2C_222/2007: Nichteintreten auf eine Beschwerde (Doppelbesteuerung; Zwischenentscheid)

Das BGer tritt auf eine Beschw­erde ein­er Liegen­schaften­händ­lerin nicht ein. Die Steuerver­wal­tung LU hat­te die Beschw­erde­führerin als interkan­tonale Liegen­schaften­händ­lerin beurteilt, die Erträge objek­t­mäs­sig und die Schuldzin­sen pro­por­tion­al nach Lage der Aktiv­en ver­legt; eine Ver­rech­nung von im Kan­ton BG ent­standen­em Aufwandüber­schuss mit Grund­stück­gewinn im Kan­ton LU wurde ver­weigert. Die Steuerver­wal­tung BE hat­te die Gesellschaft demge­genüber als interkan­tonale Unternehmung eingeschätzt und den…

4A_233/2013: Begrenzte Effektivklauseln sind zulässig, sofern sie nicht übermässig in die Privatautonomie eingreifen (amtl. Publ.)

Die Regionale Par­itätis­che Beruf­skom­mis­sion Plat­ten­leger, Sek­tion Zen­tralschweiz (Beschw­erde­führerin), stellte in einem Entscheid fest, die A. AG (Beschw­erdegeg­ner­in) habe gegen Bes­tim­mungen des teil­weise all­ge­mein­verbindlichen Gesam­tar­beitsver­trages für das Plat­ten­legergewerbe ver­stossen. Die A. AG habe namentlich gegen den Anhang Nr. 1 des GAV ver­stossen, wonach die effek­tiv­en Löhne aller der All­ge­mein­verbindlicherk­lärung unter­stell­ten Arbeit­nehmer bes­timmter Kat­e­gorien um CHF 100 erhöht wur­den. Der A. AG

5D_124/2016: keine Ansetzung einer Nachfrist gemäss Art. 132 ZPO bei bewussten Unterlassungen

…Beschw­erde erheben woll­ten. In der Folge ver­langte B.A. — allerd­ings ohne eine Voll­macht beizule­gen — für A.A. eine Begrün­dung. Das Bezirks­gericht trat auf diesen Antrag nicht ein und aufer­legte B.A. die Spruchge­bühr. Gegen diesen Entscheid gelangten A.A. und B.A. ans Oberg­ericht und macht­en u.a. gel­tend, dass das Bezirks­gericht zuerst eine Nach­frist im Sinne von Art. 132 ZPO hätte anset­zen müssen.…

4A_611/2011: vorsorglich angeordnete Herausgabepflicht nach Ende des Arbeitsverhältnisses

Das BGer hält fest, dass ein Ver­bot, Kun­den des Arbeit­ge­bers abzuwer­ben und an eine andere Gesellschaft zu ver­mit­teln, sowohl aus der Treuepflicht des Arbeit­nehmers fol­gt (OR 321a) als auch aus sein­er Her­aus­gabepflicht (OR 321b). Infolgedessen durfte das KGer VD willkür­frei entschei­den, der Arbeit­nehmer habe nach Ende des Arbeitsver­hält­niss­es bes­timmte Doku­mente nach OR 339a her­auszugeben (namentlich Doku­mente mit ver­traulichem Inhalt), um…

4A_433/2019: Gerichtsstandsvereinbarungen bei kartellrechtlichen Ansprüchen

Dieses Urteil bot dem Bun­des­gericht Gele­gen­heit, sich zu Gerichts­standsvere­in­barun­gen im Zusam­men­hang mit kartell­rechtlichen Stre­it­igkeit­en zu äussern. Hin­ter­grund war (vere­in­facht) die Klage ein­er Garage mit Sitz in der Schweiz gegen eine Auto­her­stel­lerin mit Sitz in Ital­ien. Die bei­den Parteien hat­ten im Zusam­men­hang mit Ver­hand­lun­gen über den Abschluss eines Exk­lu­sivver­trieb­ver­trags einen Let­ter of Intent («LOI») unterze­ich­net, in welchem unter anderem fest­ge­hal­ten wurde,…

