1B_397/2011: Anwaltliche Berufspflichten; standeswidrige Ferien

In seinem Blog “strafprozess.ch” macht Kon­rad Jek­er auf einen bun­des­gerichtlichen Entscheid aufmerk­sam, in der ein Anwalt wegen “standeswidriger Ferien” gerügt wird (Urteil 1B_397/2011 vom 29. August 2011). Der Strafvertei­di­ger hat­te an seine Beschw­erde fol­gende “Schlusserk­lärung” ange­fügt: “Ich ersuche, den Ein­gang der Beschw­erde erst nach dem 31.08.2011 schriftlich zu bestäti­gen, aber möglichst rasch zu entschei­den. Bitte nehmen Sie zur Ken­nt­nis, dass…

4A_150/2016: Klagenhäufung, Streitwert und Zuständigkeit der Handelsgerichte (amtl. Publ.)

Die B. AG klagte vor dem Han­dels­gericht des Kan­tons Zürich gegen die A. AG (Beschw­erde­führerin). Die B. AG ver­langte in Zif­fer 1 ihres Rechts­begehrens einen Betrag von mehr als CHF 30’000. In Zif­fer 2 ver­langte sie einen Betrag von CHF 4’833.40 und in Zif­fer 3 ver­langte die B. AG von der A. AG, dass diese eine Betrei­bung in der Höhe…

4A_71/2018: Werkvertrag, Mängelbehebung gemeinschaftlicher Bauteile im Stockwerkeigentum (amtl. Publ.; Änderung der Rechtsprechung)

Die A. GmbH real­isierte eine Mehrfam­i­lien­haus-Sied­lung, errichtete Stock­w­erkeigen­tum, verkaufte diverse Stock­w­erkein­heit­en und schloss mit den Käufern gle­ichzeit­ig eine als “Gen­er­alun­ternehmerver­trag” beze­ich­nete Vere­in­barung ab. Die Stock­w­erkeigen­tümerge­mein­schaft klagte vor Bezirks­gericht Luzern gegen die A. GmbH auf Zahlung von CHF 678’992.70 zuzüglich Zins zwecks Bevorschus­sung der Kosten für die Behe­bung von Män­geln an gemein­schaftlichen Gebäude­teilen. Das Bezirks­gericht hiess das Klage­begehren gross­mehrheitlich gut. Das…

4A_507/2021 – Abschluss einer Gerichtsstandsvereinbarung setzt eine ausdrückliche, schriftliche Zustimmung voraus

…Anhänge von Ihrem Sys­tem. Besten Dank. / This E‑mail and any attache­ments con­tain con­fi­den­tial and/or priv­i­leged infor­ma­tion. Only the intend­ed recip­i­ent may read, copy or use it. If you are not the intend­ed recip­i­ent or have received this E‑mail in error, please noti­fy the sender imme­di­ate­ly and delete this E‑mail and any attach­ments from your sys­tem. Thank you.» Zwis­chen den Parteien…

5A_91/2009: prozessuale Folgen einer Veräusserung des Streitobjekts

Das BGer hielt hier fest, dass die Kan­tone die prozes­sualen Fol­gen ein­er Veräusserung des Stre­ito­b­jek­ts während der Recht­shängigkeit unter­schiedlich regeln. Es bestün­den dabei im Grund­satz drei Lösun­gen: Der Veräusser­er bleibt Partei und führt den Prozess im eige­nen Namen mit — teil­weise aus­drück­lich vorge­se­hen­er — Wirkung für den Erwer­ber (sog. Prozess­stand­schaft), oder der Erwer­ber kann anstelle des Veräusser­ers in den Prozess…

5A_288/2012: Arrestprosequierung, Zustellung des Zahlungsbefehls und Obliegenheiten des Arrestgläubigers (amtl. Publ.)

SchKG 279 I ver­langt vom Arrest­gläu­biger, spätestens zehn Tagen nach Zustel­lung der Arresturkunde Betrei­bung “einzuleit­en”, falls er das nicht schon vor der Arrest­be­wil­li­gung getan hat (Pros­e­quierung). Das BGer hält zunächst fest, dass “Ein­leitung” nicht die Zustel­lung des Zahlungs­be­fehls meint, son­dern die Stel­lung des Betrei­bungs­begehrens: 4.1 Mit “Ein­leit­en der Betrei­bung” im Sinn von Art. 279 Abs. 1 SchKG ist gemeint, dass…

2C_570/2011: Milchkasten ist als “Ablagefach” Teil des Briefkastens — Zustellung am Tag, da A‑Post-Plus im Ablagefach deponiert

…u.a. dann als zugestellt, wenn sie in den Brief- oder Ablagekas­ten gestellt wer­den (AGB Post­di­en­stleis­tun­gen der Schweiz­er Post Ziff. 2.3.1) Das DBG enthält keine For­mvorschriften zur Zustel­lung. Die Steuer­be­hörde ist somit frei, Ver­fü­gun­gen und Entschei­de mit gewöhn­lich­er Post, eingeschrieben­em Brief oder A‑Post-Plus (Zustel­lung wird elek­tro­n­isch erfasst, aber durch Empfänger nicht quit­tiert) zuzustellen.  Vom Beschw­erde­führer gel­tend gemachte Fehler in der Zustellung…

4a_293/2010: Doppelrelevante Tatsachen müssen im Eintretensstadium nur ausnahmsweise als wahrscheinlich erscheinen (amtl. Publ.)

Die Klägerin (Margheri­ta Agnel­li de Pahlen) klagte in Genf gegen eine Gen­fer Bank und eine lux­em­bur­gis­che Bank mit Zweignieder­las­sung in Genf auf Rechen­schaftsablage über Bankbeziehun­gen mit ihrem ver­stor­be­nen Vater, Gian­ni Agnel­li. Die lux­em­bur­gis­che Bank machte die Unzuständigkeit des angerufe­nen Gerichts ratione loci gel­tend. Die Gen­fer Gerichte bejaht­en die Zuständigkeit nach LugÜ 5 Ziff. 5. Das BGer weist die Beschw­erde der Bank…

5A_450/2013: Anerkennung eines ausländischen Nachlassvertrages (frz., amtl. Publ.)

Im vor­liegen­den Entscheid musste sich das Bun­des­gericht mit der Anerken­nung eines brasil­ian­is­chen Gericht­sentschei­des, welch­er der Bestä­ti­gung eines Nach­lassver­trages entspricht, auseinan­der­set­zen. Ein Gläu­biger hat­te in der Schweiz Arrest leg­en lassen auf Ver­mö­genswerte der Schuld­ner­in, ein­er Aktienge­sellschaft mit Sitz in Sao Paulo (Brasilien), und zwar gestützt auf Entschei­de eines Gerichts in New York und vor Ein­leitung des Ver­fahrens um Anerken­nung des Nachlassvertrages.…