4A_495/2012: Mieterausweisung im summarischen Verfahren nur bei klaren Fällen (amtl. Publ.)

Das BGer hält fest, dass die Anwen­dung der Grund­form des sum­marischen Ver­fahrens auf eine Mieter­ausweisung gestützt auf kan­tonales Recht unzuläs­sig ist.  Die Vorin­stanzen hat­ten angenom­men, dass das Ausweisungs­begehren im sum­marischen Ver­fahren nach ZPO 248 lit. a und ZPO 252 ff. i.V.m. § 3 lit. f der Vol­lzugsverord­nung SZ zum OR zu behan­deln sei: Zwar sehe ZPO 250 (Kat­a­log von im summarischen…

4A_491/2012: Beweislast für Missbräuchlichkeit des Anfangsmietzinses (amtl. Publ.)

Das BGer hat sich im vor­liegen­den Urteil der insoweit herrschen­den Ansicht angeschlossen, dass die Beweis­last für die sachver­haltsmäs­si­gen Voraus­set­zun­gen ein­er Anfech­tung des Anfangsmi­et­zins­es nach OR 270 I i.V.m. OR 269 und OR 269a lit. a (in der Regel kein Miss­brauch, wenn die Miet­zinse im Rah­men der orts- oder quartierüblichen Miet­zinse liegen) beim Mieter liegt: Un pre­mier courant, large­ment majori­taire, prône…

Botschaft zum Exportrisikoversicherungsgesetz (SERVG) verabschiedet

Der Bun­desrat hat am 21. Mai 2014 die Botschaft zum teil­re­v­i­dierten Expor­trisikover­sicherungs­ge­setz (SERVG) zuhan­den des Par­la­ments ver­ab­schiedet. Aus der Medi­en­mit­teilung: Im Einzel­nen erfordert die Stärkung der inter­na­tionalen Wet­tbe­werb­s­fähigkeit der SERV die fol­gen­den Mass­nah­men, welche über eine Teil­re­vi­sion des SERV-Geset­zes (SERVG) und durch Anpas­sun­gen der SERV-Verord­nung (SERV‑V) erre­icht wer­den sollen: Das Ange­bot der SERV soll dauer­haft mit der Fab­rika­tion­skred­itver­sicherung, der Bondgarantie…

4A_15/2011: Verhältnis zwischen Art. 374 und Art. 375 OR

Das Ver­hält­nis zwis­chen OR 374 (Fest­set­zung des Werk­lohns nach dem Wert der Arbeit) und OR 375 (Rück­tritt wegen Über­schre­itung des Kos­te­nansatzes) ist nicht ganz unum­strit­ten. Das BGer hält jet­zt fest, dass OR 375 (mit Blick auf den Grundgedanken der Irrtum­sregelung, der OR 375 zugrunde liegt) immer dann anwend­bar ist, wenn “die Kosten­schätzung für den Besteller Geschäfts­grund­lage bildete und nach Treu und…

4A_299/2013: Absolute Verjährungsfrist bei dauernder Asbestexposition (amtl. Publ.)

A. arbeit­ete vom 4. Dezem­ber 1961 bis zum 31. Jan­u­ar 1998 als Schloss­er und All­rounder bei der E. AG und war dort Asbest­staub bis 1988 aus­ge­set­zt. Im Jahr 2003 wurde bei A. ein malignes Pleu­rame­sothe­liom (Brust­fel­lkrebs) diag­nos­tiziert, das am 10. Juli 2004 zum Tod führte. Gemäss Akten der SUVA war der Tod auss­chliesslich durch das berufs­be­d­ingte maligne Pleu­rame­sothe­liom bed­ingt. Am…

4A_3/2014: Sittenwidrigkeit bei Schenkungen an qualifizierte Berufsträger; Bestätigung der Rechtsprechung; Art. 38 Standesordnung FMH

