5A_1000/2020: Schweizweiter Arrest mit Lead-Betreibungsamt, sinngemässe Anwendung von Art. 89 SchKG (amtl. publ.)

In diesem zur Pub­lika­tion vorge­se­henen Entscheid 5A_1000/2020 vom 1. Feb­ru­ar 2022 entsch­ied das Bun­des­gericht über die bis jet­zt umstrit­tene Frage, ob ein Betrei­bungsamt als Lead-Betrei­bungsamt mit dem Vol­lzug eines schweizweit­en Arrests beauf­tragt wer­den kann. Das Bun­des­gericht bejahte diese Frage und erwog, dass Art. 89 SchKG im schweizweit­en Arrestzug sin­ngemäss anwend­bar ist. Dabei legte das Bun­des­gericht die Anforderun­gen an die Beauftragung…

5A_567/2013: Lohnpfändung bei schwankendem Einkommen, Ausgleichansprüche

Das BGer äussert sich im vor­liegen­den Urteil zur Lohnpfän­dung bei schwank­enden Einkom­men, dies vor­wiegend in Bestä­ti­gung beste­hen­der, wenn auch älter­er Recht­sprechung. Zunächst trifft den Schuld­ner im Rah­men der Pfän­dung eine gewisse Mitwirkung­sobliegen­heit bei der Fest­stel­lung  sein­er Einkom­mensver­hält­nisse: Gewiss hat das Betrei­bungsamt die tat­säch­lichen Ver­hält­nisse, deren Ken­nt­nis zur Ermit­tlung des pfänd­baren Erwerb­seinkom­mens nötig ist, grund­sät­zlich von Amtes wegen abzuk­lären. Daraus fol­gt jedoch…

4A_205/2015: Rückdatierung der Rechtshängigkeit erfordert Neueinreichung der ursprünglichen Eingabe im Original (amtl. Publ.)

Die Beschw­erde­führerin reichte beim Han­dels­gericht Zürich eine Aberken­nungsklage ein. Das Han­dels­gericht trat auf die Klage nicht ein, da die Aberken­nungsklage ver­spätet ein­gere­icht wor­den sei und die Voraus­set­zun­gen von Art. 63 ZPO für eine Rück­datierung der Recht­shängigkeit auf den Zeit­punkt der früheren Klageein­re­ichung bei einem unzuständi­gen Gericht nicht vor­liegen wür­den. Das Bun­des­gericht schützte den han­dels­gerichtlichen Entscheid (Urteil 4A_205/2015 vom 14. Okto­ber 2015). Gemäss…

5A_391/2012: Verkauf eines landw. Gewerbes an den vorkaufsberechtigten Sohn: keine Schenkungs‑, aber u.U. Überschuldungspauliana

Die Schenkungspau­liana i.S.v. SchKG 286 set­zt u.a. voraus, dass zwis­chen der Leis­tung und der Gegen­leis­tung ein Missver­hält­nis beste­ht. Dies traf im vor­liegen­den Fall ent­ge­gen dem ersten Anschein nicht zu. Konkret ging es um den direk­ten Verkauf eines land­wirtschaftlichen Gewerbes durch einen Vater, gegen den Ver­lustscheine bestanden, an seinen Sohn zu einem erhe­blich unter dem Verkehr­swert liegen­den Preis. Ein Missver­hält­nis lag aber…

5A_727/2017, 5A_728/2017: Festlegung der Kompetenzen des mit der Auflösung und Liquidation eines Gemeinschaftsverhältnisses beauftragten Verwalters (amtl. Publ.; frz.)

Der vor­liegende Entscheid, dem eine Ver­fahrensvere­ini­gung voran ging, dreht sich im Kern um die Frage, wer befugt ist, die Kom­pe­ten­zen des Ver­wal­ters im Rah­men der Beson­deren Ver­w­er­tungsver­fahren (Art. 132 SchKG) zu definieren. Das Betrei­bungsamt hat­te entsch­ieden, dass der Ver­wal­ter befugt sei, eine Teilungsvere­in­barung anstelle der Schuld­ner­in zu unterze­ich­nen. Die Schuld­ner­in (Beschw­erde­führerin) rügte in diesem Zusam­men­hang vor der unteren und der…

5A_169/2023: Voraussetzungen für die Verlängerung der definitiven Nachlassstundung gemäss Art. 295b Abs. 1 SchKG (amtl. Publ.)

