2C_664/2010: Verletzung journalistischer Sorgfaltspflichten; Beschränkung der Rundfunkfreiheit

Bay­er (Schweiz) AG ist mit ein­er Beschw­erde gegen einen Entscheid der Uab­hängi­gen Beschw­erde­in­stanz für Radio und Fernse­hen (UBI) vor das Bun­des­gericht gelangt. Die Vorin­stanz hat­te in drei Sendun­gen der Schweiz­erischen Radio- und Fernse­hge­sellschaft (SRG) zu den Gefahren der vierten Gen­er­a­tion von Antibabyp­illen keine Ver­let­zung jour­nal­is­tis­ch­er Sorgfalt­spflicht­en und ins­beson­dere des Sachgerechtigkeits­ge­bots gese­hen, wie von der Beschw­erde­führerin vorge­bracht. Die strit­ti­gen Beiträge im…

Nutzungsreglement für Soziale Medien: Hinweise von Nils Güggi

Im neuesten Beitrag seines Blogs veröf­fentlicht Nils Güg­gi eine Vor­lage für ein Nutzungsre­gle­ment für E‑Mail, Inter­net und Soziale Medi­en. Neben ein­er kurzen Erläuterung ver­weist er auf weit­er­führende Lit­er­atur. Die Vor­lage darf unter Nen­nung des Autors über­nom­men oder angepasst und ergänzt werden.…

5A_163/2009: Kein Recht des Klienten auf Zeugnis des Anwalts (amtl. Publ.)

Der Anwalt, der sein Beruf­s­ge­heim­nis ver­let­zt, bege­ht gegenüber seinem Klien­ten eine Per­sön­lichkeitsver­let­zung, wie das BGer bere­its früher fest­gestellt hat. Im vor­liegen­den Fall hat das BGer entsch­ieden, dass der Klient aus seinem Per­sön­lichkeit­srecht gegenüber seinem Anwalt aber kein Recht auf Beweis ableit­en kann, das den Anwalt dazu verpflicht­en würde, in einem Ver­fahren als Zeuge über Tat­sachen auszusagen, die dem Beruf­s­ge­heim­nis unterstehen.…

UBI: SF-Berichterstattung zum Fall Holenweger verletzte das Sachgerechtigkeitsverbot

Die Unab­hängige Beschw­erde­in­stanz für Radio und Fernse­hen (UBI) hat eine Beschw­erde gegen einen Beitrag der “Tagess­chau” vom 18. Dezem­ber 2009 teil­weise gut­ge­heis­sen. Der Entscheid bet­rifft die Berichter­stat­tung über den Abschluss der Vorun­ter­suchung im Fall Holen­weger. Es wurde ein ein­seit­iges Bild zum Abschluss der Vorun­ter­suchung im Fall Holen­weger ver­mit­telt, indem nur der Stand­punkt des Unter­suchungsrichters wiedergegeben wur­den. Dies ver­let­zt das Sachgerechtigkeitsgebot…

5A_658/2014: Carl Hirschmann — Persönlichkeitsverletzungen durch Medien; Bestimmtheit des Rechtsbehrens; “Mitwirkung” durch Verlinkung?;

Nach Medi­en­bericht­en über Carl Hirschmann, in denen Hirschmann diverse Charak­ter­män­gel und Ver­hal­tensweisen vorge­wor­fen wur­den, klagte dieser vor dem Han­dels­gericht Zürich gegen Tame­dia, 20 Minuten und Espace Media u.a. auf Fest­stel­lung der Wider­rechtlichkeit bes­timmter Aus­sagen, auf Schaden­er­satz und auf Genug­tu­ung. Das HGer ZH hat­te die Klage teil­weise gut­ge­heis­sen und wenige Artikel als per­sön­lichkeitsver­let­zend beurteilt. Das BGer hat­te in seinem (stel­len­weise eher…

Vertretungsbeistandschaft, Subsidiaritätsprinzip, Auswirkungen der Vorsorgevollmacht (amtl. publ.)

