4A_407/2021: “execution only”-Vertrag; Geschäfte, die von einem Bankangestellten ohne Erlaubnis des Kunden ausgeführt wurden; Klage auf Erfüllung oder auf Haftung

Das Bun­des­gericht klärte in diesem Urteil ins­beson­dere, dass einem Bankkun­den, der Opfer eines Fehlver­hal­tens eines Bankangestell­ten gewor­den ist, eine Haf­tungsklage im Sinne von Art. 398 Abs. 2 OR in Verbindung mit Art. 101 OR (und nicht eine Klage auf Erfül­lung) zur Ver­fü­gung ste­ht. Hin­ter­grund war eine “exe­cu­tion only”-Beziehung, welche ein Bankkunde mit ein­er Gen­fer Bank einge­gan­gen war. Es wurde mithin weder…

4A_579/2017; 4A_581/2017: Zulässigkeit von Konventionalstrafen im Arbeitsrecht (amtl. Publ.)

Dr. A. (Beklagte) war als geschäfts­führende Ärztin der Arzt­prax­is Dr. D. von der B. AG (Klägerin) angestellt. Der Arbeitsver­trag stip­ulierte eine Kon­ven­tion­al­strafe von CHF 50’000 pro Ver­stoss bei Zuwider­hand­lun­gen gegen den Ver­trag, ins­beson­dere gegen das Konkur­ren­zver­bot oder die Geheimhal­tungspflicht. Die Beklagte kündigte das Arbeitsver­hält­nis, worauf die Klägerin eine Kon­ven­tion­al­strafe von CHF 150’000 ein­klagte. Das Arbeits­gericht des Kan­tons Luzern wies die…

4A_86/2020: Herabsetzungsbegehren bei indexierten Mietzinses nach Ablauf der ursprünglichen Laufzeit — Massgeblichkeit der relativen Methode (amtl. Publ.)

Das Bun­des­gericht entsch­ied die bis­lang ungek­lärte Frage, ob bei einem Mietver­trag mit index­ierten Miet­zin­sen und ein­er anfänglichen Laufzeit von fünf Jahren, der sich — vor­be­hal­ten ein­er Kündi­gung — stillschweigend von Jahr zu Jahr ver­längert, der Mieter am Ende der anfänglichen Laufzeit und damit für den fol­gen­den Zeitraum eine Her­ab­set­zung des Miet­zins­es ver­lan­gen kann, mit der Begrün­dung, dass der ursprünglich vereinbarte…

1C_510/2010: Opferhilfe; Informationspflicht gegenüber Angehörigen von Vertragsstaaten aufgrund Diskriminierungsverbot gemäss FZA (amtl. Publ.)

In dem zur Pub­lika­tion vorge­se­henen Urteil 1C_510/2010 vom 24. März 2011 heisst das Bun­des­gericht eine Beschw­erde gegen die Abweisung eines Gesuchs um Entschädi­gung und Genug­tu­ung nach dem Art. 11 Abs. 3 aOHG. Die Beschw­erde­führerin ist Staat­sange­hörige der Repub­liken Öster­re­ich und Philip­pinen; sie wohnt seit 2001 in der Schweiz. Drei Jahre später wurde sie Opfer eines Raubüber­falls in Mani­la (Philip­pinen), wobei…

4A_97/2016: Kaufvertrag, Willensmängel

Gegen­stand dieses Urteils bildete ein Gara­gen­be­trieb, den der Verkäufer alter­shal­ber verkaufen wollte. Die Klägerin, die sich für die Über­nahme eines beste­hen­den Betriebs inter­essierte, verpflichtete sich daraufhin, vom Gara­gen­be­trieb des Verkäufers ver­schiedene Aktiv­en zu erweben bzw. Rechtsver­hält­nisse zu übernehmen. In der Folge teilte die Klägerin dem Beklagten mehrmals mit, sich wegen Wil­lens­man­gels nicht an den Kaufver­trag hal­ten zu wollen. Dabei machte…

