2C_545/2014: Die Einschläferung eines bissigen Hundes zwecks Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit ist verhältnismässig

In einem Urteil aus dem Jan­u­ar 2015 befasste sich das BGer mit der Ein­schläfer­ung eines Hun­des der Rasse Hov­awart. Der sieben Jahre alte Hund “Chalom” hat­te zwis­chen 2009 und 2012 mehrere Per­so­n­en zum Teil schw­er gebis­sen. Im Juli 2012 entsch­ied das Vet­er­inäramt des Kan­tons Waadt, dass der Hund als gefährlich einzustufen sei. Um die physis­che Integrität von Per­so­n­en und die öffentliche Sicher­heit im Generellen zu gewährleis­ten, ord­nete das Vet­er­inäramt die Ein­schläfer­ung des Tiers an. Diesen Entscheid zog der Hun­de­hal­ter bis vor das BGer, welch­es seine Beschw­erde abweist.

Im Zen­trum des höch­strichter­lichen Entschei­ds ste­ht die Frage, ob die Anord­nung der Ein­schläfer­ung mit dem in Art. 5 Abs. 2 BV normierten Ver­hält­nis­mäs­sigkeit­sprinzip kom­pat­i­bel ist. Dazu sagt das BGer, dass eine Mass­nahme unver­hält­nis­mäs­sig sei, wenn das angestrebte Ziel auch mit ein­er weniger ein­schnei­den­den Mass­nahme erre­icht wer­den könne. Im vor­liegen­den Fall sei ins­beson­dere zu prüfen, ob die öffentliche Sicher­heit auch durch eine Spezial­hal­tung von “Chalom” bei einem auf Hunde der Rasse Hov­awart spezial­isierten Ehep­aar gewährleis­tet wer­den könne: 

Selon les experts, un replace­ment chez un tiers, en l’e­spèce auprès du cou­ple E., est pos­si­ble à cer­taines con­di­tions strictes et pré­cis­es. Il faut en effet que la per­son­ne en charge du chien présente des con­nais­sances cynologiques poussées […] et que le milieu de vie dans lequel le chien évoluera garan­tisse que celui-ci ne puisse pas entr­er en con­tact avec des per­son­nes autres que le déten­teur et ce qu’elles con­cer­nent les moments durant lesquels Chalom se nour­rit. A ce pro­pos, les experts C. et D. sont d’ac­cord pour admet­tre qu’il faut veiller à ce que le chien reçoive sa nour­ri­t­ure […] dans un lieu où per­son­ne ne se ren­dra tant qu’il n’au­ra pas fini de manger. Ils pré­conisent und pièce ou un enc­los fer­mé à clé. De plus, ils relèvent qu’il ne faut jamais s’ap­procher de Chalom lorsque celui-ci est sus­cep­ti­ble d’avoir trou­vé un élé­ment comestible […] et qu’il est néces­saire de musel­er sys­té­ma­tique­ment le chien lorsque des tiers sont présents (E. 5.1.).

Vor dem Hin­ter­grund des Gesagten ist das BGer der Ansicht, dass das Ehep­aar eine grosse Diszi­plin auf­brin­gen müsse, um “Chalom” zu hal­ten. Ger­ade in Aus­nahme­si­t­u­a­tio­nen seien die Vor­gaben nicht einzuhal­ten. Dies tre­ffe etwa auf die Ferien­zeit oder auf uner­wartete Besuche Drit­ter zu. Durch die Spezial­hal­tung beim Ehep­aar könne deshalb das Risiko erneuter Bis­sat­tack­en nicht aus­geschlossen wer­den. Mithin sei die Spezial­hal­tung ungeeignet um die öffentliche Sicher­heit zu gewährleis­ten. Erschw­erend komme hinzu, dass die per­ma­nente Hal­tung von “Chalom” in einem Zwinger nicht mit der Würde des Tieres i.S.v. Art. 3 lit. a TschG (Tier­schutzge­setz, SR 455) zu vere­in­baren sei.

Die Anord­nung der Ein­schläfer­ung durch das Vet­er­inäramt des Kan­tons Waadt sei die einzige geeignete Mass­nahme, um ein Risiko zukün­ftiger Bis­sat­tack­en auszuschliessen und die öffentliche Sicher­heit zu gewährleis­ten.