Elektronischer Verkehr mit Behörden: Zivil- & Strafverfahren sowie SchKG-Sachen per 1.1.2011 / Änderung SchKG-Gebührenverordnung

In Ziv­il- und Strafver­fahren sowie in Schuld­be­trei­bungs- und Konkursver­fahren wer­den die Behör­den ab näch­stem Jahr Eingaben auch in elek­tro­n­is­ch­er Form ent­ge­gen­nehmen und behan­deln. Der Bun­desrat hat kür­zlich die Über­mit­tlungsverord­nung, die die Modal­itäten des elek­tro­n­is­chen Verkehrs regelt, auf den 1. Jan­u­ar 2011 in Kraft geset­zt. Die Über­mit­tlungsverord­nung bes­timmt u.a., dass Eingaben an eine Behörde sowie die Zustel­lung von Vor­ladun­gen, Ver­fü­gun­gen, Entscheiden…

4A_740/2012: Anerkennung und Vollstreckbarerklärung eines belgischen Urteils betreffend Sabena (amtl. Publ.)

In Bel­gien ist ein Haftpflicht­prozess hängig, der zum Gegen­stand hat, ob die SAir­Group und die SAir­Lines (bei­de in Nach­lass-Liq­ui­da­tion) gegenüber der in Konkurs ger­ate­nen Luft­fahrt­ge­sellschaft Sabena SA schaden­er­satzpflichtig sind. Der Cour d’appel de Brux­elles fällte einen Vorentscheid, gemäss dem die SAir­Group und die SAir­Lines in Liq­ui­da­tion sol­i­darisch verurteilt wur­den, der Sabena-Konkurs­masse den Betrag von EUR 18’290’800.60 zu bezahlen (nach­fol­gend “bel­gis­ches…

5a_484/2010: OGer ZH verletzt Äquivalenzprinzip durch Streitwerterhöhung um 1/3 bei Kollokationsklagen

Das BGer heisst eine Beschw­erde gegen zwei Beschlüsse des OGer ZH (Ver­wal­tungskom­mis­sion) gut, mit welchen das OGer eine Gerichts­ge­bühr für abgewiesene Kol­loka­tion­skla­gen geschützt hat­te. Dabei war das OGer wie die Vorin­stanz, das BG Affoltern, von einem rechtlichen Inter­esse an den Kol­loka­tion­skla­gen aus­ge­gan­gen, obwohl keine Konkurs­div­i­dende zu erwarten war, weil die Kol­loka­tion­skla­gen im vor­liegen­den Fall zur Abwen­dung von Schaden­er­satzk­la­gen gegen die…

5A_249/2014: Keine definitive Rechtsöffnung für ein Urteil des Arbeits- und Sozialgerichts Wien (amtl. Publ.)

Im vor­liegen­den Entscheid hat­te sich das Bun­des­gericht mit der Frage zu befassen, ob gestützt auf ein Urteil des Arbeits- und Sozial­gerichts Wien betr­e­f­fend die Bezahlung von Lohnzuschlä­gen für das Urlaub­sent­gelt von Arbeit­nehmern nach öster­re­ichis­chem Recht die defin­i­tive Recht­söff­nung erteilt wer­den könne. Die erste und die zweite Instanz hat­ten die Recht­söff­nung ver­weigert. Das Bun­des­gericht erwog zunächst, dass die Beschw­erde in Zivilsachen…

5D_101/2013: Fristwahrung bei Zahlungen ans Gericht (amtl. Publ.)

In einem Recht­söff­nungsver­fahren set­zte das Oberg­ericht des Kan­tons Zürich dem Beschw­erde­führer eine ein­ma­lige Nach­frist von 5 Tagen zur Leis­tung des Kosten­vorschuss­es von CHF 300. Der Beschw­erde­führer hat­te gemäss den tat­säch­lichen Fest­stel­lun­gen der Vorin­stanz die Nach­fristver­fü­gung am 20. Feb­ru­ar 2013 ent­ge­gengenom­men, so dass die Nach­frist am 25. Feb­ru­ar 2013 ablief (BGer. 5D_101/2013 vom 26. Juli 2013, E. 2). Gemäss Auszug aus…

5A_139/2013: Anfechtungsklage; solidarische Haftung (amtl. Publ.)