4A_279/2009: Einmal mehr: Abgrenzung Garantie zur Bürgschaft

…und nicht weniger als Aus­druck davon sei, dass mit ein­er Garantieleis­tung auch nur der Aus­fall aus der Nichter­fül­lung des Grundgeschäfts bzw. aus dem Nichtein­tritt des garantierten Erfolges aus­geglichen wer­den solle. Eigen­in­ter­esse des Interze­den­ten (Erw. 4.6). Ein eigenes Inter­esse des Promit­ten­ten sei zwar für die Abgren­zung der Bürgschaft vom Garantiev­er­trag nicht auss­chlaggebend, bilde aber doch ein Indiz für die Annahme eines Garantiever­trags.

4A_160/2012: Herabsetzung einer Konventionalstrafe von CHF 690’000 auf CHF 170’000 (amtl. Publ.)

In einem Prax­isüber­nah­mev­er­trag hat­ten die Parteien eine Zahlung in zwei Rat­en vere­in­bart, wobei die Zahlung unter der Bedin­gung ste­he, dass sich bei­de Parteien ver­tragskon­form und “getreu” ver­hal­ten. Der Übernehmer der Prax­is hat­te in der Folge gel­tend gemacht, Patien­ten­dat­en seien nicht richtig übergeben wor­den; der Ver­trag sei also ver­let­zt, weshalb die zweite Rate von CHF 340’000 nicht bezahlt wer­den müsse. Der…

4A_64/2022: Ausdehnung einer Schiedsklausel auf einen Dritten (nach französischem Recht)

…(d.h. der lex causae) als auch nach Schweiz­er Recht (Art. 178 Abs. 2 IPRG i.f.). Gegen diesen Entscheid erhob A. u.a. gestützt auf Art. 190 Abs. 2 lit. b IPRG Beschw­erde an das Bun­des­gericht, wobei sich ihre Aus­führun­gen nur noch auf die Frage der Zuständigkeit nach franzö­sis­chem Recht bezo­gen. Vor Bun­des­gericht stellte sich fol­glich die Frage, ob das franzö­sis­che Recht…

4A_246/2011: Auslegung einer pathologischen Schiedsklausel

Im Entscheid 4A_246/2011 vom 7. Novem­ber 2011 (amtl. Pub­lika­tion vorge­se­hen) set­zte sich das Bun­des­gericht mit der Ausle­gung ein­er pathol­o­gis­chen Schied­sklausel auseinan­der. Beschw­erde­führer war ein Fuss­ball­club, Beschw­erdegeg­ner­in eine Fuss­bal­la­gen­tur. Diese Parteien schlossen 2003 eine Vere­in­barung betr­e­f­fend den Trans­fer eines Spiel­ers. Die Vere­in­barung enthielt die fol­gende Klausel: “The com­pe­tent instance in case of a dis­pute con­cern­ing this Agree­ment is the FIFA Commission,…

5A_473/2011: IPRG 88 I, 91 I, 95 I: auf Erbverträge bei Nachlasspaltung anwendbares Recht (amtl. Publ.)

…zu eigen) im Fall ein­er Nach­lasss­pal­tung grund­sät­zlich nach IPRG 91 I, um eine ein­heitliche Recht­san­wen­dung sicherzustellen. Gegenüber dem Grund­satz bleiben jedoch die Son­der­anknüp­fun­gen nach IPRG 93 ff., u.a. für Erb­verträge und gegen­seit­i­gen Ver­fü­gun­gen von Todes wegen (IPRG 95) vor­be­hal­ten: Weshalb das all­ge­meine Erb­statut dem beson­deren Erb­ver­tragsstatut vorge­hen soll, ver­mö­gen die Beschw­erde­führer nicht nachvol­lziehbar zu begrün­den. Ger­ade weil die Son­der­anknüp­fung gemäss…