Das BGer hat­te im vor­liegen­den Fall zu entschei­den, ob die  Voraus­set­zun­gen für die Anord­nung ein­er Vertre­tungs­bei­s­tand­schaft mit Ver­mö­gensver­wal­tung (ZGB 394 i.V.m. ZGB 395) gegeben waren. Das BGer verneint die Frage, obwohl unbe­strit­ten war, dass der Beschw­erde­führer v.a. in finanziellen Angele­gen­heit­en auf Hil­fe angewiesen war, gestützt auf das Sub­sidiar­ität­sprinzip: In Art. 389 ZGB unter­stellt der Geset­zge­ber alle behördlichen Mass­nah­men des Erwachsenenschutzes…

5A_561/2010: Persönlichkeitsverletzung durch forensisches Gutachten “durch Gesetz” gerechtfertigt

Wird durch eine foren­sis­che Begutach­tung im Rah­men eines Strafver­fahrens die Per­sön­lichkeit des Proban­den ver­let­zt, ist dies “durch Gesetz” gerecht­fer­tigt (ZGB 28 II), denn der Gutachter übt als Hil­f­sper­son des Gerichts eine hoheitliche Tätigkeit aus. Das BGer kon­nte im vor­liegen­den Fall, in welchem der Proband in die Begutach­tung überdies eingewil­ligt hat­te, offen­lassen, ob eine Diag­nose über­haupt eine Per­sön­lichkeitsver­let­zung darstellt. Das KGer…

5A_843/2013: Anordnung einer Beistandschaft in der Regel nicht ohne externes Gutachten (amtl. Publ.)

Anlass zum vor­liegen­den Urteil des BGer gab die Errich­tung ein­er umfassenden Bei­s­tand­schaft ohne Beizug eines Experten. Das Gen­fer Tri­bunal de pro­tec­tion de l’adulte et de l’enfant hat­te nach einem Hin­weis eines Kranken­haus­es nach Anhörung der behan­del­nden Ärzte und auf der Grund­lage der Akten eine Bei­s­tand­schaft ange­ord­net. Die zweite Instanz hat­te diese Mass­nahme bestätigt. Das BGer hebt diesen Entscheid auf. Eine…

6B_143/2011: Chefredaktor des “Confédéré” nach Hitler-Fotomontage wegen übler Nachrede verurteilt; Meinungsäusserungsfreiheit nicht verletzt (amtl. Publ.)

Der Wal­lis­er SVP-Nation­al­rat Oskar Freysinger war in ein­er im August 2007 in der Wochen­zeitung “Con­fédéré” die neben­ste­hende Fotomon­tage erschienen. Das BGer schützt die Verurteilung von Adophe Ribor­dy, dem ehe­ma­li­gen Chefredak­tor der Zeitschrift, wegen Ehrver­let­zung. Das Nebeneinan­der­stellen der bei­den Per­so­n­en (bei­de öster­re­ichis­ch­er Herkun­ft) enthalte den Vor­wurf, dass Freysinger mit dem Nation­al­sozial­is­mus sym­pa­thisiere. Der Titel des Beitrags, “Comme un par­fum des années…

5A_275/2011: Kriterien der Rechtsmissbräuchlichkeit einer Gegendarstellung nach Berichtigung durch das Medium (amtl. Publ.)

Das BGer schützt ein Gegen­darstel­lungs­begehren der Kranken­ver­sicher­er ÖKK und Sym­pa­ny, das sich gegen den K‑Tipp bzw. dessen franzö­sis­chsprachiges Pen­dant Bon à savoir richtete. Die Zeitschriften hat­ten in ein­er Umfrage zur Kun­den­zufrieden­heit bei Kranken­ver­sicher­ern die ÖKK und die Sym­pa­ny als Ein­heit behan­delt, obwohl bei­de eigen­ständi­ge Ver­sicher­er sind. Der K‑Tipp und Bon à savoir hat­ten jew­eils auf ihrer Web­site frei­willig einen Kor­rek­turhin­weis angebracht,…