4A_643/2014: Rechtsmittelverzicht (amtl. Publ.)

Das Bun­des­gericht musste in diesem Entscheid unter anderem die Gültigkeit ein­er Gerichts­stand­sklausel eines Werkver­trags beurteilen, gemäss welch­er sämtliche Stre­it­igkeit­en abschliessend durch die zuständi­gen kan­tonalen Gerichte zu beurteilen waren.

Das Bun­des­gericht ver­wies zunächst auf die noch unter dem alten Bun­des­ge­setz über die Organ­i­sa­tion der Bun­desrecht­spflege (OG) ergan­gene Recht­sprechung, in der Vere­in­barun­gen über den vorgängi­gen Rechtsmit­telverzicht geschützt wor­den waren, sofern es um Rechte ging, über welche die Parteien frei ver­fü­gen kon­nten (E. 1.4.1; BGE 113 Ia 26, E. 3b; BGer 4P.110/2006 vom 17. Juli 2006, E. 1.1; BGer 4C.202/2005 vom 17. Juli 2006, E. 2.1). In diesem Zusam­men­hang ver­wies das Bun­des­gericht zudem auf die gemäss Art. 192 IPRG beste­hende Möglichkeit, in Schiedsver­fahren auf Rechtsmit­tel zu verzicht­en. Die Vere­in­barung eines Verzichts auf Rechtsmit­tel in staatlichen Ver­fahren wider­spricht auf­grund dieser Bes­tim­mung somit, so das Bun­des­gericht, nicht dem Willen des Geset­zge­bers. Auch die Lehre ver­trat unter dem OG die Ansicht, dass der Verzicht auf die Erhe­bung von ordentlichen, nicht aber von ausseror­dentlichen, Rechtsmit­teln gültig war (E. 1.4.2).

Das Bun­des­gericht fasste daraufhin die unter der schweiz­erischen ZPO und dem neuen BGG pub­lizierte Lehre zusam­men, wonach — ins­beson­dere mit Bezug auf das BGG — ein Vorausverzicht auf die Anhebung ein­er Beschw­erde an das Bun­des­gericht grund­sät­zlich als zuläs­sig erachtet wird (E. 1.4.4). Dieser Ansicht könne indessen nicht gefol­gt wer­den. Das Bun­des­gericht rel­a­tivierte dabei seine unter dem früheren OG ergan­gene Recht­sprechung. So stelle die in Art. 192 IPRG enthal­tene Möglichkeit eines Rechtsmit­telverzichts eine Aus­nah­mebes­tim­mung dar. Diese greife nur dann, wenn keine der Parteien Wohn­sitz, gewöhn­lichen Aufen­thalt oder eine Nieder­las­sung in der Schweiz aufweise. Für die Parteien eines staatlichen Gerichtsver­fahrens könne aus dieser Aus­nah­mebes­tim­mung indessen nichts abgeleit­et wer­den (E. 1.4.5).

Auch aus der Dis­po­si­tion­s­maxime ergebe sich, so das Bun­des­gericht weit­er, eben­falls nicht die Möglichkeit für Parteien, im Voraus auf Rechtsmit­tel zu verzicht­en (E. 1.4.5):

Cela étant, le fait que la nature de la pré­ten­tion matérielle con­fère aux par­ties cer­tains pou­voirs et lib­ertés dans la procé­dure éta­tique — générale­ment men­tion­nés par le lég­is­la­teur — et leur per­me­tte de se tourn­er vers la jus­tice privée ne sig­ni­fie pas qu’elles puis­sent procéder comme bon leur sem­ble devant les tri­bunaux éta­tiques. La juri­dic­tion éta­tique est un ser­vice pub­lic qui doit offrir les garanties inhérentes à un Etat de droit. Son organ­i­sa­tion et son fonc­tion­nement ne peu­vent être livrés à l’au­tonomie des par­ties. En l’oc­cur­rence, la con­ven­tion des par­ties revient à écarter tout un pan de la procé­dure, soit renon­cer à l’ap­pli­ca­tion de la LTF qui garan­tit et définit les con­di­tions d’ac­cès au Tri­bunal fédéral.

Schliesslich wies das Bun­des­gericht mit Blick auf die in der Lehre vertretene Ansicht darauf hin, dass mit dem neuen BGG Ein­heits­beschw­er­den einge­führt wur­den. Die Ein­schränkung, wonach ein Rechtsmit­telverzicht für schw­er­wiegende Män­gel nicht möglich sei, sei mit dem Wort­laut des BGG nicht vere­in­bar (E. 1.4.5):

pour met­tre en oeu­vre le point de vue doc­tri­nal, l’au­torité de céans devrait tri­er les griefs impérat­ifs des griefs dis­posi­tifs et créer un recours praeter leg­em, alors que les par­ties ont renon­cé à se tourn­er vers l’ar­bi­trage et à amé­nag­er libre­ment leur procé­dure. L’on ne saurait en arriv­er à une telle solu­tion. Les con­di­tions d’ac­cès au Tri­bunal fédéral sont définies pré­cisé­ment par la LTF. L’on ne con­cevrait pas que les par­ties éla­borent un recours “à la carte”, en con­venant des griefs sus­cep­ti­bles d’être soulevés devant l’au­torité de céans. Or, tel est ce qui arrive en pra­tique lorsque les par­ties prévoient de renon­cer à saisir le Tri­bunal fédéral, puisque cer­tains griefs impérat­ifs doivent être garan­tis