2C_391/2008 (amtl. Publ.): Anspruch auf öffentliche Verhandlung

…hät­ten auf ihren Anspruch aus Art. 6 Ziff. 1 EMRK verzichtet (E. 2.3). Das Bun­des­gericht hielt sodann fest, dass ungeachtet eines entsprechen­den Antrags u.a. gle­ich­wohl von ein­er öffentlichen Ver­hand­lung abge­se­hen wer­den könne, wenn (1) dieser Antrag nicht frühzeit­ig genug gestellt werde, (2) dieser als schikanös erscheine, (3) auf eine Verzögerungstak­tik schliessen liesse oder (4) gar rechtsmiss­bräuch­lich sei. Es stellte sich damit…

5A_376/2012: Eingabe bei der sachlich oder funktionell unzuständigen Instanz; überspitzer Formalismus bejaht

Das BGer hält im vor­liegen­den Entscheid fest, dass eine Behörde, die zuwartet, bis sich ein verbesser­lich­er Fehler nicht mehr heilen lässt, und danach die Partei die Fol­gen dieses Fehlers tra­gen lässt, über­spitzt for­mal­is­tisch han­delt. Konkret hat­te das  Bezirks­gericht Hor­gen einen nicht vertrete­nen Beschw­erde­führer nach Erhalt eines Rechtsmit­tels nicht darauf aufmerk­sam gemacht, dass die Beschw­erde bei der Rechtsmit­telin­stanz einzure­ichen ist, und es…

5A_568/2012: Novenrecht im LugÜ-Exequaturverfahren

Das BGer hält fest, dass ZPO 326 (Noven­recht im Beschw­erde­v­er­fahren) im Exe­quaturver­fahren für LugÜ-Urteile nicht anwend­bar ist: […] Zumal das erstin­stan­zliche Ver­fahren ein­seit­ig ist und die Gegen­partei erst im Rechtsmit­telver­fahren ihren Stand­punkt einzubrin­gen ver­mag, kann Art. 326 ZPO im Exe­quatur-Ver­fahren nicht zum Tra­gen kom­men, son­dern müssen Noven im Rechtsmit­telver­fahren gemäss Art. 43 LugÜ i.V.m. Art. 327a ZPO zuläs­sig sein […], was insbesondere…

5A_782/2021: Widerruf der Prozessstandschaftserklärung zur Geltendmachung von Volljährigenunterhalt

Im Urteil 5A_782/2021 vom 29.6.2022 hält das Bun­des­gericht fest, ein im Laufe des Ver­fahrens volljährig gewor­denes Kind könne die seinem Eltern­teil zu Beginn des Ver­fahrens erteilte Zus­tim­mung zur Gel­tend­machung von Unter­halts­beiträ­gen in Prozess­stand­schaft nachträglich wider­rufen. Das Gericht hat dann einzig noch über den Min­der­jähri­ge­nun­ter­halt zu befind­en; auf Anträge betr­e­f­fend Volljähri­ge­nun­ter­halt hat es nicht einzutreten. Urteil­szusam­men­fas­sung Das Bun­des­gericht räumt Eltern die…

4A_255/2015: Sachlicher Zusammenhang zwischen Ansprüchen als Voraussetzung für eine Klageänderung

Das Bun­des­gericht hat­te unter der ZPO erst­mals Gele­gen­heit, sich zur Frage zu äussern, wann der geset­zlich geforderte sach­liche Zusam­men­hang zwis­chen Ansprüchen vor­liegt, damit gemäss Art. 227 Abs. 1 lit. a ZPO eine Klageän­derung zuläs­sig ist (Urteil 4A_255/2015 vom 1. Okto­ber 2015, E. 2.2). Ein sach­lich­er Zusam­men­hang liegt nicht nur dann vor, wenn eine iden­tis­che Anspruchs­grund­lage (der­selbe Ver­trag) oder ein identischer…