Die Beschw­erde­führerin A. war eine selb­st­ständi­ge Hun­de­trainer­in und Mit­in­hab­erin der Hun­de­schule D. Die Beschw­erdegeg­ner­in B. war Hal­terin eines Lab­o­rador-Mis­chlings. Sie besuchte zusam­men mit C. und deren Col­lie-Hündin auf einem eingezäun­ten Hun­de­sport­platz eine Hun­de­sport­stunde. Nach der Stunde unter­hiel­ten sich A., B. und C. inner­halb des eingezäun­ten Hun­de­sport­platzes. Der Lab­o­rador bewegte sich leb­haft und unan­geleint auf dem Hun­de­sport­platz. Als der Hund in Rich­tung der drei Frauen ran­nte, stiess er mit A. zusam­men. Diese zog sich dadurch mehrere Frak­turen zu.

A. klagte gegen B. vor dem Bezirks­gericht Bülach. Das Gericht wies die Klage ab. Das Oberg­ericht des Kan­tons Zürich wies die Beru­fung ab. Das Bun­des­gericht wies die dage­gen gerichtete Beschw­erde ab, soweit es darauf ein­trat (Urteil 4A_36/2019 vom 21. Feb­ru­ar 2019).

Das Bun­des­gericht hat­te zu beurteilen, ob der Sorgfalts­be­weis im Sinne von Art. 56 Abs. 1 OR gelun­gen war. Das höch­ste Gericht befand, es könne keine Ver­let­zung ein­er objek­tiv­en Sorgfalt­spflicht fest­gestellt wer­den. Die objek­tiv gebotene Sorgfalt ver­langte gemäss Bun­des­gericht unter den konkreten Umstän­den nicht, tätig zu wer­den und dem Hund Ein­halt zu gebi­eten (E. 5.3.4). Gefordert werde nur, dass geeignete Mass­nah­men zur Ver­hin­derung vorausse­hbar­er, konkreter Gefährdun­gen ergrif­f­en wür­den (E. 5.3.2).

Ins Gewicht fiel gemäss Bun­des­gericht ins­beson­dere, dass sich der Vor­fall auf einem speziell für Hunde ein­gerichteten Train­ingsplatz ereignete, der eingezäunt war. An einem solchen Ort müsse ein Hund anders beauf­sichtigt wer­den als im öffentlichen Raum, wo ein Hund auf eine Vielzahl von Men­schen tre­f­fen könne, die den Umgang mit Hun­den nicht gewohnt seien und die den Kon­takt mit einem Hund nicht wün­schen wür­den. Eine Hun­de­schule sei ger­ade der Ort, an dem ein Hund gewisse Gehor­sam­sregeln ler­nen soll, woge­gen der Hun­de­hal­ter dem Hund im öffentlichen Raum so gut zu beauf­sichti­gen habe, dass diese Regeln einge­hal­ten wer­den. Zu berück­sichti­gen war überdies, dass die Beschw­erde­führerin weisungs­befugte Hun­de­trainer­in war und sie die Aktiv­itäten des Hun­des toleriert hat­te. Das Ver­hal­ten des Labradors war im Übri­gen auch noch nie neg­a­tiv aufge­fall­en (vgl. zum Ganzen E. 5.3.2).

Roland Bachmann

Posted by Roland Bachmann

Roland Bachmann ist Partner bei Wenger Plattner. Sein Schwerpunkt als Wirtschaftsanwalt ist die Prozessführung. Vor seiner Tätigkeit in der Advokatur arbeitete Roland Bachmann als juristischer Sekretär des Obergerichts Zürich und des Bezirksgerichts Zürich. Er studierte an den Universitäten von Zürich, Tours (Frankreich) und Ann Arbor in Michigan (USA).