beschw­erde­frist (E. 3.4). Der Charak­ter der Auss­chla­gungserk­lärung als Akt der frei­willi­gen Gerichts­bakeit gehe überdies auch aus dem kan­tonalen Recht her­vor. Gemäss Bun­des­gericht hätte vor­liegend ein Blick in das kan­tonale Recht und die ZPO genügt, um die fehler­hafte Rechtsmit­tel­belehrung zu erken­nen. Das Ver­trauen in die unrichtige Rechtsmit­tel­belehrung wurde nicht geschützt und die Beschw­erde abgewiesen (E. 3.5 und 4).

Sabine Herzog

Posted by Sabine Herzog

RA Dr. Sabine Herzog, LL.M, ist Partnerin bei HERZOG SCHÄR AG, Rechtsanwälte in Zürich und ist schwergewichtig in der Prozessführung und in der Nachlassplanung tätig. Zuvor war sie neun Jahre in einer internationalen Anwaltskanzlei in Zürich tätig und arbeitete davor als juristische Sekretärin am Bezirksgericht Horgen und am zürcherischen Handelsgericht. Sie hat an den Universitäten Zürich, Paris Ouest Nanterre La Defense (Frankreich) und der Columbia Law School (LL.M.) studiert und hat an der Universität Luzern im Bereich IPR und Erbrecht promoviert. Sabine Herzog ist Fachanwältin SAV Erbrecht.