2C_237/2009: verfassungskonforme Auslegung von BankG 34 III iVm 24 II (obiter)

Das BGer äusserte sich in einem Abschrei­bungs­beschluss im Rah­men des Koste­nentschei­ds obiter zur ver­fas­sungskon­for­men Ausle­gung von BankG 34 III (die FINMA kann von SchKG 221 ff. abwe­ichende Ver­fü­gun­gen erlassen) iVm BankG 24 II (gerichtliche Über­prü­fun­gen nur der Genehmi­gung des Sanierungs­plans und von Ver­w­er­tung­shand­lun­gen, aber nicht ander­er Ver­fü­gun­gen). Die FINMA hat­te eine gegen die frühere Bank Kaupthing Lux­em­bourg SA ver­fügte Nachlassstundung…

5A_626/2018: Zulässigkeit unechter Noven im Beschwerdeverfahren gegen den Arresteinspracheentscheid (Art. 278 Abs. 3 SchKG; amtl. Publ.)

Gemäss Art. 278 Abs. 3 SchKG kann der Ein­spracheentscheid gegen einen Arrest­be­fehl mit Beschw­erde nach der ZPO ange­focht­en wer­den, wobei vor der Rechtsmit­telin­stanz „neue Tat­sachen“ gel­tend gemacht wer­den kön­nen. Umstrit­ten war bis­lang, ob der Begriff „neue Tat­sachen“ auch unechte Noven umfasst (vgl. E. 6.3. ff.). Im vor­liegen­den, zur amtlichen Pub­lika­tion vorge­se­henen Urteil entsch­ied das Bun­des­gericht nach ein­er umfassenden Ausle­gung (E. 6.6.)…

4A_61/2023: Beginn der Frist zur Aberkennungsklage im Fall eines unbegründeten provisorischen Rechtsöffnungsentscheids im Dispositiv (amtl. Publ.; Franz.)

In diesem zur Pub­lika­tion vorge­se­henen Entscheid 4A_61/2023 vom 25. Juni 2024 set­zte sich das Bun­des­gericht mit der Frage auseinan­der, ob die Frist zur Aberken­nungsklage gemäss Art. 83 Abs. 2 SchKG bere­its mit der Zustel­lung des Entschei­ds betr­e­f­fend die pro­vi­sorische Recht­söff­nung oder erst mit der Zustel­lung des begrün­de­ten Recht­söff­nungsentschei­ds zu laufen begin­nt. Das Bun­des­gericht stellte fest, dass die kan­tonale Recht­sprechung uneinheitlich…

5A_498/200: Umgekehrter Durchgriff auf Familienstiftung

Im Rah­men eines Betrei­bungsver­fahrens gegen eine natür­liche Per­son für Steuer­schulden bezo­gen die kan­tonalen Instanzen auch das Ver­mö­gen ein­er vom Schuld­ner errichteten Fam­i­lien­s­tiftung in das Voll­streck­ungssub­strat mit ein. Das BGer schützt diesen umgekehrten Durch­griff. Zunächst stellte das BGer die wirtschaftliche Iden­tität zwis­chen dem Schuld­ner und der Fam­i­lien­s­tiftung fest, weil der Präsi­dent des Stiftungsrats allein ver­fü­gungs­befugt und einzelze­ich­nungs­berechtigt war. Der Schuld­ner hatte…

5A_907/2021: Verarrestierbarkeit von Austrittsleistungen und Altersleistungen aus einem Freizügigkeitskonto (FR; amtl. Publ.)