In diesem zur Pub­lika­tion vorge­se­henen Entscheid 5A_169/2023 vom 12. Jan­u­ar 2024 hat­te sich das Bun­des­gericht mit der Frage auseinan­derzuset­zen, ob die defin­i­tive Nach­lassstun­dung über 12 Monate hin­aus gemäss Art. 295b Abs. 1 SchKG ver­längert wer­den darf, wenn die Sach­wal­ter keinen Ver­längerungsantrag gestellt haben. Das Bun­des­gericht erwog, dass eine solche Ver­längerung ohne Antrag der Sach­wal­ter aus­geschlossen ist.   Dem Entscheid lag fol­gen­der Sachver­halt zugrunde:…

5A_236/2013: Kompetenz des Rechtsöffnungsrichters bei mehrfacher Betreibung für eine Schuld (amtl. Publ.)

Das BGer äussert sich im vor­liegen­den Urteil zur Frage, ob der Recht­söff­nungsrichter bei mehreren Betrei­bun­gen für dieselbe Forderung die Zuläs­sigkeit dieses Vorge­hens des Gläu­bigers prüfen kann.   Das Recht­söff­nungsver­fahren ist ein reines Voll­streck­ungsver­fahren. Die Auf­gabe des Gerichts beste­ht einzig in der Prü­fung,  ob das Urteil bzw. gle­ichgestellte Titel bzw. — bei der pro­vi­sorischen Recht­söff­nung — die Schul­dan­erken­nung voll­streck­bar ist und ob…

5A_59/2012: Abweisung der Beschwerde gegen die Arresteinsprache nicht revisionsfähig (amtl. Publ.)

Das OGer hat­te ein Revi­sion­s­ge­such der Abweisung ein­er Beschw­erde gegen eine Arrestein­sprache (SchKG 278) abgewiesen. Dage­gen gelangte der Beschw­erde­führer ans BGer. Vor BGer war strit­tig, ob die Abweisung der Beschw­erde gegen die Arrestein­sprache über­haupt revi­sions­fähig war. Das BGer verneint diese Frage. Zweck der Revi­sion i.S.v. ZPO 328 ff. ist es, materiell recht­skräftige Gericht­sentschei­de bei Vor­liegen bes­timmter Revi­sion­s­gründe ein­er erneuten Prü­fung durch das…

5A_579/2018: Verzugszins für Unterhaltsbeiträge (Art. 105 OR, amtl. Publ.)

Im vor­liegen­den, zur amtlichen Pub­lika­tion bes­timmten Urteil hat­te sich das Bun­des­gericht mit dem Verzugszins für fam­i­lien­rechtliche Unter­halts­beiträge zu befassen. Das Oberg­ericht des Kan­tons Bern hat­te den Unter­halts­beitrag, welchen der Beschw­erde­führer an die Beschw­erdegeg­ner­in zu leis­ten hat­te, auf CHF 3’000, „zahlbar monatlich im Voraus“, fest­ge­set­zt. Das Bun­des­gericht erwog hierzu zunächst, dass das Oberg­ericht damit „nicht nur die Höhe, son­dern auch die…

5A_83/2012: Haftung für Arrestschaden; Widerrechtlichkeit (amtl. Publ.)

Nach SchKG 273 haftet der Gläu­biger dem Schuld­ner und Drit­ten für den aus einem ungerecht­fer­tigten Arrest erwach­senden Schaden. Dabei ist nach herrschen­der Auf­fas­sung der Arrestein­spracheentscheid für den Zivil­richter bindend. Das BGer bestätigt im vor­liegen­den Urteil diese Ansicht: Die Beschw­erde­führerin wen­det sich gegen die Auf­fas­sung des Oberg­erichts, welch­es die Wider­rechtlichkeit des Arrestes mit der Begrün­dung bejaht hat, dass die Arrestein­sprache gutgeheissen…