Evaluationsbericht Bundesrechtspflege: Bundesrat stösst gesetzgeberische Massnahmen an

Der Bun­desrat hat am Mittwoch seinen Bericht über die Gesamtergeb­nisse der Eval­u­a­tion der neuen Bun­desrecht­spflege veröf­fentlicht. Darin beurteilt er die Total­re­vi­sion der Bun­desrecht­spflege als grössten­teils gelun­gen, stellt aber eine steigende Belas­tung des Bun­des­gerichts und “gewisse Rechtss­chut­zlück­en” fest. Er hat deshalb das Eid­genös­sis­che Jus­tiz- und Polizei­de­parte­ment (EJPD) beauf­tragt, bis Ende 2015 eine Vernehm­las­sungsvor­lage zu den im Bericht vorgeschla­ge­nen Geset­zesän­derun­gen vorzu­bere­it­en. Dabei…

5A_814/2008: Praxis zur falschen Rechtsmittelbelehrung (amtl. Publ.)

Im kür­zlich veröf­fentlicht­en, zur amtlichen Pub­lika­tion vorge­se­henen Entscheid 5A_814/2008 vom 12. März 2009 beschäftigte sich das Bun­des­gericht mit sein­er (früheren) Prax­is zu den Fol­gen ein­er falschen Rechtsmit­tel­belehrung (siehe etwa E‑BGer 5A_401/2007 vom 29. August 2007 (E. 4.2) sowie E‑BGer 5A_352/2007 vom 7. Sep­tem­ber 2007). Im nun veröf­fentlicht­en Entscheid rel­a­tivierte bzw. änderte das Bun­des­gericht seine bish­erige Prax­is.  Das Bun­des­gericht wies darauf…

5A_90/2021: Negative Feststellungsklage des Kindesunterhaltsschuldners

Im Urteil 5A_90/2021 vom 1.2.2022 behan­delt das Bun­des­gericht die neg­a­tive Fest­stel­lungsklage eines Kindesun­ter­haltss­chuld­ners, ins­beson­dere äussert es sich zur örtlichen Zuständigkeit. Örtlich zuständig sind gemäss Urteil nach Art. 10 Abs. 1 lit. a ZPO die Gerichte am Wohn­sitz der beklagten Partei; der auf neg­a­tive Fest­stel­lung kla­gende Kindesun­ter­haltss­chuld­ner kann sich nicht auf den für selb­ständi­ge Unter­halt­skla­gen des Kindes gel­tenden Art. 26 ZPO

5A_29/2014: Zuständigkeit der ordentlichen Gerichte (und nicht des Handelsgerichts) für eine Widerspruchsklage nach Art. 108 SchKG (amtl. Publ.)

Im vor­liegen­den Urteil hat­te das Bun­des­gericht zu entschei­den, ob das Han­dels­gericht für die Beurteilung ein­er Wider­spruch­sklage nach Art. 108 SchKG sach­lich zuständig ist. Die Beschw­erde­führerin hat­te Betrei­bung gegen die A. Ltd. ein­geleit­et und das Betrei­bungsamt hat­te in der Folge Ver­mö­genswerte im Schätzungswert von rund Fr. 22 Mio. gepfän­det. Die Beschw­erdegeg­ner­in hat­te als Drit­tansprecherin Pfan­drechte an den gepfän­de­ten Ver­mö­genswerten gel­tend gemacht.…

5A_160/2010: Anforderungen an das Zustellungszeugnis iSv HZÜ 65 Art. 6 / LugÜ 47 Ziff. 1

Das BGer heisst eine Beschw­erde gegen ein Urteil des OGer ZH gut. Strit­tig war der Nach­weis der Zustel­lung des zu voll­streck­enden aus­ländis­chen Urteils (LugÜ 47 Ziff. 1) gegen eine juris­tis­che Per­son, wobei sich hier (das zu voll­streck­ende Urteil stammt aus Deutsch­land) sowohl die Wirk­samkeit der Zustel­lung als auch deren Nach­weis nach dem Haager Zustel­lungsübereinkom­men HZÜ65 richt­en. Dabei wird im Staat…