In diesem zur Pub­lika­tion vorge­se­henen Entscheid vom 20. April 2022 set­zte sich das Bun­des­gericht mit der Frage der Ver­ar­restier­barkeit ein­er Aus­trittsleis­tung und mit der Frage der Fäl­ligkeit der Alter­sleis­tung nach Art. 92 Abs. 1 Ziff. 10 SchKG auseinan­der. Das Bun­des­gericht bestätigte im konkreten Fall, dass die Aus­trittsleis­tung des Schuld­ners bei der ehe­ma­li­gen Vor­sorgeein­rich­tung nicht pfänd­bar ist, dies obschon der Schuldner…

5A_760/2018: definitive Rechtsöffnung, Begriff der vollstreckbaren Verfügung (Art. 80 Abs. 2 Ziff. 2 SchKG)

Im vor­liegen­den Urteil hat­te sich das Bun­des­gericht mit einem als „2. Mah­nung und Betrei­bungsan­dro­hung“ betitel­ten Doku­ment des Kan­tons Schwyz (vertreten durch das Verkehrsamt des Kan­tons Schwyz) zu befassen. Umstrit­ten war, ob eine solche Urkunde als defin­i­tiv­er Recht­söff­nungsti­tel zu qual­i­fizieren sei. Das Bun­des­gericht verneinte zunächst eine Rechts­frage von grund­sät­zlich­er Bedeu­tung im Sinne des BGG, weil es vor­liegend „einzig um die Auslegung…

5A_301/2021: Eingriff in das Existenzminimum bei Schuldneranweisung

Im Urteil 5A_301/2021 vom 21.6.2021 beurteilte das Bun­des­gericht, ob sich ein Ein­griff in das Exis­tenzmin­i­mum des Unter­haltss­chuld­ners im Rah­men ein­er Schuld­ner­an­weisung mit dem Recht auf Hil­fe in Not­la­gen (Art. 12 BV) und dem Willkürver­bot (Art. 9 BV) vere­in­baren lässt. Die Vorin­stanz hielt fest, in das Exis­tenzmin­i­mum des Unter­haltss­chuld­ners könne einge­grif­f­en wer­den, wenn der Unter­halts­gläu­biger darauf angewiesen sei, um sein eigenes Existenzminimum…

5A_889/2016: Säumnisurteil aus den VAE als definitiver Rechtsöffnungstitel / Art. 27 IPRG (amtl. Publ.)

Im vor­liegen­den Urteil hat­te das Bun­des­gericht zu entschei­den, ob ein Säum­nisurteil aus den Vere­inigten Ara­bis­chen Emi­rat­en (VAE) als defin­i­tiv­er Recht­söff­nungsti­tel taugt, und äusserte sich dabei ins­beson­dere zur Voraus­set­zung der „gehöri­gen Ladung“ gemäss Art. 27 IPRG. Dem Urteil lag fol­gen­der Sachver­halt zugrunde: Die A. Lim­it­ed ist in den VAE dom­iziliert. Sie will gegen die Schweiz­er B. AG Forderun­gen auf dem Betreibungsweg…

4A_621/2023: Bindungswirkung eines negativen Zuständigkeitsentscheids eines ausländischen Schiedsgerichts für die Schweizer Gerichte (amtl. Publ.)

In diesem zur Pub­lika­tion vorge­se­henen Entscheid 4A_621/2023 vom 6. August 2024 set­zte sich das Bun­des­gericht mit der Frage auseinan­der, ob die staatlichen Gerichte in der Schweiz an den neg­a­tiv­en Zuständigkeit­sentscheid eines vere­in­barten Schieds­gerichts mit Sitz im Aus­land gebun­den sind, und bejahte diese Frage im konkreten Fall, weil nicht gel­tend gemacht wurde, dass der neg­a­tive Zuständigkeit­sentscheid in der Schweiz nicht anerkannt…

5A_861/2013: Art. 67 Abs. 1 Ziff. 4 SchKG / Angabe des Forderungsgrundes

Im vor­liegen­den Bun­des­gericht­sentscheid ging es um die Gültigkeit eines Zahlungs­be­fehls und ins­beson­dere um die Frage, wie genau der Forderungs­grund umschrieben sein muss. Ein Arbeit­nehmer hat­te seine frühere Arbeit­ge­berin betrieben und als Grund der Forderung angegeben: “Forderung aus Arbeitsver­trag und Strafver­fahren etc.” Die Schuld­ner­in machte mit Beschw­erde gel­tend, der ihr zugestellte Zahlungs­be­fehl genüge den geset­zlichen Anforderun­gen nicht. Gläu­biger und Vorin­stanz vertraten…