Das vor­liegende Urteil bet­rifft eine Anfech­tungsklage. Das BGer hält dabei fest, dass der Abtre­tungs­gläu­biger im Sinne von SchKG 260 bei der Anfech­tungsklage nur die Aktivle­git­i­ma­tion erwirbt, nicht aber die materielle Berech­ti­gung (Prozes­stand­schaft) und die Rück­forderung infolgedessen nur für die Masse ver­lan­gen kann, aber nicht für sich selb­st. Das hin­dert den Abtre­tungs­gläu­biger aber nicht daran, Zahlung an sich selb­st zu verlangen,…

5A_997/2014: Parteikostensicherheit / unentgeltliche Rechtspflege (Art. 99 und 117 f. ZPO; amtl. Publ.)

Im vor­liegen­den Fall hat­te das Bun­des­gericht zu entschei­den, inwiefern die unent­geltliche Recht­spflege bloss teil­weise gewährt wer­den kann. Dem Entscheid lag fol­gen­der Sachver­halt zugrunde: Das Bezirks­gericht hat­te B. (Beschwerdegegner/Kläger) die unent­geltliche Recht­spflege bewil­ligt und einen unent­geltlichen Rechts­bei­s­tand einge­set­zt. Die A. AG (Beschwerdeführerin/Beklagte) hat­te daraufhin angemessene Sicher­heit für ihre Parteikosten ver­langt und sich dem Gesuch um unent­geltliche Recht­spflege wider­set­zt. Das Bezirks­gericht bewilligte…

5A_758/2013: Lastenverzeichnis, Lastenbereinigung, Art. 34 VZG (frz.; amtl. Publ.)

Dieser Bun­des­gericht­sentscheid befasst sich mit dem Las­ten­verze­ich­nis sowie mit Art. 34 VZG. Erk­lärt der Richter im Las­ten­bere­ini­gung­sprozess bes­timmte Schuld­briefe nicht für „annul­liert“, son­dern hält er nur fest, dass der Besitzer der Schuld­briefe nicht Schuld­briefgläu­biger sei, und führt das Betrei­bungsamt in der Folge die Forderung im Las­ten­verze­ich­nis als bestrit­ten auf, so kann der Gläu­biger hierge­gen eine Beschw­erde nach Art. 17 SchKG einreichen.…

4A_637/2023: Rechtsöffnungstitel und Drittpfandeigentümer (amtl. Publ.; FR)

In diesem zur Pub­lika­tion vorge­se­henen Urteil 4A_673/2023 vom 4. Dezem­ber 2024 set­zte sich das Bun­des­gericht mit der Frage auseinan­der, ob sich der Sub­un­ternehmer auf eine voll­streck­bare öffentliche Urkunde über eine Geldleis­tung (Art. 349 ZPO), die vom Gen­er­alun­ternehmer unterze­ich­net wurde, im Betrei­bungsver­fahren auf Pfand­ver­w­er­tung gegen den Drittp­fan­deigen­tümer (Bauhandw­erk­erp­fan­drecht) berufen kann, um den Rechtsvorschlag des Drittp­fan­deigen­tümers defin­i­tiv zu beseit­i­gen. In Anlehnung an die…

5A_501/2009: Durchgriff im Arresteinspracheverfahren

Im Rah­men ein­er Arrestein­sprache äusserte sich das BGer kür­zlich (5A_225/2009; 5A_501/2009, Urteil vom 10. Sep­tem­ber 2009) zum „Durch­griff im Arrestver­fahren“. Das BGer hielt zunächst fest, dass im Ein­sprachev­er­fahren nicht über die rechtliche Zuge­hörigkeit der Arresto­b­jek­te zum Schuld­nerver­mö­gen entsch­ieden werde, son­dern darüber, ob der Arrestrichter das Vorhan­den­sein von Ver­mö­gens­ge­gen­stän­den, die dem Arrestschuld­ner gehören, als glaub­haft gemacht eracht­en darf (Art. 272 Abs.…