Nach Abschluss ein­er Insassen­ver­sicherung wurde die Ver­sicherte von einem betrunk­e­nen Lenker ange­fahren, als sie neben ihrem Wagen stand. Es stell­ten sich Fra­gen der Ver­jährung, der Ausle­gung der AVB und des Verzugs.

Zunächst machte der Ver­sicher­er die Einrede der Ver­jährung gel­tend. Die Vorin­stanz sah die Frist (VVG 46) durch Klage rechtzeit­ig unter­brochen (OR 135 II). Das BGer hielt fest, dass Forderun­gen aus einem Ver­sicherungsver­trag sep­a­rat ver­jähren, sofern zwis­chen ihnen kein enger Zusam­men­hang beste­ht, und dass die Ver­jährung durch Klage nur im Umfang der eingeklagten Summe unter­brochen wird (bei­des in Bestä­ti­gung der Rsp.). Im vor­liegen­den Fall hat­te der Ver­sicherte den Ver­sicher­er aber auf ein­er­seits Taggeld und Spi­tal­t­aggeld, aber ander­er­seits auch auf das Inva­lid­ität­skap­i­tal betrieben, so dass die Ver­jährung für bei­de Forderun­gen unter­brochen war.

Nach den AVB des Ver­sicher­ers waren “les occu­pants” ver­sichert…

…à la suite de l’utilisation du véhicule déclaré :
- pen­dant qu’elles se trou­vent dans le véhicule, y mon­tent ou en descen­dent,
- pen­dant qu’elles por­tent sec­ours à d’autres ants à la suite d’un acci­dent ou d’une panne du véhicule déclaré, ain­si qu’en manip­u­lant celui-ci en cours de route,
- pen­dant qu’elles por­tent sec­ours, en cours de route, à d’autres usagers de la route qui sont vic­times d’un acci­dent de la cir­cu­la­tion ou d’une panne.”

Das BGer hielt fest, dass der Aus­druck “util­i­sa­tion” weit­er sei als jen­er des “emploi” (“Betrieb”) in SVG 58, da er nicht auf die Ver­wirk­lichung der Betrieb­s­ge­fahr hin­weise. Es ste­he auss­er Frage, dass im vor­liegen­den Fall ein Unfall “à la suite de l’utilisation” vor­liege, weil die Ver­sicherte verun­fallt sei, nach­dem sie ihr Fahrzeug ver­lassen hat­te und sich anschick­te, den Kof­fer­raum des Wagens zu öff­nen.
Strit­tig war weit­er die Ausle­gung des Aus­drucks “les occu­pants”. Hier kon­nte der Begriff nicht nur Per­so­n­en beze­ich­nen, die sich im Wagen befan­den, weil die AVB Deck­ung auch vor­sa­hen für Per­so­n­en, die aus dem Wagen aussteigen. Eine wörtliche Ausle­gung des Begriffs lehnt das BGer daher ab.

Ein weit­er­er Ein­wand bezog sich auf den Zeit­punkt des Verzugs und den Zin­sen­lauf. VVG 88 geht VVG 41 II vor. Eine Mah­nung ist nach OR 102 zwar an sich notwendig, aber — wie das BGer bere­its früher fest­ge­hal­ten hat — nicht in Fällen, wo der Ver­sicher­er seine Leis­tungspflicht zu Unrecht defin­i­tiv ablehnt; hier tritt der Verzug sofort ein (OR 108 I ana­log).

  • s. auch den Ein­trag beim Blog von RA Jean Bap­tiste Huber
  • David Vasella

    Posted by David Vasella

    RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Partner bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.