4A_631/2011: Prüfung, ob einer Partei der Rechtsmittelverzicht subjektiv entgegengehalten werden kann

Im Entscheid 4A_631/2011 vom 9. Dezem­ber 2011 set­zte sich das Bun­des­gericht mit der Frage auseinan­der, ob sich eine Recht­snach­fol­gerin den in ein­er Schiedsvere­in­barung enthal­te­nen Rechtsmit­telverzicht ent­ge­gen­hal­ten lassen müsse, der vom Vertreter des Rechtsvorgängers abgeschlossen wurde.

Dabei erk­lärte das Bun­des­gericht:

Für einen gülti­gen Rechtsmit­telverzicht seit­ens der Beschw­erde­führerin ist zunächst erforder­lich, dass diese in sub­jek­tiv­er Hin­sicht an die im Schenkungsvorver­trag enthal­tene Schiedsvere­in­barung, in welch­er der Auss­chluss der Anfech­tung des Schied­sentschei­ds vorge­se­hen wurde, gebun­den ist, obwohl sie nicht Unterze­ich­ner­in des Ver­trages ist; die Prü­fung der sub­jek­tiv­en Trag­weite der Schied­sklausel fällt dabei mit der Prü­fung zusam­men, ob der Rechtsmit­telverzicht der Beschw­erde­führerin sub­jek­tiv ent­ge­genge­hal­ten wer­den kann (vgl. BGE 134 III 267 E. 3.2.4 S. 266 f., mit zahlre­ichen Lit­er­aturhin­weisen). Vor­liegend set­zt eine sub­jek­tive Bindung der Beschw­erde­führerin ein­er­seits voraus, dass der Vertreter, der den Vorver­trag für den zukün­fti­gen Schenker abschloss, für den entsprechen­den Ver­tragsab­schluss rechts­genü­gend bevollmächtigt war, so dass der zukün­ftige Schenker als ursprüngliche Ver­tragspartei an den Ver­trag mit der darin enthal­te­nen Schied­sklausel gebun­den war (vgl. dazu Urteil 4P.137/2002 vom 4. Juli 2003 E. 7.2.4). Ander­er­seits ist erforder­lich, dass die Beschw­erde­führerin (als Recht­snach­fol­gerin der ursprünglichen Ver­tragspartei) von der sub­jek­tiv­en Trag­weite der Klausel erfasst wird, was nach dem Aus­ge­führten trotz des Rechtsmit­te­lauss­chlusses zu prüfen ist (vgl. BGE 134 III 267 E. 3.2.4 S. 266 f., mit Hin­weisen; anders ver­hielte es sich hin­sichtlich der Respek­tierung der Kom­pe­tenz “ratione mate­ri­ae” bzw. der objek­tiv­en Trag­weite der Schied­sklausel durch das Schieds­gericht: BGE 134 III 267 E. 3.2.4 S. 265 f.); ob eine Schiedsvere­in­barung gültig auf einen Nich­tun­terze­ich­n­er über­tra­gen wor­den ist, beurteilt sich nach dem in Art. 178 Abs. 2 IPRG beze­ich­neten, für die Gültigkeit der Schiedsvere­in­barung gün­stig­sten Recht (BGE 129 III 727 E. 5.3.2 S. 736; 128 III 50 E. 3a, je mit Hin­weis).