4A_194/2007 und 4C.328/2006: Maklervertrag; Sicherstellung bei Kapitalherabsetzung (Stauffacher c. Swisscom)

Der Hon­o­rarkon­sul (wohl Wern­er Stauf­fach­er, vgl. hier) des Lan­des A. (wohl Tschechiens; das BGer anonymisiert etwas zu weit­ge­hend) hat­te die dama­lige PTT kon­tak­tiert und seine Dien­ste im Zusam­men­hang mit einem Ver­fahren um die Beteili­gung an der Y.Telecom (wohl Cesky Tele­com SA, die im Land A. ger­ade via per Auk­tionsver­fahren pri­vatisiert wurde) an. Es kam zu einem Gespräch zwis­chen dem bei…

4A_443/2012: Schadenhaftung des Bundes für eine Patentverletzung beim LSVA-Betrieb; Unzuständigkeit des BPatGer (amtl. Publ.)

In ein­er paten­trechtlichen Auseinan­der­set­zung zwis­chen der Inhab­erin eines Europäis­chen Patents (mit Benen­nungs­land u.a. Schweiz) für ein Maut­sys­tem und der Schweiz­erischen Eidgenossen­schaft aus dem Betrieb eines Bestandteils der LSVA-Anlage hat­te das HGer ZH den Stre­it an das BPat­Ger über­wiesen. Das BPat­Ger bejahte seine Zuständigkeit. Gegen diesen Zwis­ch­enentscheid gelangte die Eidgenossen­schaft an das BGer. Das BGer heisst die Beschw­erde gut; das BPatGer…

4D_35/2007: Befangenheit durch Flüstern während der Verhandlung?

Der Beschw­erde­führer hat­te vor Oberg­ericht ZH aus­ge­führt, er habe während der erstin­stan­zlichen Ver­hand­lung vor ArbGer eine leise Kom­mu­nika­tion zwis­chen dem für die Gegen­partei erschiene­nen Her­rn Z. und einem Richter fest­gestellt. Das Oberg­ericht ver­warf den Vor­wurf der Ver­let­zung wesentlich­er Ver­fahrensvorschriften infolge man­gel­nder richter­lich­er Unab­hängigkeit;  “die richter­liche Unab­hängigkeit sei nicht schon dadurch beein­trächtigt, dass sich der Richter mit der Gegen­partei unter­hal­ten habe,…

2C_714/2012: Fassadenbeschriftung: unzulässige Aussenwerbung einer Anwaltskanzlei (amtl. Publ.)

Nach BGFA 12 lit. d dür­fen Anwälte wer­ben, solange ihre Wer­buh­ng objek­tiv ist und einem Infor­ma­tions­bedürf­nis der Öffentlichkeit entspricht. Im vor­liegen­den Urteil hat­te das BGer zu prüfen, ob diese Bes­tim­mung ver­let­zt ist, wenn eine Anwalt­skan­zlei am Büro­ge­bäude eine Beschrif­tung “X. Advokatur & Notari­at” mit ein­er Länge von 9.4 m und ein­er Höhe von 70 cm anbringt. Das betr­e­f­fende Büro­ge­bäude liegt…

4A_611/2013: Kein selbständiges Rechtsmittel gegen den Urteilsvorschlag der Schlichtungsbehörde in Mietsachen (amtl. Publ.)

Die Aktienge­sellschaft B. war Mieterin von Geschäft­sräum­lichkeit­en. Die Ver­mi­eter­schaft kündigte das Mietver­hält­nis, worauf die Mieterin an die par­itätis­che Schlich­tungs­be­hörde in Miet­sachen gelangte und um Erstreck­ung des Mietver­hält­niss­es ersuchte. Das Schlich­tungs­ge­such war vom Präsi­den­ten und einem Mit­glied des Ver­wal­tungsrates unterze­ich­net, bei­de mit Kollek­tivze­ich­nungs­berech­ti­gung zu zweit. An der Schlich­tungsver­hand­lung erschien jedoch nur ein­er der bei­den Unterze­ich­nen­den. Die Ver­mi­eter­schaft wen­dete deshalb ein, die…