Eine rohyp­no­lab­hängige Pati­entin hat­te ihrem Arzt im Sinne ein­er gemis­cht­en Schenkung ein Grund­stück zu rund CHF 2 Mio. unter dem Mark­twert verkauft. Vor BGer war nur noch strit­tig, ob eine solche Zuwen­dung sit­ten­widrig ist. Das BGer ref­eren­ziert zunächst insb. BGE 132 III 455 wie fol­gt: Das Bun­des­gericht fol­gte in sein­er pub­lizierten Recht­sprechung ein­er Lehrmei­n­ung, wonach bes­timmte Beruf­sträger — namentlich Ärzte, Psychologen,…

4A_205/2015: Rückdatierung der Rechtshängigkeit erfordert Neueinreichung der ursprünglichen Eingabe im Original (amtl. Publ.)

Die Beschw­erde­führerin reichte beim Han­dels­gericht Zürich eine Aberken­nungsklage ein. Das Han­dels­gericht trat auf die Klage nicht ein, da die Aberken­nungsklage ver­spätet ein­gere­icht wor­den sei und die Voraus­set­zun­gen von Art. 63 ZPO für eine Rück­datierung der Recht­shängigkeit auf den Zeit­punkt der früheren Klageein­re­ichung bei einem unzuständi­gen Gericht nicht vor­liegen wür­den. Das Bun­des­gericht schützte den han­dels­gerichtlichen Entscheid (Urteil 4A_205/2015 vom 14. Okto­ber 2015). Gemäss…

4A_462/2011: rechtsmissbräuchliche (zweckwidrige) Berufung auf einen Formmangel (amtl. Publ.)

Das BGer beurteilt die Beru­fung auf einen For­m­man­gel ein­er Anzeige der Miet­zin­ser­höhung (OR 269d) als rechtsmiss­bräuch­lich. Der For­m­man­gel lag darin, dass die Anzeige keine eigen­händi­ge Unter­schrift trug, son­dern lediglich eine Abbil­dung (Fak­sim­i­le) ein­er Unter­schrift. Die Rechtsmiss­bräuch­lichkeit ergab sich nicht aus verzögert­er Recht­sausübung oder wegen irrtums­freier Erfül­lung trotz Man­gel, son­dern wegen Zweck­widrigkeit. Der mass­ge­bliche Zweck war jen­er der  For­mu­la­rpflicht i.S.v. OR 269d I: Zweck der…

4A_508/2016: Verjährung der Herausgabeansprüche von Retrozessionen auf Versicherungsprämien (amtl. Publ.)

Dem Bun­des­gericht bot sich in diesem Urteil die Gele­gen­heit, kon­tro­vers disku­tierte Fra­gen im Zusam­men­hang mit der Ver­jährung der Her­aus­gabeansprüche des Auf­tragge­bers von Retrozes­sio­nen zu klären. Hin­ter­grund des Urteils war der Auf­trag ein­er Trans­portor­gan­i­sa­tion (Klägerin) an eine Beratungs­ge­sellschaft für Ver­sicherun­gen, für jene ein Ver­sicherungskonzept auszuar­beit­en. Gestützt auf diese Beratung schloss die Klägerin mit ver­schiede­nen Ver­sicherun­gen Verträge ab. Diese Vorgänge fan­den in…

4A_521/2013: Geländerhöhe in einem Hotelzimmer stellte keinen Werkmangel dar

A. nahm mit seinen Eltern an einem Fam­i­lien­an­lass teil, der aus einem gemein­samen Essen, Über­nach­tung und Früh­stück in einem Hotel bestand. Nach Mit­ter­nacht begab sich A. in sein Zim­mer im zweit­en Obergeschoss des Hotel­ge­bäudes und wurde am frühen Mor­gen, nur mit ein­er Pyja­ma-Hose bek­lei­det, schw­er ver­let­zt auf dem Bauch liegend und mit dem Kopf gegen das Gebäude gerichtet auf dem…