Mit Urteil vom 11. Janu­ar 2011 (6B_851/2010) äussert sich das Bun­des­ge­richt zur Fra­ge, inwie­weit bei einem Unter­las­sungs­ver­hal­ten ein Ver­heim­li­chen im Sin­ne eines Pfän­dungs­be­trugs (Art. 163 Ziff. 1 StGB) gege­ben ist. Der Beschwer­de­füh­rer hat­te vor­ge­bracht, durch Kon­sum­ver­zicht gespart zu haben und das aus dem Exi­stenz­mi­ni­mum ange­spar­te Ver­mö­gen ihm Rah­men der Lohn­pfän­dung nicht hät­te ange­ben zu müs­sen.

Das Bun­des­ge­richt ver­weist ein­gangs auf sei­ne Recht­spre­chung, wonach es nicht am Schuld­ner sei zu bestim­men, wel­che Ver­mö­gens­wer­te pfänd­bar sind und wel­che nicht (E. 2.3.1 mit Hin­weis auf BGE 129 IV 68 E. 2.2), und weist die Beschwer­de ab. Schliess­lich spre­che der Zweck der Vor­schrift dafür, dass der Schuld­ner z.B. auch gehal­ten sei, auf im Aus­land erziel­te Ein­künf­te und gele­ge­ne Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de hin­zu­wei­sen; sol­ches Ver­mö­gen sei zwar der schwei­ze­ri­schen Zwangs­voll­streckung ent­zo­gen, kön­ne aber für die Bestim­mung des Exi­stenz­mi­ni­mums sowie für die Fra­ge, ob in der Schweiz gele­ge­ne Gegen­stän­de unpfänd­bar sei­en, eine Rol­le spie­len (E. 2.3.2 mit Hin­weis auf BGE 114 IV 11 E. 1b). Die­se Über­le­gung müss­te auch in die straf­recht­li­che Bewer­tung der Infor­ma­ti­ons­pflicht bezüg­lich Geld, das aus dem Exi­stenz­mi­ni­mum ange­spart wur­de, ein­flie­ssen:

2.3.2 […] Der Schuld­ner habe dem pfän­den­den Beam­ten jede für eine erfolg­rei­che Pfän­dung erfor­der­li­che Aus­kunft zu ertei­len. Es sei Sache des Betrei­bungs­be­am­ten zu ent­schei­den, ob ein Ver­mö­gens­wert gepfän­det wer­den kön­ne. Bei Aus­kunft habe er wenig­stens die Mög­lich­keit, den Anga­ben nach­zu­ge­hen. Hat der Schuld­ner somit selbst im Aus­land lie­gen­de und in der Schweiz nicht pfänd­ba­re Ver­mö­gens­wer­te anzu­ge­ben, muss er auch alle sei­ne Ver­mö­gens­wer­te in der Schweiz ange­ben, aus wel­chen Quel­len sie auch stam­men. Soweit die­se Ver­mö­gens­wer­te nicht pfänd­bar sein soll­ten, kön­nen sie den­noch für die Durch­füh­rung des Ver­fah­rens von Bedeu­tung sein, ins­be­son­de­re für die Fest­set­zung des Exi­stenz­mi­ni­mums. Die­se Fest­set­zung beein­flusst das dem Zugriff der Gläu­bi­ger offen­ste­hen­de Ver­mö­gen. Das Ver­heim­li­chen wirkt sich daher unmit­tel­bar zum Scha­den der Gläu­bi­ger aus. Die Aus­kunfts­pflicht gemäss Art. 91 Abs. 1 Ziff. 2 SchKG ist umfas­send. Sie erfasst auch Gegen­stän­de, die nach Ansicht des betrie­be­nen Schuld­ners unpfänd­bar sind […]. Aus dem Exi­stenz­mi­ni­mum ange­spar­tes Geld bil­det ein taug­li­ches Tat­ob­jekt im Sin­ne des Tat­be­stands von Art. 163 StGB.

Juana Vasella

Posted by Juana Vasella

RA Dr. Juana Vasella ist Habilitandin, Oberassistentin und Lehrbeauftragte an der Universität Luzern sowie Co-Direktorin der Kompetenzstelle für Logistik- und Transportrecht KOLT. Daneben ist sie als Konsulentin für MME Legal | Tax | Compliance tätig. Zuvor hat Juana Vasella an der TU Dresden, der Universität Zürich und der Bucerius Law School sowie bei CMS von Erlach Poncet AG gearbeitet.